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Schulkind: Privatschule  

Der Trend geht zur Privatschule

27.10.2010, 14:33 Uhr | Simone Blaß; rev, t-online.de

Privatschulen im Trend. Privatschulen sind eine immer beliebtere Alternative zur staatlichen Schule. (Bild: Imago)

Privatschulen sind eine immer beliebtere Alternative zur staatlichen Schule. (Bild: Imago)

"Wenn man es sich aussuchen könnte, sollte man in Deutschland in den Kindergarten gehen, in Finnland zur Schule und in den USA studieren." So fasst die Arbeitsgemeinschaft Bildung für Deutschland die Lage zusammen. Doch da dies eine Option ist, die wohl nur für die wenigsten in Frage kommt, gilt es, sich im gegebenen Rahmen nach der optimalen Lösung für das eigene Kind umzusehen. Als Teil des Bildungssystems ergänzen die Privatschulen mit ihren pädagogischen Konzepten das Bildungsangebot und bieten Eltern so Alternativen zur staatlichen Schullaufbahn.

Jeder 13. Schüler besucht eine Privatschule

Von den rund zwölf Millionen Schülern in Deutschland besucht etwa jeder 13. eine Privatschule, wie Auswertungen des Statistischen Bundesamtes ergeben - und der Zulauf wird immer größer. Einer repräsentativen Umfrage des Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) zufolge, würden bundesweit über 30 Prozent der Bevölkerung die private Schule einer staatlichen vorziehen. Vor ein paar Jahren lag dieser Wert noch um zehn Prozent niedriger. Was lange Zeit den Beigeschmack von Oberschichten-Luxus oder weltanschaulicher "Spinnerei" hatte, ist inzwischen voll gesellschaftsfähig. "Zwar gibt es kein 'Besser' oder 'Schlechter' im Vergleich von staatlichen und freien Schulen. Allerdings bieten Privatschulen aufgrund ihrer oft innovativen pädagogischen Konzepte und ihrem Ansatz Schüler möglichst individuell zu fördern, ihren Schülern hinsichtlich deren Lernbiographien Vorteile." Florian Becker vom VDP weiß aus Erfahrung, dass die inhaltliche Vielfalt und die Rahmenbedingungen an einer privaten Schule, wie zum Beispiel das motivierende Lernumfeld und die Einbindung der Eltern in den Lebensraum Schule, Dinge sind, die von vielen Eltern für ihre Kinder verstärkt nachgefragt werden.

Welche Typen von Privatschulen gibt es?

Neben unbekannteren Schultypen wie zum Beispiel den Phorms-Schulen oder alternativen Projekten wie die von der Sängerin Nena gegründete Modellschule "Neue Schule Hamburg", gibt es die "klassischen" Privatschulalternativen wie internationale Schulen, konfessionelle Schulen, Montessori oder Waldorf. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Ersatz- und Ergänzungsschulen. "Eine Privatschule ist dann eine Ersatzschule", so Florian Becker, "wenn sie Bildungsgänge oder Abschlüsse anbietet, die so oder vergleichbar auch an staatlichen Schulen angeboten werden oder zumindest vorgesehen sind. Sie 'ersetzen' also im Prinzip eine staatliche Schule.“ Die Schüler erfüllen dort ebenfalls die gesetzliche Schulpflicht und die erworbenen Abschlüsse sind denen einer staatlichen Schule gleichwertig. "Alle übrigen Privatschulen sind Ergänzungsschulen. Sie bieten Bildungsgänge oder Abschlüsse an, die weder an staatlichen Schulen angeboten werden noch vorgesehen sind." Diese Schulen findet man sehr häufig im berufsbildenden Bereich. "Aber auch mit dem Besuch einer Ergänzungsschule kann - je nach Bundesland - in vielen Fällen die gesetzliche Schulpflicht erfüllt und ein staatlicher Abschluss erworben werden."

Über 5000 Privatschulen in Deutschland

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Schuljahr 2008/09 in Deutschland 5015 Privatschulen - eine Zahl, die in den letzten Jahren rasant angestiegen ist. Dazu kommen weitere Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft, die nicht den gesetzlich festgelegten Schulbegriff erfüllen, zum Beispiel Sprachschulen, Weiterbildungsinstitute oder Nachhilfeeinrichtungen. Die 5015 erfassten Privatschulen unterteilen sich in 3057 allgemeinbildende und 1958 berufsbildende Schulen. Das entspricht 8,8 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen in Deutschland beziehungsweise 21,8 Prozent aller Berufsschulen. Im Schuljahr 2008/09 besuchten 690.757 Schüler (7,7 Prozent) eine allgemeinbildende Privatschule in Deutschland, 235.707 (8,5 Prozent) eine berufsbildende Schule.

Den größten Anteil bei den allgemeinbildenden Privatschulen machen mit rund 40 Prozent die Gymnasien aus, bei den berufsbildenden Privatschulen sind es die Berufsfachschulen (rund 50 Prozent). Die meisten Privatschüler im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl gibt es im allgemeinbildenden Bereich in Bayern (über zehn Prozent waren es im Schuljahr 2007/08) und im berufsbildenden Bereich in Sachsen (über 25 Prozent). Obwohl die Zahl der Privatschulen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, liegt Deutschland damit immer noch weit hinter den meisten europäischen Nachbarländern zurück. In Dänemark beispielsweise besuchten nach Angaben der Europäischen Union im Schuljahr 2001/02 bereits 11,1 Prozent der Schüler eine allgemeinbildende Privatschule in freier Trägerschaft, in Frankreich 21 Prozent und in den Niederlanden sogar 76,3 Prozent.

PISA-Ergebnisse verstärken den Zulauf

Insgesamt haben die PISA-Studien der OECD zu einer verstärkten Diskussion um die Qualität der schulischen Bildung geführt. Eltern sind dadurch noch stärker für das Thema sensibilisiert worden und haben sich auf die Suche nach Alternativen zum staatlichen Bildungsangebot gemacht. "Die Erwartungen, die viele Eltern heute an eine Schule haben, nämlich mehr individuelle Förderung und ein hohes Engagement der Lehrer, sehen sie sehr häufig an privaten Bildungseinrichtungen erfüllt." Florian Becker ist sich sicher: "Vor diesem Hintergrund kann man schon sagen, dass PISA die Nachfrage nach Schulplätzen an privaten Schulen gesteigert hat."

So finanzieren sich Privatschulen

Dem Bildungsbericht 2008 zufolge werden jährlich mehr als 140 Milliarden Euro in die Bildung investiert. Schließlich definiert sich Deutschland nach wie vor als Land der Bildung und dazu gehört auch eine vielfältige Schullandschaft. Wobei die privaten Bildungsangebote den Wettbewerb und damit auch die Qualität fördern und das Recht auf freie Schulwahl unterstützen. "Private Bildungseinrichtungen stehen prinzipiell für jeden Schüler und jede Schülerin offen. Die Schulträger sind bemüht, Schulgelder so gering wie möglich zu halten", so Florian Becker. "Im bundesweiten Durchschnitt bekommen die privaten Schulen nur 55 bis 70 Prozent ihrer realen Kosten durch den Staat erstattet. Durch Stipendienangebote, nach Einkommen gestaffelte Schulgelder und spezielle Förderprogramme stellen die Träger dennoch sicher, dass sie, wie es das Grundgesetz im Artikel 7 fordert, nicht nach den Besitzverhältnissen der Eltern sondieren."

Damit das Schulgeld möglichst gering ausfallen kann, arbeiten private Schulträger laut Florian Becker, sehr effizient. "Das geht so weit, dass man vielfach von 'Selbstausbeutung' sprechen muss. Daher fordert der VDP seit Langem, dass private Bildungseinrichtungen für 100 Prozent Schule auch 100 Prozent der Kosten erstattet bekommen und somit eine Gleichbehandlung gegenüber staatlichen Einrichtungen erfahren." Zur Frage, welche Eltern mit welchem sozialen Hintergrund ihre Kinder auf nichtkonfessionelle Privatschulen schicken, gibt es bis dato keine aussagekräftigen Zahlen. Eine Studie der Uni Erlangen zeigt aber, dass die Schüler der konfessionellen Schulen meist aus besser gebildeten Familien kommen und im Durchschnitt finanziell schon besser gestellt sind.

Privatschulen: Nicht nur für die Reichsten

Trotzdem ist die immer noch geläufige Vorstellung, dass private Schulen teure Eliteinstitute sind, die sich nur die Reichsten leisten können, ein großer Irrtum. Eltern von nur zwei von 1000 deutschen Schülern zahlen jene enormen Summen von bis zu 30.000 Euro pro Jahr, die für dieses Vorurteil verantwortlich sind. Tatsächlich gehen mehr als die Hälfte der 550.000 Schüler, die eine allgemeinbildende Privateinrichtung besuchen, auf katholische Schulen, die sehr oft gebührenfrei sind oder nur um die 70 Euro monatlich kosten. Evangelische Schulen oder Waldorfschulen, die nach den katholischen Einrichtungen auf Platz zwei und drei am häufigsten besucht werden, kosten die Eltern nach Schätzungen des VDP durchschnittlich 120 Euro pro Monat.

Es ist nicht mehr nur das gehobene Bürgertum, das nach Alternativen zur staatlichen Schule sucht. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung herausfand, trifft dies heutzutage zunehmend auch auf die Mittelschicht zu: Die Zahl der Privatschüler aus Elternhäusern mit Abitur stieg in den vergangenen zehn Jahren um 77 Prozent. Die Studie "Eltern unter Druck" der Konrad-Adenauer-Stiftung erklärt den Grund für diese Entwicklung: "Vor allem in der bürgerlichen Mitte sind die Belange der Schule zum beherrschenden Thema des Familienlebens geworden. Das staatliche Schulsystem wird als mangelhaft und wenig zukunftsfähig erlebt." Ein Großteil der Bürger wäre demnach sogar bereit, für besseren Unterricht und bessere Lehrer Schulgebühren zu zahlen.

Die richtige Schule für das Kind

Die Plätze an Privatschulen sind begehrt, und die Gründe, warum Eltern ihr Kind auf eine solche Schule schicken möchten, sind vielfältig. Meist suchen sie einen Raum, in dem sich die Kinder entfalten können, in dem versprochene Schulstunden auch abgehalten werden, das Unterrichtsmaterial besser ist und Klassenzimmer nicht an den Rand ihrer Kapazitäten kommen. Oft spielen aber auch andere Kriterien eine Rolle. Das kann die eigene Überzeugung genauso sein wie die Tatsache, dass sich das Kind im "normalen" Schulalltag nicht optimal zurechtfindet und die Eltern einen anderen Zugang suchen. Bei der Auswahl der Schule sollte man aber unbedingt bedenken: Nicht jede Schulform ist für jedes Kind geeignet. Hier finden Eltern einige Tipps für die Schulsuche.

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