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Moslems im Schwimmunterricht

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Schwimmunterricht  

Moslems im Schwimmunterricht

03.07.2009, 13:22 Uhr | iri, dpa

Zwei muslimische Mädchen während des Schwimmunterrichts in einem Burkini.In einem sogenannten "Burkini" dürfen und müssen muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen. (Bild: dpa)Endlich ist es so weit: Die Sonne knallt vom Himmel und Freibäder warten auf Jungs in Schlabbershorts und Mädchen im knappen Bikini. Unter den Heranwachsenden macht sich aber nicht jede leicht bekleidet auf den Weg ins kühle Nass: Für streng gläubige Musliminnen sind Bikini oder Badeanzug ein absolutes Tabu. Sie dürfen laut Koran nur ein Minimum an Haut und Körperkonturen zeigen. Und dass das nicht allein ein Problem der heißen Jahreszeit ist, weiß Renate Scherf von der Freiburger Vigeliusschule: "28 Jahre lang hat an meinem Schwimmunterricht kein muslimisches Mädchen im Badeanzug teilgenommen", berichtet sie.

Enganliegende Einteiler, kombiniert mit einem Kopftuch

Vor rund fünf Jahren fand sie die Lösung: schwarze Badeanzüge mit langen Ärmeln und Beinen bis an die Knöchel. Im Gegensatz zum Burkini liegt der Einteiler enger an und hat kein integriertes Kopftuch. Das bringen die gläubigen Mädchen selbst mit und befestigen es geschickt im Anzug. "Taucheranzüge sind es nicht, dafür ist das Material viel zu dünn", erklärt Scherf. Wofür das Stück Stoff ursprünglich entworfen wurde, weiß die 59-jährige Sportlehrerin aber nicht.


Praktisch für den Schwimmunterricht

Für den Schwimmunterricht macht es sich auf jeden Fall gut. Die Mädchen haben Spaß im Wasser und machen gerne mit, erzählt Scherf. Im Abstand von zwei Jahren schafft die Pädagogin neue Anzüge an - der rege Gebrauch hinterlässt seine Spuren. Immerhin zehn Schülerinnen aus verschiedenen Klassen bestreiten den Schwimmunterricht im gar nicht knappen Badeanzug. "Wobei es ab Klasse neun nachlässt, aber die Jüngeren haben überhaupt kein Problem mit den Anzügen", berichtet Scherf.

"Ein großes Stück Freiheit"

Die Integration in die Klassengemeinschaft stand beim Kauf der alternativen Schwimmbekleidung nicht im Vordergrund: Die Kinder seien sowieso sehr gut eingegliedert. Jedoch ist sich Scherf sicher, dass sie den Teenagern ein großes Stück Freiheit geben kann: Die Freiheit, wie alle anderen ungehindert am Schwimmunterricht teilzunehmen.

Kompromiss zwischen den Kulturen

Dass die Kluft eher einen Rückschritt im Prozess der Integration mit sich bringt, muss Scherf immer wieder hören: "Ich kann die existierenden Familienstrukturen nicht ändern, aber ich kann auf die andere Kultur eingehen", sagt sie. Für die Sportlehrerin bedeutet Integration, "aufeinander zuzugehen". Sie betrachtet die Anzüge als Kompromiss zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen: Die Haut der Mädchen ist bedeckt, aber sie nehmen wie alle anderen am Unterricht teil.

Urteil: Keine Befreiung vom Schwimmunterricht

Mit ihrer Meinung ist sie nicht allein: Erst Ende Mai hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen entschieden, dass muslimische Mädchen nicht aus Glaubensgründen vom Schwimmunterricht befreit werden dürfen. Die Richter haben auf Ganzkörperbekleidung zum Schwimmen verwiesen.

Interesse von anderen Schulen

Den Schritt ins Freibad haben die Mädchen im schwarzen Schwimmdress bereits mit ihrer Sportlehrerin gewagt. Ob sich die Ganzkörperanzüge in naher Zukunft auch in den höheren Klassen und auch außerhalb des Sportunterrichts durchsetzen, weiß Scherf nicht. Kollegen aus anderen Freiburger Schulen zeigten aber bereits Interesse am Projekt.

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