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Heidelberger Schule unterrichtet "Glück"

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Schule  

Wie viel Erziehung müssen Schulen leisten?

05.11.2009, 15:30 Uhr | rev, t-online.de

Können Schulen mehr leisten als reine Wissensvermittlung? (Bild: Imago)Können Schulen mehr leisten als reine Wissensvermittlung? (Bild: Imago)"Heute haben wir 'Glück' gehabt." So könnte es klingen, wenn Schüler der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg über ihren Stundenplan sprechen. Seit gut zwei Jahren wird dort "Glück" als Schulfach unterrichtet. Welche Absichten stecken hinter einem solchen Fach und welche Inhalte werden vermittelt? Könnte sich ein Schulfach "Glück" auch in anderen Schulen durchsetzen?

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Lehrer sind auch Erzieher

Schlimmer als Schule ist für Kinder nur ein Besuch beim Zahnarzt, wie vor einiger Zeit einmal eine Umfrage ergab. Es ist kein neues Phänomen, dass ein Großteil der Kinder eher ungern zur Schule geht. Ein wesentlicher Grund dafür könnte sein, dass es in der Schule hauptsächlich um Lernen und das Vermitteln von Wissen geht und die Schüler für gewöhnlich nicht mitentscheiden können, was gelernt wird. Dass Kinder auf diesem Weg zu mündigen Staatsbürgern erzogen werden, scheint schwer vorstellbar zu sein. Doch Lehrer haben eben nicht nur die Funktion fachliche Kenntnisse zu vermitteln - sie sind auch Erzieher.

Das Schulfach "Glück"

Der erzieherischen Bedeutung von Schule steht die vorherrschende Ansicht gegenüber: In der Schule wird gelernt und zu Hause wird erzogen. Genau dieser falschen Vorstellung setzte die Willy-Hellpach-Schule vor zwei Jahren das Schulfach "Glück" entgegen. Erziehung in der Schule wird damit nicht mehr nur dem Zufall oder der individuellen Vorgehensweise der Lehrer überlassen, sondern steht ausdrücklich auf dem Lehrplan. "Der Begriff Bildung beschreibt heute nur noch den Bereich Schule und hat sich vom ursprünglichen Bildungsanspruch im Sinne der Erziehung von Jugendlichen zu gebildeten und kultivierten Menschen verabschiedet", erklärt Direktor Ernst Fritz-Schubert. Das Unterrichtsfach "Glück" bilde und kultiviere, in dem es die persönlichen Anlagen und Potenziale der Schüler aufnimmt und weiterentwickelt, so Fritz-Schubert auf der Homepage der Schule.

"Bildung im ursprünglichen Sinn"

Fritz-Schubert erläutert: "Mit dem Unterrichtsfach 'Glück' wird der Versuch unternommen, den Schülern Bildung im ursprünglichen Sinn zu vermitteln. Ziel ist die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung." Die Teenager sollen mithilfe des Fachs empfänglich für Glücksmomente werden und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können.

Experten-Team unterrichtet "Glück"

Wie jedoch lassen sich diese Ziele mit einem solchen Schulfach verwirklichen? Um das zu erreichen, werden im Fach "Glück" Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt: professionelle Schauspieler, Motivationstrainer, Familientherapeuten, Psychologen, Neurolinguisten, Profi-Sportler. Sie sollen helfen positives Denken zu lernen und gute Gefühle zu verstärken. Die Schüler lernen etwas über gesunde Ernährung, horchen bei Entspannungsübungen in ihren Körper hinein, reden über philosophische Themen und treiben gemeinsam Sport. Gegenüber Spiegel-Online erklärte Fritz-Schubert, dass man so den Jugendlichen Instrumente in die Hand geben wolle, die sie stabiler und selbstbewusster machen sollen. Die Schüler sollen auf diese Weise lernen, sich in der Welt zu orientieren.

Erste Erfolge

Obwohl dem Modell der Willy-Hellpach-Schule anfänglich vor allem Skepsis entgegen gebracht wurde, zeigte sich schnell: Das Fach "Glück" wirkt sich positiv aus. Schon nach dem ersten Jahr zeigten sich Fachleute beeindruckt. Zwar waren sich die Wissenschaftler nach ihren Untersuchungen zu dem Fach darin einig, dass nur ein Jahr "Glück" im Unterricht nicht ausreiche, allerdings konnten sich auch deutliche Erfolge bei den Schülern feststellen: Der Heidelberger Professor für Sportpädagogik Wolfgang Knörzer sagt, dass den "Glücks"-Schülern viel klarer geworden sei, was sie nicht wollen und sie gelernt haben, sich kritisch zu hinterfragen. Der Unterricht hilft den Kindern also ihre eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen. Außerdem gaben Schüler, denen "Glück" unterrichtet wird, häufiger als andere an, dass sie ihre Situation im Griff haben, die Übersicht behalten und sich gut selbst beherrschen können, wie Knörzer gegenüber Spiegel-Online äußerte.

Ein Modell für alle Schulen?

Doch der Bedarf an Sozialisation und Erziehung in der Schule besteht nicht nur in Heidelberg. Die positiven Ergebnisse des Unterrichtsmodells "Glück" sollten ebenfalls andere Schulen veranlassen ähnliche Wege zu gehen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich auch jenseits von Wissensvermittlung weiterzubilden. Experten warnen jedoch: Der Erfolg eines solchen Projekts hänge stark von der Qualität des Unterrichts ab. Der "Glücks"-Unterricht an der Willy-Hellpach-Schule wird von einer Reihe von Fachleuten durchgeführt und funktioniert deshalb so gut. Ohne ein solches Team könne die Sache zur Enttäuschung werden. Ernst Gehmacher, OECD-Beauftragter für Sozialforschung, empfahl anderen interessierten Schulen das Projekt in Heidelberg gut zu beobachten und sich schließlich nach und nach das notwendige Personal und damit die notwendigen Kompetenzen aufzubauen.

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