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Anonymität als Schutz

24.06.2009, 10:30 Uhr | mmh, dapd

Umstritten: spickmich.de. (Bild: dpa)Umstritten: spickmich.de. (Bild: dpa)Das Lehrerbewertungsportal spickmich.de soll nach Angaben der Betreiber nicht nur bei der Schulauswahl helfen, sondern vor allem Lehrern ein Feedback geben. Nachfolgend ein AP-Interview mit einem der drei Gründer, Manuel Weisbrod.

Herr Weisbrod, die Krankenkassen planen ein Bewertungsportal für Ärzte. Patienten können sich im Normalfall ihre Ärzte selbst aussuchen, wobei sie auch auf Empfehlungen anderer Patienten zurückgreifen. Lehrer kann man sich normalerweise aber nicht aussuchen. Welchen Sinn hat also ein Lehrerbewertungsportal?
Weisbrod: In der Oberstufe kann man ja durchaus Kurse wählen. Außerdem kann das Gesamtbild, das die Lehrer an einer Schule ergeben, die Schulwahl beeinflussen. Aber es geht auch darum, den Lehrern ein Feedback zu geben und zu zeigen, welcher Lehrer von seinen Schülern gut beurteilt wird und welcher schlecht.

Wie kann man ausschließen, dass sich gekränkte Schüler mit unfairen Bewertungen an einem Lehrer rächen oder dass sich Unbeteiligte als Schüler einloggen und Menschen bewerten, die sie gar nicht kennen?
Weisbrod: Ausschließen kann man natürlich nichts. Aber nach zweieinhalb Jahren haben wir inzwischen ein technisches Verfahren entwickelt, mit dem wir versuchen, Frust- und Spaßbewertungen rauszusortieren. Das klappt unserer Meinung nach auch ganz gut. Bewertungen durch Unbeteiligte versuchen wir über die Community zu verhindern. Das heißt, dass Schüler es melden, wenn jemand, der bewertet hat, gar nicht zur Klasse gehört, und diese Benotung lassen wir dann raus.

Wäre es nicht aussagekräftiger, wenn nicht einzelne Schüler einen Lehrer bewerten, sondern die ganze Klasse?
Weisbrod: Wir haben eine Mindestbewertungszahl: Es müssen mindestens zehn unterschiedliche Schüler einen Lehrer bewertet haben, damit die Benotung öffentlich gemacht wird. Ein Lehrer hatte mal eine Bewertungsmethode vorgeschlagen, bei der zu Schülerausweisen Accounts gehören, und die Klasse stimmt dann zusammen ab. Das ist zwar von der Idee her ganz gut, hat aber tausend Fußangeln in der konkreten Umsetzung. Wir sind immer ein bisschen in dem Zwang, in dem jedes Bewertungsportal steckt: Es muss so praktikabel sein, dass es auch funktioniert, damit man relativ flächendeckend Lehrer bewerten kann. Und die Ergebnisse sind eigentlich ziemlich valide.

Aber warum sind die Bewertungen anonym? Wenn man sich auf die Meinungsfreiheit beruft, wäre es doch fairer, nicht nur den Bewerteten namentlich zu nennen, sondern auch den Bewerter.
Weisbrod: Grundsätzlich hängt die Meinungsfreiheit nicht daran, ob man es anonym macht oder nicht. Für die Anonymität würde ich kämpfen wie ein Löwe, denn es herrscht eine enorme Machtasymmetrie zwischen dem, der die Noten gibt, und dem Bewerteten. Wenn man die Anonymität wegnimmt, schafft man eine große Problematik, weil die Bewerteten die Möglichkeit zu Repressalien haben. So gab es in der Anfangszeit von spickmich.de einen Fall, bei dem ein Lehrer komplett alle Eltern unterschreiben ließ, dass die Kinder keine Benotung bei spickmich.de vornehmen. In einem anderen Fall wurde Schülern, die bei spickmich.de registriert waren - damals konnte man sehen, welche Schüler einer Schule angemeldet waren -, mit Rauswurf aus der Schule gedroht, falls sie sich nicht wieder abmelden. Die Anonymität dient somit dem Schutz der Bewerter.


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