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Mobbing-Folgen  

Psychotische Symptome bei gemobbten Kids

04.08.2009, 12:44 Uhr | Pressetext, mmh

Psychotische Symptome bei gemobbten Kids. Junge sitzt weinend auf dem Schulflur und wird von anderen Kindern ausgelacht.

Mobbing-Opfer entwickeln später häufiger psychische Störungen. (Bild: Imago)

Mobbing und der Kampf dagegen ist eines der heißen Themen an Schulen und unter Eltern. Eine Studie befasst sich nun mit den Langzeitfolgen bei den Mobbing-Opfern. Kinder, die in ihrer Schulzeit wiederholt Opfer von direkter oder auch indirekter Gewalt durch Mitschüler wurden, entwickeln als Jugendliche doppelt so häufig psychische Störungen wie Kinder, die nicht gemobbt wurden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Dieter Wolke von der University of Warwick in Coventry.

Mobbing-Arten unterscheiden

Insgesamt hat das Forscherteam 6437 Kinder bis zum Alter von 13 Jahren untersucht. Über das Studienergebnis berichtet das Team im Fachmagazin "Archives of General Psychiatry". Zu unterscheiden sind zwei verschiedene Arten des Mobbing - das direkte mit Schlägen und physischer Gewaltanwendung und das Beziehungsmobbing, bei dem gedroht, erpresst und schikaniert wird. "Dass Kinder und Jugendliche Konflikte miteinander haben, ist normal und ist zudem auch wichtig", betont Wolke im pressetext-Interview. "Denn nur so können sie lernen, später im Leben mit Konflikten umzugehen." Sehr problematisch sei aber ein solches Mobbing über einen längeren Zeitraum hinweg. "Wurden Kinder über mehrere Jahre hinweg von Mitschülern schikaniert, erhöhte sich das Risiko, an psychotischen Symptomen zu leiden, sogar um das Vierfache."

Ernste Folgen für Wahrnehmung

Einmal jährlich wurden die Kinder in persönlichen Interviews von den Psychologen befragt. Zudem wurden psychologische und physische Tests durchgeführt. "Knapp vor Erreichung des 13. Lebensjahres wurden die Probanden schließlich nach allfälligen psychotischen Symptomen in den letzten sechs Monaten befragt", erklärt Wolke. Gefragt wurde nach dem Auftreten von Halluzinationen, Wahnvorstellungen wie etwa die Angst bespitzelt zu werden oder paranoide und bizarre Gedanken. "Unsere Studie hat deutlich gezeigt, dass solche Schikanen ernste Folgen auf die Wahrnehmung der Welt haben können."

Folgen bis ins Erwachsenenalter

"Das deutet daraufhin, dass feindliche soziale Beziehungen mit seinesgleichen ein potenzieller Risikofaktor für die Entwicklung psychotischer Symptome bei Jugendlichen und zur Entwicklung von Psychosen bei Erwachsenen sein können", so Wolke. Solchen Problemen könne bereits im Kreis der Familie vorbeugend entgegengewirkt werden. "Wenn Eltern das mitbekommen, müssen solche Übergriffe älterer Geschwister mit klaren Sanktionen belegt werden." Umgekehrt warnt der Psychologe aber auch davor, dass Eltern nicht alle Probleme für ihr Kind lösen sollten. "Überprotektive Eltern schaden dem Kind auch, denn es kann nicht lernen, Strategien zu entwickeln."

Mobbing vorbeugen

Im Schulalltag müsse die Vorbeugung von Mobbing zur Tagesordnung werden. "Mobbing findet nicht im Klassenzimmer, sondern am Korridor oder Spielplatz statt", meint Wolke. Sehr bewährt habe sich die Einführung von Peer-Counsellors - ausgebildeten älteren Mitschülern - zur Konfliktlösung. "In der Regel gehen nur etwa 50 Prozent der betroffenen Schüler zu Lehrern, da diese meist nicht weiterhelfen können", so der Psychologe.


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