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Gewalt unter Schülern: Abzocke auf dem Schulweg

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Abzocke  

Abgezockt: Auf dem Schulweg erpresst und beklaut

05.08.2011, 09:25 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Gewalt unter Schülern: Abzocke auf dem Schulweg. Abzocke auf dem Schulweg: Oft kriminell und keine harmlosen Rangelei mehr. (Bild: imago)

Abzocke auf dem Schulweg: Oft kriminell und keine harmlosen Rangelei mehr. (Bild: imago)

Kinder und Jugendliche haben ein zwei- bis dreimal größeres Risiko, Opfer von Straßenraub und Körperverletzungsdelikten zu werden als Erwachsene. Die Facetten der Gewalttaten reichen von verbaler Aggression, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung bis hin zu Raubdelikten und Erpressung. „Abziehen“ und „Abzocken“ sind verharmlosende Begriffe aus der Jugendsprache für Raub oder räuberische Erpressung. Die Delikte finden in erster Linie außerhalb des Schulhofs statt, da im schulischen Umfeld das Risiko für Täter relativ hoch ist, entdeckt zu werden. Das heißt, Kinder und Jugendliche sind vor allem auf dem Schulweg gefährdet, Opfer physischer und psychischer Gewaltsituationen zu werden.

In der Gruppe sind sie stark

Die Straftaten werden selten von Einzeltätern begangen. In der Regel treten die Täter in der Gruppe auf – oft hat die Jugendgruppe einen festen Platz in der Nähe der Schule, an dem sie abhängt. Kommt ein einzelnes Kind oder ein Jugendlicher vorbei, beginnt das Spiel: Mit einfachen Sprüchen wie „Hey Du, komm mal her!“ oder „Hast Du mal `ne Zigarette?“ wird das Opfer zu einer Reaktion veranlasst. Es bleibt stehen und antwortet oder geht sogar zur Gruppe, weil es freundlich gefragt wurde. Verneint es die Frage, wird der Ton härter: „Wie, du hast keine Zigaretten? Dann gib’ uns mal dein Geld, wir kaufen uns welche.“ Dabei kreist die Gruppe das Opfer ein, so dass es sich aus der immer bedrohlicher werdenden Situation nicht mehr zurückziehen kann. Die Gruppenmitglieder schubsen das Opfer und testen, wie viel Widerstand vom Opfer zu erwarten ist. Häufig folgen Tritte und Schläge auf Körper und ins Gesicht, auch noch, wenn sich das Opfer „ergeben“ hat oder auf dem Boden liegt. Schließlich wird es ausgeraubt und Schlimmeres angedroht, falls das Opfer Eltern oder Lehrern von dem Vorfall erzählt. Manchmal entwickelt sich aus dem ersten Diebstahl eine Erpressung, da die Gruppe dem Opfer verspricht, es in Ruhe zu lassen, wenn es sein Taschengeld abgibt. Ansonsten werden Schläge und weitere Gewalt angedroht. Häufig agieren Jugendgruppen eher aus Langeweile als aus räuberischen Absichten und die Tatschwere nimmt mit Größe und Konstellation der Gruppenmitglieder zu oder ab.

Was können Kinder oder Jugendliche tun?

Wer wegläuft, ist noch lange kein Feigling. Sich in eine Rauferei verwickeln zu lassen, hat nichts mit Mut zu tun. Vor allem, wenn mehrere Kinder oder Jugendliche provozieren oder angreifen, sollte man auf der Hut sein und sich frühzeitig entfernen. Außerdem ist es ratsam, Panik und Hektik zu vermeiden. Mit hastigen Bewegungen könnten sich die Angreifer herausgefordert fühlen oder sie zum Anlass nehmen, zuzuschlagen. Ist weglaufen nicht (mehr) möglich, sollten die Opfer die Angreifer ansprechen – ohne aggressiv zu werden. Keinesfalls sollten die Kinder drohen, beleidigen oder die Angreifer körperlich berühren. Das könnte ebenfalls als Provokation ausgelegt werden. Allerdings ist auch die Opferrolle nicht hilfreich – also nicht flehen oder sich unterwürfig verhalten. Die Opfer sollten deutlich zeigen, was sie wollen bzw. nicht wollen. Eskaliert die Situation, sollten die Kinder und Jugendlichen tun, was die Angreifer verlangen – es ist besser, das Handy zu verlieren, als zusammengeschlagen zu werden. Wichtig ist, Unbeteiligte um Hilfe zu bitten und auf die Situation aufmerksam zu machen. Wird jemand direkt angesprochen, kann er sich nicht so leicht aus der Verantwortung ziehen. Also besser rufen „Du in der grünen Jacke, hilf’ mir bitte“ als „Ich brauche Hilfe“.

Was können Eltern im Vorfeld tun?

Im Vorfeld können Sie Ihrem Kind Hilfestellungen geben, damit es gar nicht erst in gefährliche Situationen gerät: Trainieren Sie mit Ihrem Kind, sich aufmerksam und selbstbewusst in der Öffentlichkeit zu verhalten. Täter suchen sich meistens schwächere und unsichere Opfer aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über mögliche gefährliche Situationen und Orte, damit es diese rechtzeitig erkennt und sie meiden kann. Erkunden Sie mit Ihrem Kind „Rettungsinseln“ für den Schulweg und andere regelmäßig zurückgelegte Strecken: Ein Geschäft, in dem es die Kassiererin ansprechen kann, eine Straße, auf der sich viele Menschen aufhalten, oder ein Haus, wo es um Hilfe läuten kann. der Weg zur Schule kann auch mit Freunden oder Schulkameraden aus der Nachbarschaft zurückgelegt werden. Falls Ihr Kind einmal in eine Notsituation gerät, sollte es seine Lage für Außenstehende deutlich machen (laut rufen, schreien) und gegebenenfalls auch Fremde zur Hilfeleistung auffordern. Ist der Täter – körperlich oder durch den Einsatz von Waffen – eindeutig überlegen, so sollte das Kind seiner Forderung nachkommen. Dabei ist es wichtig, sich das Aussehen des Täters und das Geschehen unbedingt genau einzuprägen.

Wird mein Kind erpresst?

Es gibt Anzeichen dafür, dass Ihr Kind erpresst, bestohlen oder dass ihm Gewalt angedroht wird. Achten Sie auf Unregelmäßigkeiten beim Taschengeld und geben Sie Ihrem Kind keine größeren Geldbeträge oder Wertsachen mit in die Schule. Wenn das zur Verfügung stehende Geld immer gleich ausgegeben ist, ohne dass Ihr Kind sich etwas Besonderes gekauft hätte, kann das ein Hinweis auf Erpressung sein. Möchte Ihr Kind plötzlich nicht mehr in die Schule, wählt einen anderen Schulweg  oder möchte nur noch von Ihnen in die Schule gefahren werden, sollten Sie unbedingt fragen, weshalb das so ist. Natürlich können blaue Flecken, Veilchen oder schlimmere Verletzungen Anzeichen für Gewalt sein.

Opfer brauchen starke Eltern

Ist Ihr Kind Opfer einer Gewaltstraftat geworden, sollten Sie besonders einfühlsam reagieren. Helfen beginnt bereits beim Zuhören. Die Frage, „warum hast du denn nicht zurückgeschlagen“ oder ähnliche Aufforderungen verunsichern Ihr Kind und es fühlt sich noch stärker als Opfer. Bei minderschweren Taten können Sie eventuell vor einer Anzeige ein Gespräch mit dem Täter oder auch seinen Eltern suchen. Bei schwereren Vergehen sollten Sie allerdings sobald wie möglich Anzeige erstatten und den Vorfall in der Schule melden. Dies hat nichts mit „Petzen“ zu tun! Bei Gewaltvorkommnissen, die einen schulischen Bezug haben, können Lehrer und Schulleitung häufig mit pädagogischen Mitteln im Umfeld reagieren. Die Gewaltspirale an der Schule kann nur durchbrochen werden, wenn die Lehrkräfte bescheid wissen und sich der Problematik bewusst sind. Bei Erziehungs- oder Opferberatungsstellen, dem Jugendamt oder der Polizei, können Sie sich informieren, wo Sie professionelle Hilfe und Unterstützung finden können.

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