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So unfair ist das deutsche Schulsystem

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ZDF-Doku  

So unfair ist das deutsche Schulsystem

24.07.2009, 10:18 Uhr | rev, t-online.de

Kinder in der Berliner Einrichtung 'Die Arche' brauchen Zuwendung. (Bild: ZDF/Thorsten Eifler)Kinder in der Berliner Einrichtung 'Die Arche' brauchen Zuwendung. (Bild: ZDF/Thorsten Eifler)Wo stehen Kinder heute in Deutschland? Dieser Frage ging am Donnerstag die Dokumentation "Germany's Next Generation - Kinder und der Ernst des Lebens" von Barbara Lueg und Martina Morawietz nach. Dabei ging es um Chancengleichheit und Betreuungsmodelle und die großen Nöte und zähen Kämpfe von Erziehern und Sozialarbeitern. Doch vor allem geht es um die Wünsche und Hoffnungen von Kindern in Deutschland. Wie wachsen Kinder heute in Deutschland auf? Wie geht es ihnen?'

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Kinder scheitern am System

Sabine Czerny ist Grundschullehrerin in Bayern und überzeugt: „Alle Kinder können lernen.“ Sie kritisiert, dass viele ihrer Kollegen, statt die Freude am Lernen zu fördern und die Kinder für ihre Leistungen zu loben, in erster Linie Druck auf die Schüler aufbauen. Ihr selbst gelang es in ihrer Klasse, dass die Kinder plötzlich Spaß am Schulstoff hatten. Als jedoch damit die Noten der Schüler immer besser wurden, erklärte man Czerny, dass es auch in ihrer Klasse „Fünfer und Sechser“ geben müsse. Schließlich musste die Lehrerin die Schule wechseln. Czerny macht deutlich, dass Kinder nicht an ihren Fähigkeiten und an ihrem Können scheitern, sondern am System.

Die Zukunftsängste von Kindern

Ein Beispiel dafür ist Carla. Carla ist zehn und lebt mit ihrem 14-jährigen Bruder Lukas und ihrer Mutter im Süden von München. Die Eltern sind getrennt, den Vater sehen die beiden selten. Carla wechselt gerade die Schule, mit dem Gymnasium hat es nicht geklappt. Dabei ist sie ein pfiffiges Mädchen: redegewandt und neugierig. Weil sie krankheitsbedingt einige Schulstunden verpasste und dadurch die eine oder andere Drei zu viel bekam, reichte es letztlich nicht für den Notendurchschnitt von 2,33, der in Bayern für den Besuch des Gymnasiums notwendig ist. Ein Opfer des Systems, sagen Lehrer und Verwandte. Gerade einmal zehn Jahre alt plagen Carla bereits große Zukunftsängste: „Man kann nicht wissen, ob man sich auf die Zukunft freuen soll.“

"Die Persönlichkeit ist aus dem Fokus geraten"

Am Ende der Dokumentation heißt es: „Wer nicht Kind sein darf, den bedrückt das Leben.“ Doch zum Kindsein bleibt vielen heutzutage kaum noch Raum. Zu groß sind der schulische und gesellschaftliche Druck. „Das Kind, das eine Persönlichkeit werden soll - und nicht eine stromlinienförmige Persönlichkeit -, ist aus dem Fokus geraten“, so Internatsleiter Hartwig Henke. Stattdessen geht es fast ausschließlich um gute Noten, die richtige Schulform und darum sich die bestmöglichen Aussichten für die Zukunft zu schaffen - und zwar schon möglichst früh: Trotz einem Mangel an kompetentem Personal für gezielte und angemessene Förderung in Deutschland setzt heute ein immer größeres Angebot an Frühförderungsmaßnahmen nicht nur Kinder, sondern auch Eltern unter Druck. Leicht wird der Eindruck vermittelt, es ist sinnvoll, so viel Angebote wie nur möglich in Anspruch zu nehmen. Doch gerade im Vorschulalter benötigen Kinder eine besonders ausgewogene Mischung aus Förderung und Spiel.

Körperliche und seelische Schäden

Schnell sind manche Kinder überfordert und leiden unter dem Leistungsdruck, dem sie spätestens in der Schule ausgesetzt sind. Auch gesundheitlich wie die Kinder, die die ZDF-Doku in einer psychosomatischen Klinik besuchte. Dort werden Kinder betreut, bei denen Schulstress zu körperlichen oder seelischen Schäden geführt hat - oder zu beidem. Es sind Kinder, für die Schule hauptsächlich mit Enttäuschungen, Krankheit und Schulwechseln verbunden war. Doch die Sendung macht auch deutlich, dass es so keineswegs sein muss. Vor allem nicht dann, wenn das Einkommen der Eltern entsprechend hoch ist. Immer mehr Schüler treibt das mangelhafte staatliche Schulsystem auf Privatschulen, bei denen die Wartelisten länger und länger werden. Voraussetzung für den Besuch einer solchen Privatschule wie dem Hermann-Lietz-Gymnasium sind die finanziellen Möglichkeiten der Eltern.

Nur nicht Hartz IV-Empfänger werden

Die Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem ist stark ausgeprägt: Während sich die Internatsschüler des Hermann-Lietz-Gymnasiums auf der Insel Spiekeroog im Segeln üben und wie zum Beispiel der zwölfjährige Lorenz davon ausgehen, einmal die Firma des Vaters zu übernehmen, bereiten Jacqueline (17) ganz andere Dinge große Sorgen. Sie lebt in einem sozial schwachen Stadtteil in Berlin und besucht dort "Die Arche", eine Schule, die sich um sozial schlecht gestellte Schüler kümmert. Aus ihrem Alltag flieht sie sich in die bunten und romantischen Welten von Bollywood-Filmen. Später möchte sie gerne Erzieherin werden, doch ihr größter Wunsch ist, nicht Hartz IV-Empfängerin zu werden. Klingen so Träume und Hoffnungen von Kindern und Jugendlichen? Bernd Siggelkow, der Pastor der "Arche" in Berlin, warnt vor dem "sozialen Gau in Deutschland" im Jahr 2020, wenn nicht bald etwas in Sachen Kinderarmut unternommen wird.

Schulzeit wird zur verschenkten Zeit

Deutschlands Schulsystem liegt im Argen und hinkt anderen Staaten deutlich hinterher: Es fehlen 40.000 Lehrer, jedes Bundesland zieht sein eigenes Ding durch, es fehlt eine klare Linie. "Wir haben durch PISA und IGLU, also die großen international vergleichenden Bildungsstudien bescheinigt bekommen, dass Deutschland ein System hat, dass sehr viel soziale Ungleichheit produziert. Mehr als andere Länder", erklärt Sabine Walper, Professorin an der LMU München. Die ZDF-Dokumentation bestätigt diesen Eindruck und zeichnet das Bild eines Schulsystems, in dem Kinder durch den immensen Leistungsdruck, dem sie ausgesetzt werden, kaum noch Kind sein können. Schulzeit wird zur verschenkten Zeit.

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