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Hochbegabung: Super-Abitur mit 15 Jahren

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Hochbegabung  

Wunderkind: Super-Abitur mit 15 Jahren

01.07.2009, 15:18 Uhr | mmh, Simone Blaß, dpa, t-online.de

Hochbegabte haben es nicht immer leicht. (Bild: Imago)Hochbegabte haben es nicht immer leicht. (Bild: Imago)Wunderkinder haben es auch nicht immer leicht. Ann-Christin Wendeln ist ein Wunderkind: Abitur mit 15, Notendurch- schnitt 1,0, hochbegabt. Doch davor lag ein schwerer Weg und die Erkenntnis, dass sich in der Bildungspolitik noch viel ändern muss. #

Eine der jüngsten und besten Abiturientinnen

Die 15-Jährige aus Bösel ist heute eine der besten und jüngsten Abiturientinnen Deutschlands. Sie erreichte die Traumnote 1,0. Doch davor lag ein Schulalbtraum, bis sie auf dem privaten Internatsgymnasium Schloss Torgelow in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) aufgenommen wurde. "Als ich auf dem Gymnasium landete, war ich richtig zufrieden", zitiert die NWZ-online die 15-Jährige.

Holprige Schullaufbahn

Ihre Schullaufbahn verlief davor eher ungerade: Nach einem halben Jahr in der ersten Klasse der Grundschule ihres Heimatortes Bösel, sprang sie in die zweite Klasse, dann ließ sie die vierte komplett aus. "Die Grundschule war mir einfach zu langweilig", sagte sie der NWZ-Online. Viele Eltern wünschen sich solch einen Überflieger, doch Ann-Christins Eltern litten mit ihrer Tochter. Es war schwer, eine geeignete Schule zu finden. Ann-Christin galt als Streberin, die von ihren Eltern angetrieben worden sei.

Odyssee endet im Internat

Als sie mit acht schließlich in die fünfte Klasse des Internats aufgenommen wurde, ging es ihr gut. Die Liebfrauenschule in Cloppenburg weigerte sich, sie aufzunehmen, denn sie sei zu jung. Auf einer anderen Schule in Vechta hielt es das Mädchen nur kurz aus. Im Internat jedoch blühte sie auf.

Zukunft als Studentin

Die nächste Herausforderung heißt Studium. Wieder als eine der jüngsten. Sie will Bio-Medizin studieren, am liebsten in Göttingen. Doch auch hier bedeutet jung und hochbegabt erst einmal Schwierigkeiten. Sie wurde abgelehnt, denn das Mindestalter sei 16. Ihr Geburtsdatum in der Online-Bewerbung wurde als Fehler gewertet. Dabei ist sie gar nicht mal alleine: Erst kürzlich legte ein 15-Jähriger in Oberbayern sein Abi ab und der 15-Jähriger Maximilian Baritz aus dem badischen Ortenberg ebenfalls.

Hochbegabung selten erkannt

Maximilian hatte Glück, seine Hochbegabung wurde schon im Kindergarten entdeckt und dementsprechend gefördert. Das Abitur hat er mit 15 Jahren in der Tasche, nun will er - noch mit 15 Jahren - studieren. "Ich bin froh, dass ich nicht mehr zur Schule gehen muss. Geliebt habe ich sie nie", sagt Maximilian. Er gilt als hochbegabt. Ob im Kindergarten, in der Grundschule oder später am Gymnasium: Baritz war immer der Jüngste. Der Beste in der Schule war er, gemessen an den Zensuren, aber nicht. Das zeigt auch seine Abi-Note: 2,8. An der außergewöhnlichen Begabung zweifelt dennoch niemand. "Aber Begabung führt nicht automatisch zu Leistung", sagt Baritz. Sein außergewöhnliches Talent wurde schon im Kindergarten erkannt. Damals war Baritz zweieinhalb Jahre alt. Die Kinderärztin entdeckte die Fähigkeiten des Jungen und empfahl eine frühe Einschulung. Als Baritz fünf Jahre alt war, kam er auf die Grundschule. Zwei Jahre später wechselte er auf das Gymnasium. Auch dort war er schneller als seine Mitschüler, übersprang Klassenstufen. Seine schulische Laufbahn meisterte er in nur zehn Jahren.

Gegenwind von Mitschülern

 "Einfach ist es als Hochbegabter nicht", sagt er. Von Mitschülern habe es auch Gegenwind gegeben. "Und es ist auch nicht leicht, wenn man von Schülern umgeben ist, die drei bis vier Jahre älter sind." Erst in der Oberstufe habe er sich einigermaßen akzeptiert gefühlt. Ein Genie, Superhirn oder gar ein Streber will Baritz nicht sein. "Mein Fleiß kann extrem sein. Aber er stellt sich nur ein, wenn mein Interesse geweckt wird", sagte er. "Wenn mich etwas wirklich interessiert, kann ich Tag und Nacht durcharbeiten."

Hochbegabter Schulschwänzer

 Weil er sich vom Unterricht nicht angesprochen fühlte, blieb er mehrfach der Schule fern, schwänzte den Unterricht. Die Leistung in einzelnen Fächern sank. Chemie war ein Fach, das er gleich abgewählt hat. Und auch Sport rief bei ihm nicht unbedingt Leidenschaft hervor. In Informatik erreichte er die Höchstpunktzahl von 15 Punkten. Hoch im Kurs steht bei Baritz auch die Musik. In der Zeit der schriftlichen Abiturprüfungen nahm er mit seinem Saxophon am Wettbewerb "Jugend musiziert" teil und wurde Bundessieger - zum dritten Mal.

Mit 15 aus dem Elternhaus

Studieren will Baritz Informatik. "Das Studium hätte ich gerne in München begonnen, denn dort gibt es einen Studiengang für IT- Security. Das ist mein Lieblingsthema." Aber Studieren in einer fremden Stadt, weit weg von den Eltern ist für einen 15-Jährigen nur schwer möglich. Deshalb hat er sich um einen Studienplatz an der Hochschule im nahen Offenburg beworben. Wird er angenommen, wäre er der jüngste Student in Baden-Württemberg. Erste Vorlesungen in Offenburg im Studiengang "Angewandte Informatik" hat er in den vergangenen Herbstferien bereits als Gasthörer besucht. Bevor er an die Hochschule wechselt, will er einen intelligenten Roboter bauen, zudem nimmt er Ende September an einem hochkarätigen Musikwettbewerb teil. Musik will er später auch studieren.

Und doch ein Wunderkind

 Maximilian spricht sechs Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Latein und seit drei Jahren Chinesisch. Schon in der frühen Kindheit lernte er gern. Während seine Freunde den Spielplatz oder das Freibad ansteuerten, ging er in die örtliche Bücherei. "Am liebsten lese ich Fantasiegeschichten", sagt er. Und Fachliteratur, meist über Informatik. Mit seinem Saxophon macht er Straßenmusik. Außerdem ist er viel im Internet unterwegs.

Hochbegabung hat viele Formen

Hochbegabte Kinder sind anders als andere Kinder. Sie verhalten sich anders, sie interessieren sich für andere Dinge, sie sind Gleichaltrigen vom Kognitiven her oft zwei Jahre voraus. Dies kann einzelne Bereiche wie zum Beispiel den logisch-mathematischen, den sprachlichen oder den künstlerischen betreffen, manchmal aber auch mehrere gleichzeitig. Hier gibt es verschiedene Ansätze und genau wie die Tatsache, dass die Wissenschaft sich nicht einig ist, zu wie viel Prozent eine Hochbegabung vererbbar ist, genauso unsicher ist man sich, wie eng man den Begriff Intelligenz fassen soll. Ob zum Beispiel die emotionale Intelligenz ebenfalls gemessen werden sollte beziehungsweise wie.

Hochbegabte Kinder sind anders - aber weder besser noch schlechter

Oft wird die besondere Begabung jahrelang vom Umfeld nicht wahrgenommen, was dazu führt, dass die Kinder entweder ihre Fähigkeiten nicht voll entfalten können oder ihre Begabung sich in Auffälligkeiten zeigt. Birgit Zahradnik von der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V." erklärt das so: „Hochbegabung ist etwas sehr Schönes, wenn man damit umzugehen weiß. Diese Kinder sind in der Lage, sehr schnell Verbindungen herzustellen, denken vernetzt und haben eine hohe Gedächtnisleistung. Doch wie alles hat auch die Hochbegabung ihre zwei Seiten. Denn viele wissen gar nicht, warum sie anders sind, können damit nicht richtig umgehen und werden gemobbt.“ Birgit Zahradnik weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst hochbegabt und hat dies erst als Erwachsene erkannt. „Seitdem ist mein Leben viel einfacher geworden“, betont sie. Sie hat einen hochbegabten Mann geheiratet und auch ihre Kinder sind überdurchschnittlich intelligent. Schwieriger wird es, wenn die Eltern selbst nicht hochbegabt sind. Sie müssen dann dafür sorgen, dass das Kind den nötigen und richtigen Input durch gezielte Förderung, Museumsbesuche und ähnliches bekommt, um sich nicht zu langweilen. „Der Intelligenzquotient entwickelt sich“, so die Sprecherin der DGhK. „Und er kann auch fallen, wenn kein Input kommt. Wenn nichts getan wird, verfliegt die Hochbegabung irgendwann und das schockiert die meisten Eltern. Dabei kann ein hochbegabtes Kind eine tolle Herausforderung sein.“

Erzieher und Lehrer benötigen mehr Information

Als hochbegabt gilt man, wenn man einen IQ von über 130 hat. Das sind allerdings nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Der Großteil dieser hochbegabten Kinder kommt aus den mittleren und oberen Bildungsschichten, was laut Birgit Zahradnik ganz einfach zu erklären ist: „In bildungsfernen Schichten werden hochbegabte Kinder viel seltener entdeckt, weil kaum jemand mal gezielter hinsieht. Viele dieser Kinder landen aufgrund ihrer Familienverhältnisse und herrschender Vorurteile in der Gosse, obwohl sie eigentlich bei gezielter Förderung die besten Chancen hätten.“ Den Grund dafür sieht sie darin, dass Erzieher und Lehrer zu diesem Thema nicht genügend ausgebildet und informiert werden. „Vieles wäre bei flächendeckenden, regelmäßig durchgeführten Tests einfacher. So könnte man auch die Hochbegabten der bildungsfernen Schichten leichter erkennen“, zeigt sie sich überzeugt. „Andere Länder setzen bereits viel mehr auf Hochbegabte und sehen darin auch ganz klar den volkswirtschaftlichen Vorteil.“

Hochbegabte Kinder entwickeln sich schnell zu Außenseitern

Hochbegabt ist übrigens nicht gleichzusetzen mit hoch leistend. Oft sind die Zensuren in der Schule gar nicht herausragend, viele der Kinder sind unterfordert und entwickeln sich entweder zum Besserwisser oder zum Klassenclown. Altersgemäße Freizeitbeschäftigungen und Themen interessieren das hochbegabte Kind meist überhaupt nicht, was es schnell zum Außenseiter macht. Wird das Problem allerdings richtig gedeutet und gibt man diesen Kindern die Möglichkeit, so viel zu fragen und zu experimentieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, dann entwickeln sie sich oft wie andere Kinder auch. „Theoretisch kann sogar ein normal begabtes Kind mit sehr viel Disziplin und Fleiß die gleichen Leistungen erbringen wie ein hochbegabtes“, so Birgit Zahradnik. „Diesem allerdings fliegt das Wissen zu. Hochbegabte Menschen sind wie Schwämme, die Wissen aufsaugen. Lebenslanges Lernen ist das Ziel.“


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