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Weiterführende Schule  

Schule: Das Jahr der Entscheidung

07.10.2009, 09:54 Uhr | mmh, ZDF

Weiterführende Schule: Eltern und Kinder wissen, die vierte Klasse zählt. (Bild: ZDF)Weiterführende Schule: Eltern und Kinder wissen, die vierte Klasse zählt. (Bild: ZDF)Die vierte Klasse der Grundschule wird zur Bewährungsprobe. Da heißt es die letzten Kräfte mobilisieren, um die Weichen richtig zu stellen. Stress, Angst und Sorgen, die sich von den Eltern auf die Kinder übertragen. "Wir strengen uns an", "wir wollen es auf das Gymnasium schaffen", "wir wollen das Beste für unser Kind" - die Eltern leiden und kämpfen mit um das Abitur oder den bestmöglichen Schulabschluss. Folter oder wirklich das Beste für das Kind? Die ZDF-Reportage "37°" hat vier Kinder ein Jahr lang begleitet. Die Reportage ist Teil des Themenschwerpunkts "Klasse '09" zu Jugend, Bildung und Zukunft.

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Wahl des Bildungswegs

Nicht für die Schule, nicht für das Leben, nein, für die Eltern lernen wir? Ist es so? Vor allem im vierten Schuljahr, wenn es um den Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule geht, wohl schon, so zeigt es die Reportage "Das Jahr der Entscheidung".  Alina will aufs „Gymi“, weil alle Freundinnen dort hingehen, Noah weil sein Zwillingsbruder auf das Gymnasium wechselt und sich sehr leicht mit dem Lernen tut, Anna, weil ihre Mutter das unbedingt will, Jean-Pauls Ziel ist die Realschule. Die Kinder geben Gas, aber auf das Gas drücken tun die Eltern, die Lehrer, das System.

Übertritt heißt Grundschulabitur

„Foltermethoden für die Kinder“ nennt Enja Riegel, Gründerin einer Modellschule und ehemalige Leiterin der vorbildlichen Helene-Lange-Schule, das, was die Reportage „Das Jahr der Entscheidung“ aus der Reihe "37°". Es geht um Viertklässler in bayerischen Grundschulen Münchens und Umgebung, und um ihren Kampf, sich für die „höhere“ Schule zu qualifizieren, es geht um Druck auf Schüler, Eltern und Lehrer. Und um das ständige Vergleichen. Es geht um das sogenannte „Grundschulabitur".  Ein Druck, der zu einem völlig falschen Zeitpunkt, nämlich viel zu früh auf die Schüler in Deutschland ausgeübt wird, wie es der Schulexperte Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklung an der Uni Dortmund in der begleitenden Diskussion ausdrückte. Doch hinter dem Schulsystem stehen die Anforderungen des Ausbildungssystems, das Diktat des Arbeitsmarktes mit seinen neuen Anforderungen, für die die junge Generation fit gemacht werden soll.

Ängste und Sorgen der Viertklässler

Ein Jahr lang begleitet die Reportage, die vier Kinder, die versuchen, im bayerischen Schulsystem den Weg auf die höhere Schule zu schaffen. In Bayern zählt der Notendurchschnitt des Übertrittszeugnis, in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht (HSU). Die Note „Drei“ ist dafür schon zu schlecht, 2,33 muss der Durchschnitt für das Gymnasium sein, 2,66 für die Realschule. In Grenzfällen können Kinder noch den extrem belastenden Probe-Unterricht an der Wunschschule absolvieren. „Nicht die Anstrengung zählt, sondern nur die Note und da ist eine Drei, die eigentlich völlig in Ordnung ist, nicht mehr gut“, klagt Lehrerin Katrin Dung. Die Autoren beobachten, welchen Stress, welche Angst und Sorgen sie in der vierten Klasse haben, bevor sie den unterschiedlichen Schulsystemen zugeteilt werden:  Anna, Alina, Jean-Paul und Noah. Die Autoren drehten in Bayern, denn hier ist die Dreiteilung des Schulsystems noch unangetastet, es gibt keine Gesamtschulen - und so soll es wohl bleiben.

Große Entscheidung

Im letzten Schuljahr der Grundschule, stehen die Schulkinder zusammen mit ihren Eltern vor der großen Entscheidung. Der Schulwechsel, die Eingewöhnung in ein neues Umfeld, der Probeunterricht - das sind die Hürden, die die Schulkinder überwinden müssen. Beispiel Anna: Sie und ihre Mutter haben in diesem letzten Jahr der Grundschule nur ein Ziel vor Augen: das Gymnasium. Sie leben in Baldham, einem Vorort von München, dort schaffen es überdurchschnittlich viele Kinder auf das Gymnasium. Beide Eltern sind berufstätig, die Mutter nimmt sich viel Zeit für das Lernen und für häufige Lehrer-Gespräche. Ihre Mutter räumt ein, "Ich übe schon Druck auf meine Tochter aus, aber ich möchte das Ziel unbedingt erreichen." Abends muss Anna noch im Bett lernen, „um halb neun kann ich manchmal schon nicht mehr denken“, zum Gutenacht-Kuss gibt es noch das Heft zum Wiederholen, statt draußen zu spielen, wird gepaukt. Die verträumte, weniger ehrgeizige Anna ist traurig, dass sie keine Zeit für Freunde und zum Spielen hat. Ihre Mutter gibt zu, dass sie ein schlechtes Gewissen deshalb hat, aber sagt „ich möchte  das so, weil ich meine, dass das für sie das Beste ist“. Anna will ihrer Mutter gefallen: „Ich wäre traurig, wenn die Mama enttäuscht wäre, ich würde denken, wie doof bin ich denn eigentlich?“ Aber insgeheim wünscht sie sich, es gäbe nur das Gymnasium, keine Real- und Hauptschule, dann würde dieser Stress wegfallen. Ihre Lehrerin Katrin Dung, selbst Mutter dreier Kinder, „will die Eltern nicht als Zweitlehrer zu Hause haben, denn die halten das doch gar nicht durch, wenn die Kinder es dann wirklich auf das Gymnasium schaffen“.

Zeit und Geld investieren

Viele Eltern investieren Zeit und Geld in diese „Förderung“, überwachen selbst das Lernen oder bezahlen Nachhilfe, schicken ihre Kinder zu Entspannungsübungen oder zu IQ-Tests. Beispiel Alina. Sie will unbedingt mit ihren Freundinnen auf das Gymnasium. Ihre Mutter arbeitet nicht und lernt oft am Nachmittag mit ihren drei Mädchen. Die Mutter versucht es mit sehr sanftem Druck, Entspannung und Massage sollen entlasten. Doch die Eltern wollen es nicht wahrhaben und lassen in einer Klinik Alinas Lernfähigkeiten testen, selbst Familienaufstellungen werden bemüht, um die "hemmende Prüfungsblockade" zu finden, die verhindert, dass Alina - trotz Probeunterricht - auf das Gymnasium darf. Hier fließen Tränen der Enttäuschung. Aus der Traum um das versprochene Pflegepferd, wenn es mit dem „Gymi“ klappt und um das „Tschüss Freundinnen", die auf das Gymnasium wechseln. Bei Anna, ihrer Klassenkameradin dagegen klappt es - allerdings äußerst knapp. Sie lässt vor Freude ihre Barbie-Puppen tanzen und darf endlich spielen.

Alles nur nicht Hauptschule

Jean-Paul hat die Realschule knapp verfehlt. Er müsste nächstes Jahr erst einmal auf die Hauptschule gehen und könnte ein Jahr später versuchen auf die Realschule zu wechseln. Er strengt sich an und schafft den Probeunterricht.  Er lebt mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester, die schon auf dem Gymnasium ist, in Erding bei München. In der ländlichen Gegend war es früher kein Problem, eine Hauptschule zu besuchen und ein Handwerk zu erlernen. Doch in den letzen Jahren versuchen auch dort immer mehr Kinder auf weiterführende Schulen zu kommen. Jean-Paul ist aufmerksam und strengt sich sehr an, die Erwartungen zu erfüllen. Er möchte gut sein, aber er ist oft noch verträumt und zu langsam. Darum muss er am Nachmittag oft lange lernen. Seine Mutter ist berufstätig, deshalb übt seine große Schwester mit ihm.

Auch Jungs kämpfen

Noah wohnt mit seinen Eltern und seinen drei Brüdern in München. Sein Zwillingsbruder Jaron ist Klassenbester und geht mit ihm in die selbe Klasse. Ihr Lehrer hat erkannt, dass die beiden ganz verschieden sind. Noah ist praktisch veranlagt und hilft seinem Opa lieber auf dem Land beim Holzfällen. Sein Bruder passt gut in das Schulsystem, er wird es sicher auf das Gymnasium schaffen. Dort will Noah auch hin, aber er muss dafür mehr kämpfen. Am Ende schaffen es beide und werden unterschiedliche Klassen besuchen, um sich nicht dauernd vergleichen zu müssen.

Keine Wunschpädagogik

Alle Beispiele haben nichts gemeinsam mit Katrin Dungs Wunsch: „ich würde es einfach laufen lassen, die Kinder motivieren sich selbst und lernen von innen heraus, Druck blockiert.“ Sie sind auch weit entfernt von Enja Riegels Wunschvorstellung einer neuen Lernkultur, die sie an ihrer neuen Schule umsetzt, sie plädiert für Ganztagsschulen, in denen Kinder gemeinsam ihre Potenziale ausschöpfen können, ohne Druck, und daran wachsen. Sie spricht von der „Lehrkunst“ der Lehrer, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten. „Wir verschwenden unseren Reichtum“, sagt sie über das vorherrschende Bildungssystem.

Fazit: Keine Randgruppen

Eigentlich erwartet man in der Reihe „37°“ Protagonisten aus den Randgruppen der Gesellschaft. Diesmal aber ist es der Mittelstand in Bayern, wo die Welt doch eigentlich in Ordnung ist. Doch offensichtlich ist der Druck hoch, diese Ordnung zu erhalten und dazuzugehören. Allerdings wurden nur bayerische Schüler vorgestellt.  Mag sein, dass in Bayern der Druck extrem ist, doch fehlt der Blick auf andere Bundesländer. Ist es dort wirklich anders? Bildung scheint Sache der Mütter zu sein, denn in allen Beispielen sind es die Frauen, die Druck machen, die mit den Lehrern sprechen und den Bildungsweg der Kinder - wie auch immer - gestalten wollen, zumindest kommen nur Mütter im Film zu Wort. 

Film über seelische Qualen

Es sind keine körperlichen Misshandlungen, die der Film von Maike Conway zeigt, keine geschlagenen, verwahrlosten Kinder, aber es sind Kinder, die gezwungen werden, die sich nicht frei entfalten dürfen, über deren Köpfe hinweg bestimmt wird. Kinder, denen ein Stück Kindheit geraubt wird, im Dienst der „guten Absicht“. Kinder, die für eine Leistungsgesellschaft gedrillt werden, statt vor ihr verschont oder für sie stark gemacht werden. Und es sind leider keine extremen Einzelbeispiele.

Diskussion um Bildung

Mit seinem Programmschwerpunkt "Klasse '09" (6. bis 17. Oktober) zu Jugend, Bildung und Zukunft, will das ZDF zum zweiten Mal in konzentrierter Form einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion über die Vor- und Nachteile, die Chancen und Risiken des deutschen Schul- und Bildungssystems leisten. Diesmal sollen vor allem die Hauptbetroffenen, nämlich die Schüler zu Wort kommen. Neben dem Hauptprogramm sind ZDFdokukanal/ZDFneo, ZDFinfokanal, ARTE, PHOENIX und KI.KA ebenso beteiligt wie das ZDF-Onlineangebot.


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