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Erziehung: Disziplin in der Schule

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Schuldisziplin  

Strammstehen für die Konzentration

22.09.2009, 10:33 Uhr | mmh

Erziehung: Disziplin in der Schule. Wie viel Disziplin brauchen Schulen?

Wie viel Disziplin brauchen Schulen? (Bild: Imago)

Aufstehen, hinter den Stuhl treten, Hände hinter den Rücken, grüßen - Strammstehen in der Schule: Ist das Ausdruck einer neuen Sehnsucht nach Disziplin? Oder ein geeignetes Mittel gegen Unruhe in der Klasse? Erziehunsgexperten streiten über Konzepte: Mut zur Disziplin steht gegen den Mut zur Liebe in der Erziehung. Doch wie empfinden Schüler, Eltern und Lehrer dies?

Disziplin in der Schule

"Guten Morgen, Herr Lehrer". 24 Fünftklässler stehen mehr oder weniger still hinter ihren Stühlen, Hände hinter den Rücken und begrüßen zu Stundenbeginn ihren Lehrer. So beginnt eine Schulstunde in einem hessischen Gymnasium. "Das ist wie bei den Nazis", empört sich eine Siebtklässlerin, die gerade mit ihrer Klasse einen Film über Kinder im Dritten Reich gesehen hat, als sie das hört. Eltern fühlen sich an ihre Schulzeit und überholte Unterrichts-Methoden alter Lehrer erinnert. Die Diskussionen sind heftig. Darf man so etwas heute noch? Oder muss man es gerade heute wieder einführen? Die Super-Nanny Katharina Saalfrank fordert Rituale, die den Alltag strukturieren und Kinder stärken. Der Pädagoge und frühere Schulleiter des Elite-Internats Salem, Bernhard Bueb spricht in seiner Streitschrift ein "Lob der Disziplin" aus. Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann, ein weiterer Erziehungsexperte, spricht von der "guten Autorität", die mit Liebe und Zuwendung und ohne Angst Grenzen setzt und Orientierung bietet.

Gründe der Lehrer

Eine Grundschullehrerin erzählt von einer Kollegin, die selbst aus der "antiautoritären Ecke mit Kinderladen-Erfahrung" kommt und plötzlich solche Disziplin-Elemente in ihren Unterricht einführt. Eine Kehrtwende? Als Grund gab sie an, diese Geste verbinde Schweigen mit Aktivität und Bewegung, eine sinnvolle Kombination, die bei Kindern erfolgreich ist. "Ohne diese Aktivität sind Kinder kaum still zu kriegen und man braucht in einer Klasse auch mal Ruhe."

Wirkung der Gesten

Verschiedene Gründe bewegen Erzieher dazu, Disziplin-Elemente einzuführen, die natürlich auch eine bestimmte Wirkung haben:

- Rituale: Sie strukturieren den Tag, setzen Akzente, markieren einen Anfang.
- Kombination aus Bewegung und Stille: Das schafft ein Klima, in dem still und konzentriert gearbeitet werden kann.
- Geste des gemeinsamen Beginns: Alle begrüßen sich, ein Zeichen der Höflichkeit und des Respekts.
- Akt der Sammlung: Wie ein asiatischer Kämpfer, sich vor einem Kampf sammelt oder die Hände zum Gebet oder zur Meditation gefaltet werden.
- Disziplin: Disziplin als Selbstzweck, Respekt vor dem Lehrer zeigen, Zuwiderhandlung wird geahndet.

Hilflosigkeit oder sinnvolles Element

Gerade in großen Klassen und Jahrgängen mit vielen verhaltensauffälligen Kindern sei es problematisch, ein Klima zu schaffen, in dem konzentriertes und ruhiges Arbeiten möglich ist. Oft würden Kinder Arbeitsanweisungen gar nicht hören können, so hoch sei der Geräuschpegel, und deshalb Aufgaben nicht erledigen können. Nicht jedes Kind kann mit so viel Unruhe umgehen. Was in der Grundschule der Morgenkreis bewirkt, nämlich den gemeinsamen Start zu gestalten, dafür suchen Lehrer an weiterführenden Schulen neue Formen, damit die Klassen ihrer Autorität nicht entgleiten.

Pro und Contra

Die Elternschaft ist gespalten, was solche Disziplin-Formen in der Schule angeht, manche Schüler sehen es neutral, andere lehnen es total ab, viele finden es seltsam, dass Lehrer einer Schule dies unterschiedlich handhaben. Disziplin darf keinesfalls in Dressur oder Drill ausarten. Eltern und Schüler sollten sich jedenfalls nicht scheuen, das Thema offen anzusprechen, vor allem wenn es ihnen Unbehagen bereitet. Unangenehme Assoziationen steigen bei vielen auf. Manche Eltern erinnern sich noch an andere Disziplinierungs-Maßnahmen wie Ecke-Stehen, Vor-der-Türe-Stehen, Pausenhof fegen, Extra-Liegestützen im Sportunterricht und ähnliche Aktionen der Lehrer, um sich Respekt zu verschaffen. Wohlgemerkt aus Zeiten, als der Rohrstock schon längst verbannt war.


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