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Dyskalkulie: Rechenschwäche wird oft erst spät erkannt

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Rechenschwäche  

Rechenschwäche führt zu Mathe-Frust

14.08.2009, 12:32 Uhr | mmh, dapd

Dyskalkulie: Rechenschwäche wird oft erst spät erkannt. Junge am Rechenschieber.

Mathe-Frust mit Dyskalkulie. (Bild: Imago)

Schüler mit Rechenschwächen haben es schwer: Auch viel Üben hilft nichts. Etwa sieben Prozent der Schulkinder sind von Dyskalkulie betroffen. Statt Rechenergebnisse gibt es in Mathe nur Frust. Das kann zu ernsten Lern- und Verhaltensproblemen führen. Anders als Lese-Rechtschreibschwäche ist die Rechenschwäche kaum bekannt und wird oft erst spät erkannt.

Mathe-Frust bei Schülern und Eltern

Immer wieder hatte Martin nach der Schule geübt. Manchmal saß der heute Zehnjährige drei oder vier Stunden lang am Schreibtisch und versuchte, die Rechenaufgaben zu lösen. Trotz aller Anstrengungen war die Mühe vergeblich - er kam in Mathe einfach auf keinen grünen Zweig. Die Sache blieb für ihn rätselhaft, fast immer kam Nonsens heraus. Nicht nur der Schüler war am Ende frustriert, auch die Eltern waren mit ihren Nerven am Ende.

Dyskalkulie als Grund

Wenn Kinder trotz normaler Intelligenz in Mathematik versagen, kann eine Rechenschwäche der Grund sein. "Kinder mit Rechenschwäche sind nicht dumm oder unwillig, sie verstehen einfach die mathematische Logik nicht", sagt Psychologin Irmgard Slotta, die in Dresden das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche leitet. Nach ihren Erfahrungen können die Betroffenen oft abstrakt gut denken, sie erkennen die Zahlen aber nicht in ihren mengenmäßigen Zusammenhängen - und haben sich oft eine eigene mathematische Logik zurechtgezimmert.

Rund sieben Prozent betroffen

Experten-Schätzungen zufolge sind bundesweit rund sechs bis sieben Prozent der Kinder von einer solchen Dyskalkulie betroffen. "Die liegt dann vor, wenn kein Verständnis für grundlegende mathematische Einsichten vorhanden ist", sagt Slotta. Als ein Grund für das Entstehen der Rechenschwäche gilt die mangelhafte Vermittlung mathematischer Zusammenhänge in der Schule. Mathematische Aufgaben und Regeln werden dann inhaltlich nicht verstanden, betroffene Schüler denken "in die falsche Richtung", wie Slotta es formuliert.

Fatale Folgen der Mathe-Angst

Erkannt wird die Rechenschwäche häufig erst recht spät, weil das Problem anders als die Rechtschreibschwäche noch immer kaum bekannt ist. Hinzu kommt, dass Defizite beim Rechnen in den ersten Schuljahren oft noch nicht auffallen, weil da das Zählen zumindest teilweise noch weiterhilft und schlechte Zensuren deswegen noch nicht die Regel sein müssen. Manchmal hören verunsicherte Eltern, es handele sich um eine Konzentrationsschwäche. Oder den Betroffenen wird geraten, mehr zu üben. Doch zusätzliche Förderstunden helfen nach Meinung von Experten bei einer Rechenschwäche nicht weiter, weil nur der aktuelle Lernstoff wiederholt wird. Die Folgen können fatal sein: Kinder mit Rechenschwäche fühlen sich nicht verstanden, manchmal werden sie aggressiv. Verschärft sich das Problem, kann Mathe-Angst zu kompletter Lernabneigung führen.

Erfolgreiche Therapien

Bei der Therapie ergründen Fachleute, welche Gedanken sich die Kinder bei ihren Berechnungen machen. Wo sie aus der strengen Logik der Mathematik aussteigen, um mit eigenen, teils hoch komplizierten Regeln ans Ziel zu kommen. Das Problem: Ist ein grundlegender Gedanke nicht verstanden worden, entstehen zwangsläufig immer größere Lücken. Nicht selten muss dann bei der Therapie ganz von vorn angefangen werden. Das ist mühsam, weil jahrelang genutzte falsche Denkmuster nur schwer verblassen. Rund zwei Jahre kann es dauern, bis die Betroffenen wieder auf dem Stand der Dinge sind. Martin verrechnet sich heute zwar immer noch, aber das kommt jetzt seltener vor. Auch in anderen Fächern läuft es seit dem Ende der Therapie deutlich besser. Der Schüler habe an Selbstvertrauen gewonnen, berichtet Slotta. "Die Mutter, die völlig fertig war, ist überglücklich."

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