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Hochbegabung: Tests zur Erkennung sind zweifelhaft

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Hochbegabung  

Wie erkennt man Hochbegabung?

11.09.2012, 10:44 Uhr | Simone Blaß, mmh, dpa, t-online.de

Hochbegabung: Tests zur Erkennung sind zweifelhaft. Junge mit Schulutensilien..

Hochbegabung: Gezielte Förderung ist wichtig. (Bild: imago)

Eltern und Pädagogen sind sensibler geworden, was das Thema "Hochbegabung" angeht. Tests werden angeboten, um betroffene Kinder möglichst früh zu erkennen und fördern. Aber sind diese wirklich aussagefähig? Und welche Konsequenzen hat ein positives Ergebnis? Denn manche Kinder haben einen so hohen IQ, dass es für sie oft eher schwerer als einfacher ist. Mit einer Hochbegabung zu leben fordert auch der Umwelt einiges ab. Intelligenz, Motivation, Kreativität - diese drei Faktoren müssen zusammen kommen.

Hochbegabung: Wie sinnvoll sind Tests?

Intelligenz, Motivation, Kreativität - diese drei Faktoren müssen zusammen kommen, um Hochbegabung zu vermuten. Pro Jahrgang trifft dies auf etwa zwei Prozent zu. Doch diese Zahl beschreibt eigentlich nur den IQ, der um etwa 130 liegen muss. Es gibt jedoch Tests, die auch die anderen Faktoren mit einbeziehen, die schon bei Kindern angewandt werden, um diese möglichst früh zu erkennen und ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern. Somit können ihnen andere Schwierigkeiten erspart werden, denn hochbegabte Kinder werden oft in der Klassengemeinschaft ausgegrenzt. Allerdings müssen diese Tests vorsichtig bewertet werden.

Diagnose vor siebtem Lebensjahr fragwürdig

Wenn bei Kindern vor dem siebten Lebensjahr eine Hochbegabung festgestellt wird, sind Eltern besser skeptisch. Denn für so junge Kinder gebe es kaum geeignete Testverfahren, erklärt Eva Stumpf von der Begabungsberatungsstelle an der Universität Würzburg. Außerdem seien Prognosen in diesem Alter schwierig, da noch viele Veränderungen möglich sind. Auch von Checklisten für die Feststellung einer Hochbegabung lassen Eltern besser die Finger, denn die Anzeichen ließen sich nicht verallgemeinern. Lernen Kinder sehr früh und schnell die Sprache, könne das allerdings auf eine Hochbegabung hindeuten. Diese Kinder könnten schon mit rund einem Jahr Dreiwortsätze bilden und im Extremfall mit vier Jahren anspruchsvolle Bücher lesen, erklärt Stumpf. Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind hochbegabt ist, sollten sie aber erstmal abwarten und es weiter beobachten. Personen, denen einmal - egal in welchem Alter - eine Hochbegabung attestiert wurde, gelten ihr Leben lang als hochbegabt. Allerdings ermittelte eine Studie, dass rund 15 Prozent sechs Jahre später nicht mehr diese Ergebnisse erzielen konnten.

Hochbegabung kann sich in vielen verschiedenen Formen zeigen

Hochbegabte Kinder sind anders als andere Kinder. Sie verhalten sich anders, sie interessieren sich für andere Dinge, sie sind Gleichaltrigen vom Kognitiven her oft zwei Jahre voraus. Dies kann einzelne Bereiche wie zum Beispiel den logisch-mathematischen, den sprachlichen oder den künstlerischen betreffen, manchmal aber auch mehrere gleichzeitig. Hier gibt es verschiedene Ansätze und genau wie die Tatsache, dass die Wissenschaft sich nicht einig ist, zu wie viel Prozent eine Hochbegabung vererbbar ist, genauso unsicher ist man sich, wie eng man den Begriff Intelligenz fassen soll. Ob zum Beispiel die emotionale Intelligenz ebenfalls gemessen werden sollte beziehungsweise wie.

Hochbegabte Kinder sind anders - aber weder besser noch schlechter

Oft wird die besondere Begabung jahrelang vom Umfeld nicht wahrgenommen, was dazu führt, dass die Kinder entweder ihre Fähigkeiten nicht voll entfalten können oder ihre Begabung sich in Auffälligkeiten zeigt. Birgit Zahradnik von der "Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V." erklärt das so: "Hochbegabung ist etwas sehr Schönes, wenn man damit umzugehen weiß. Diese Kinder sind in der Lage, sehr schnell Verbindungen herzustellen, denken vernetzt und haben eine hohe Gedächtnisleistung. Doch wie alles hat auch die Hochbegabung ihre zwei Seiten. Denn viele wissen gar nicht, warum sie anders sind, können damit nicht richtig umgehen und werden gemobbt.“ Birgit Zahradnik weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst hochbegabt und hat dies erst als Erwachsene erkannt. "Seitdem ist mein Leben viel einfacher geworden“, betont sie. Sie hat einen hochbegabten Mann geheiratet und auch ihre Kinder sind überdurchschnittlich intelligent. Schwieriger wird es, wenn die Eltern selbst nicht hochbegabt sind. Sie müssen dann dafür sorgen, dass das Kind den nötigen und richtigen Input durch gezielte Förderung, Museumsbesuche und ähnliches bekommt, um sich nicht zu langweilen. „Der Intelligenzquotient entwickelt sich“, so die Sprecherin der DGhK. "Und er kann auch fallen, wenn kein Input kommt. Wenn nichts getan wird, verfliegt die Hochbegabung irgendwann und das schockiert die meisten Eltern. Dabei kann ein hochbegabtes Kind eine tolle Herausforderung sein.“

Erzieher und Lehrer benötigen mehr Information

Als hochbegabt gilt man, wenn man einen IQ von über 130 hat. Das sind allerdings nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Der Großteil dieser hochbegabten Kinder kommt aus den mittleren und oberen Bildungsschichten, was laut Birgit Zahradnik ganz einfach zu erklären ist: „In bildungsfernen Schichten werden hochbegabte Kinder viel seltener entdeckt, weil kaum jemand mal gezielter hinsieht. Viele dieser Kinder landen aufgrund ihrer Familienverhältnisse und herrschender Vorurteile in der Gosse, obwohl sie eigentlich bei gezielter Förderung die besten Chancen hätten.“ Den Grund dafür sieht sie darin, dass Erzieher und Lehrer zu diesem Thema nicht genügend ausgebildet und informiert werden. „Vieles wäre bei flächendeckenden, regelmäßig durchgeführten Tests einfacher. So könnte man auch die Hochbegabten der bildungsfernen Schichten leichter erkennen“, zeigt sie sich überzeugt. „Andere Länder setzen bereits viel mehr auf Hochbegabte und sehen darin auch ganz klar den volkswirtschaftlichen Vorteil.“

Hochbegabte Kinder entwickeln sich schnell zu Außenseitern

Hochbegabt ist übrigens nicht gleichzusetzen mit hoch leistend. Oft sind die Zensuren in der Schule gar nicht herausragend, viele der Kinder sind unterfordert und entwickeln sich entweder zum Besserwisser oder zum Klassenclown. Altersgemäße Freizeitbeschäftigungen und Themen interessieren das hochbegabte Kind meist überhaupt nicht, was es schnell zum Außenseiter macht. Wird das Problem allerdings richtig gedeutet und gibt man diesen Kindern die Möglichkeit, so viel zu fragen und zu experimentieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, dann entwickeln sie sich oft wie andere Kinder auch. "Theoretisch kann sogar ein normal begabtes Kind mit sehr viel Disziplin und Fleiß die gleichen Leistungen erbringen wie ein hochbegabtes“, so Birgit Zahradnik. "Diesem allerdings fliegt das Wissen zu. Hochbegabte Menschen sind wie Schwämme, die Wissen aufsaugen. Lebenslanges Lernen ist das Ziel.“

Gezielte Förderung ist das A und O

Um ein hochbegabtes Kind zu erkennen und es richtig zu fördern, braucht es allerdings etwas Erfahrung. Gerade Vorurteile entstehen oft dadurch, dass eine Hochbegabung erst dann erkannt wird, wenn sich das Kind auffällig verhält. Es gibt aber durchaus bestimmte Indizien, die darauf hinweisen, dass man es hier mit einem Menschen zu tun hat, dessen Intelligenzquotient höher liegt als bei den restlichen 98 Prozent der Bevölkerung. Diese Indizien betreffen sowohl Auffälligkeiten in Bezug auf das Arbeitsverhalten, das Interesse und das Lernen und Denken sowie Auffälligkeiten in Kindergarten oder Schule und im weiteren sozialen Umfeld.

Eltern brauchen Unterstützung

Eltern hochbegabter Kinder werden von ihrer Umgebung oft mit ihrer Problematik gar nicht ernst genommen. Schließlich sieht es doch auf den ersten Blick so aus, als sei diese Gabe nicht gerade ein Grund zum Jammern. Was viele allerdings nicht beachten, sind die Schwierigkeiten, die sich im Zusammenleben ergeben können. Diese Kinder haben eine enorme Wissbegierigkeit, die sie auch erfüllt sehen möchten, und sie haben, wenn überhaupt, nur wenige Freunde.

Weder Genie noch behindert

Doch eines muss man sich klar machen: Hochbegabte sind weder Wunderkinder noch handelt es sich hier um eine psychische Störung. Hochbegabung ist, wie das Wort schon sagt, eine Gabe, die genutzt werden sollte. Bei Genius Hochbegabung, einer Internetseite, die sich an Eltern, verantwortungsvolle Erzieher und interessierte Pädagogen wendet, heißt es: "Schön an Hochbegabung ist der Reichtum des Gedankengutes Ihres Kindes, seine besonderen Fähigkeiten, die es hat, seine zielgerichtete Interessenlage, seine Freude am Denken. Das Problem bei Hochbegabten ist, dass sie sich völlig verschließen können, wenn sie nicht gefördert werden, keine geistige Nahrung erhalten. Dann wird unter Umständen aus dem brillanten Schüler ein Versager, aus der Begabung eine ‚Behinderung‘.“

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