Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schulkind >

Leseschwäche und Rechtschreibschwäche: Ursachen und Möglichkeiten

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Leserechtschreibschwäche  

Läse- und Rächtschreipschwäche

10.07.2009, 13:51 Uhr | Robert Scholz, t-online.de

Leseschwäche und Rechtschreibschwäche: Ursachen und Möglichkeiten. Junge bei den Hausaufgaben. (Quelle: imago)

Kinder mit Leserechtschreibschwäche lesen sehr langsam und machen immer wieder die gleichen Fehler. (Quelle: imago)

"Weist du wie mann einschlaft": Nach einem langen Tag wollte mein Sohn erst nicht ins Bett und dann nicht einschlafen. Nach einigem verbalen Hin und Her blieb er dann ruhig in seinem Zimmer und 30 Minuten später schob er einen Zettel unter der Wohnzimmertür durch mit dem oben zitierten Text. Zuerst wurde darüber gelacht, aber dann besprachen meine Frau und ich, ob wir uns Sorgen machen müssten über Karls Rechtschreibschwäche. Er ist in der dritten Klasse und seine Lese- und Rechtschreibleistungen sind nicht die besten. "Was können wir tun?", haben wir uns gefragt.

Immer wieder die gleichen Fehler

Karl liest sehr langsam und kann sich bei vielen Worten nicht merken, wie sie geschrieben werden. Bei den Nachschriften in der Schule ist er gut vorbereitet. Wir üben mit ihm zu Hause die Texte, die in der Schule die Woche über durchgearbeitet werden - trotzdem macht er immer wieder die gleichen Fehler. Auch versteht er manche Worte immer wieder falsch und spricht sie dann auch falsch aus. "Büsschen" statt bisschen, sagt er dann, oder "kratz" statt krass.

Woher kommt das?

Vier Prozent bis sechs Prozent der deutschen Bevölkerung, etwa fünf Millionen Menschen, haben große Schwierigkeiten, lesen und schreiben zu lernen. Erstaunlicherweise besitzen sie meist eine hohe technische und kreative Intelligenz. Für die Diagnose der Legasthenie oder der Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) ist eine hohe Intelligenzleistung sogar das entscheidende Kriterium. Dies ist sozusagen ein Wesensmerkmal dieser Schwäche: Schwache Lese- und Rechtschreibleistungen, bei deutlich höherer Intelligenzleistung. So tummeln sich unter den bekannten Legasthenikern denn auch viele berühmte und bedeutende Personen, einige von ihnen haben ihr Geld ausgerechnet mit dem Schreiben von Büchern verdient: Hans Christian Andersen, Agatha Christie, Albert Einstein, Thomas Alva Edison, Ernest Hemingway und viele mehr - alle hatten Probleme beim Erlernen der Schriftsprache.

Ein Ursachenbündel

Ein Kind mit LRS ist somit nicht dumm, sondern die Ursachen liegen woanders. Es ist womöglich ein Ursachenbündel aus Genen, neurologischen Auffälligkeiten, Störungen der Wahrnehmung über das Hören und Sehen, Verzögerung der Sprachentwicklung, des häuslichen Umgangs mit Sprache und Büchern und des Fernsehkonsums. Speziell dabei spielt nicht nur die Dauer des Konsums eine Rolle, sondern vor allem die Qualität des Programms, so die Autoren einer Studie aus dem Jahre 2000. Keiner kennt die Gründe aber bislang genau. Heißester Kandidat ist seit seiner Veröffentlichung zu Beginn dieses Jahres DCDC2 aus einer Region des Chromosomens 6. Was sich anhört wie eine Figur aus einem Sternenkrimi von Georg Lucas ist ein Gen, das sich in einer Studie der Universitäten Marburg und Würzburg als vermeintliche Ursache der Legasthenie herausstellte. Man weiß, dass diese Schwäche gehäuft in einzelnen Familien auftritt. Somit liegt der Vererbungsansatz nahe. Geforscht wird aber weiter, vorerst handelt es sich wohl um ein starkes Indiz.

Abgrenzungen 

Die Abgrenzung zwischen LRS und Legasthenie scheint nicht einfach zu sein. Viele Autoren verwenden den Begriff synonym. Einige aber weisen darauf hin, dass nicht jede Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) gleich eine Legasthenie sein muss. Es gibt zum Beispiel Parallelen zwischen der LRS und ADS, der Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Außerdem können psychologische Konfliktsituationen Lernstörungen und Störungen der sprachlichen Verarbeitung provozieren. Es lohnt sich also genau hinzuschauen.

Wie kann ich helfen?

Eltern haben es bei diesem Thema schwer: Nicht jedes Hilfsangebot trägt Früchte - auch wenn es noch so gut gemeint und mit viel Zeitaufwand unterlegt ist. Um sinnvoll helfen zu können sollten sich Eltern vor Augen führen, dass sie keine Lehrer, keine Therapeuten und keine Nachhilfelehrer sind. Sie haben eine andere Rolle und im Normalfall eine andere Ausbildung. Je mehr Schulbelange in den familiären Alltag eindringen, desto größer können die innerfamiliären Belastungen werden. Diese Spannungen gilt es zu vermeiden. Sie erhöhen den ohnehin bereits vorhandenen Leistungsdruck. Denn für das Kind ist die LRS schon deswegen eine große Belastung, weil es ja eben auf anderen Feldern des Lernens und Denkens mindestens durchschnittliche, oft überdurchschnittliche Leistungen vollbringen kann. Da führt eine Schwäche in einer allgemein als "leicht" verstandenen Übung, wie Lesen und Schreiben, zu hoher Frustration und manchmal auch Scham.

Das Selbstbewusstsein stärken

Deswegen raten pädagogisch-psychologische Beratungsstellen: Versuchen Sie nicht nachzuholen, was das Kind in der Schule nicht geschafft hat. Das verstärkt das Gefühl der Überforderung und des Versagens womöglich. Koordinieren Sie ihre Bemühungen eng mit der Schule und/oder außerschulische Förderangeboten. Stärken Sie das Selbstbewusstsein des Kindes - in dem Sie Ängste nehmen, die Fähigkeiten des Kindes betonen, ohne Vorwürfe und Überforderung dem Kind Sicherheit und Kraft vermitteln. Gehen Sie mit dem Problem - gerade bei ABC-Schützen - spielerisch um. Und, informieren Sie sich. Nur das kann Sie in die Lage versetzen, lösbare Erwartungen an das Kind zu formulieren und seine Fähigkeiten und positiven Eigenschaften zu betonen.

Außerschulische Hilfe?

Ein außerschulisches Hilfsangebot sollte dann in Anspruch genommen werden, wenn die familiäre Situation bereits durch das Thema Schule beziehungsweise Lesen und Schreiben dauerhaft belastet ist. Wenn eigene Bemühungen und Hilfsangebote der Eltern beide Seiten bedrücken und das Thema Schule alles dominiert - die schönen Erlebnisse in einer Familie verdrängt hat. 

Tipps und Tricks, dass es gar nicht erst zu Belastungen kommt

Entscheidend ist, dass die Übungen ohne Druck gestaltet sind und einen spielerischen Charakter behalten. Einige Übungen werden Ihnen im folgenden Abschnitt vorgestellt. Täglich zehn bis 20 Minuten sind nach Auffassung von Kinder- und Jugendpsychologen wesentlich effektiver als stundenlanges Üben. Es soll auch kein Erfolgsdruck vermittelt werden in dem Sinne, dass richtig gelesen und geschrieben werden muss - vielmehr soll sich spielerisch mit der Schriftsprache auseinandergesetzt werden. 

Fazit

Die dargestellten Übungen bereiten das Kind vor und unterstützen es bei seinem Eintritt in die Schriftsprache. Bei anhaltenden und schwerwiegenden Problemen mit der Schriftsprache, sollten gemeinsam mit der Schule Wege gesucht werden, ihrem Kind zu helfen - ob außerschulisch oder innerhalb des schulischen Kalenders. Daneben gibt es eine Reihe von Trainingsprogrammen, die Hilfe versprechen und anbieten.

Spreu vom Weizen trennen

Eines ist das Marburger Rechtschreibtraining, welches sich an Kinder der zweiten bis sechsten Klasse richtet. Es begrenzt sich selbst auf die wichtigsten Rechtschreibprobleme und soll vor allem Lösungsmuster für diese Probleme vermitteln. Diese sollen die Kinder in die Lage versetzen, selbstständig Rechtschreibunsicherheiten zu lösen. Es gehört zu den bekannteren Programmen, die den Eltern durch eine Fülle von Literatur nahegelegt werden. Auf der Internetseite des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (www.bvl-legasthenie.de) finden Sie nicht nur eine Literaturliste und Förderangebote in ihrem Bundesland, sondern auch Informationen, aus denen Sie speziell auf die Problematik Ihres Kindes zugeschnittene Sachverhalte herauslesen können. Das Dickicht wird dadurch etwas gelichtet. Vor allem bei der Suche nach außerschulischen Fördermöglichkeiten, sollte bei den entsprechenden Landesverbänden Rücksprache gehalten werden, um die Spreu vom Weizen der Anbieter trennen zu können.

So, jetzt muss ich aber zu Karl ins Zimmer: Wir suchen nach Sätzen mit "Mann" und "man". Man(n) kann nicht alles haben. Gerne hätte ich mich noch mit Ihnen ausgetauscht.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
38 % sparen: Boxspringbett inkl. Topper für nur 499,- €

Traumhaft und erholsam schlafen auf 180x200 cm - jetzt zum reduzierten Preis bei ROLLER.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal