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Mobbing: Wenn Lehrer Schüler auf dem Kieker haben

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Mobbing  

Wenn Lehrer Schüler auf dem Kieker haben

16.06.2010, 16:24 Uhr | dpa

Mobbing: Wenn Lehrer Schüler auf dem Kieker haben. Trauriger Schüler in Schule.

Werden Kinder vom Lehrer schikaniert, sollten sie sich unbedingt Hilfe holen. (Bild: Imago)

Er hört einfach nicht auf! In jeder Stunde nimmt sich der Lehrer immer wieder denselben Schüler vor: Der wird schikaniert, muss ständig zum Vorrechnen an die Tafel, bekommt ungerechte Noten und muss sich Sätze anhören wie: "Oh Mann, wie blöd bist du eigentlich, dass du das nicht hinbekommst?!" Wird man vom Lehrer gemobbt, hilft es nichts, den Frust in sich hineinzufressen. Als erstes sollte Hilfe gesucht und dann der Lehrer zur Rede gestellt werden.

Streit zwischen Schüler und Lehrer gab es schon immer

Beim Begriff "Mobbing" ist aber Vorsicht geboten, sagt Klaus Seifried: "Mobbing liegt erst dann vor, wenn jemand zielgerichtet und ohne erkennbaren Grund immer wieder herabgesetzt, gedemütigt und gequält wird", erklärt der Schulpsychologe aus Berlin. Konflikte im Unterricht drehen sich aber meist um Noten und Regeln, und darüber gab es zwischen Lehrern und Schülern schon immer Streit.

Wenn Grenzen überschritten werden

Die Grenze zum Mobbing sei allerdings fließend, wenn Lehrer zynische, abwertende Kommentare vor versammelter Klasse abgeben und sich zum Beispiel über die Leistung eines einzelnen Schülers lustig machen, sagt Seifried. "Dass Schüler von Lehrern gemobbt werden, ist aber die absolute Ausnahme." Ist das der Fall, gibt es für den Schüler keinen Grund, sich zu schämen oder sich zurückzuziehen. "Er sollte diesen Teufelskreis durchbrechen und sich auf jeden Fall wehren", rät der Schulpsychologe.

Mit Bauchschmerzen in die Schule

Unternimmt man nichts, hinterlassen solche Attacken Spuren. Dann fällt es den Betroffenen schwer, überhaupt zur Schule zu gehen. "Viele bekommen schon Kopf- und Bauchschmerzen, wenn sie morgens nach dem Aufstehen an den Unterricht denken, oder sie leiden mit der Zeit unter Leistungsstress, weil sie die Anforderungen nicht mehr erfüllen können", erklärt die Diplom-Pädagogin Marthe Kniep aus München, die das "Dr. Sommer"-Team der "Bravo" leitet. "Das geht sogar bis zum Wunsch, die Schule zu schwänzen."

Mit Klassenkameraden austauschen

So weit sollte es besser nicht kommen! Fühlt man sich vom Lehrer gemobbt, ist der erste Schritt, sich mit Klassenkameraden auszutauschen, denen man vertraut. "Die können dann sagen, wie sie die Situation sehen", rät die Erziehungsberaterin Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon. "So lässt sich auch herausfinden, ob man nicht Sachen auf sich bezieht, die die anderen ganz anders sehen."

Angst vor schlechteren Noten

Viele Schüler trauen sich aber nicht, das Problem anzusprechen. "In den meisten Mobbing-Fällen kommt es gar nicht erst zur Konfrontation", sagt Seifried. "Da versuchen die Betroffenen dann, das einfach wegzustecken." Ein Grund sei die Angst, dass eine Beschwerde Nachteile haben könnte. "Sie fürchten, dass sie schlechtere Noten oder eine Mitteilung für die Eltern bekommen."

Unterstützung holen

Doch es ist wichtig, sich Mut zu machen und den Lehrer auf die Situation anzusprechen, sagt El-Safti-Jütte: "Allein und auf eigene Faust sollte das aber auf keinen Fall geschehen", rät sie. "Am besten ist, man holt sich noch eine Vertrauensperson mit ins Boot, die einem den Rücken stärken kann." Unterstützung kann man sich zum Beispiel beim Vertrauenslehrer der Schule, bei einer psychologischen Beratungsstelle oder bei den Eltern holen. Wenn sich ein Schüler nicht helfen lassen will, kann das unterschiedliche Gründe haben: "Es könnte beispielsweise daran liegen, dass die Schüler Angst davor haben, nicht ernst genommen zu werden", sagt Kniep. "Oder sie fürchten, dass die Erwachsenen das letzte Wort haben und solche Sachen sagen wie: 'Du hast dich ja auch frech benommen.'"

Schriftlich festhalten

Haben Eltern Probleme mit einem Lehrer, sollten sie sich mit anderen Müttern und Vätern aus der Klasse austauschen. Möglicherweise sehen die das Verhalten des Lehrers ähnlich kritisch, sagt Ursula Walther vom Vorstand des Bundeselternrates in Oranienburg. Gemeinsam lasse sich besser etwas unternehmen. Beschließen die Eltern, zusammen vorzugehen, wird das am besten schriftlich festgehalten. "Alle die sagen: 'Ja, ich sehe das genauso', sollten unterschreiben", rät Walther. Sonst stehen später die tatsächlich Aktiven plötzlich alleine da.

Wann die Schulleitung einschalten?

Vorher weiß man nie, wie ein Gespräch mit dem Lehrer ausgeht. "Sicher kann es vorkommen, dass der Lehrer alles abstreitet und abweisend reagiert", sagt El-Safti-Jütte. Spätestens in solchen Fällen sollte die Schulleitung eingeschaltet werden. "Soweit muss es aber gar nicht erst kommen, denn das Gespräch kann auch gut verlaufen und die Probleme aus dem Weg räumen."

Keine Vorwürfe machen

Kommt es zum Gespräch, ist es sinnlos, dem Lehrer Vorwürfe zu machen. "Ein 'Sie wollen mich doch nur fertigmachen' bringt nichts", sagt die Diplom-Pädagogin Marthe Kniep von der "Bravo". "Stattdessen sollte man sagen, dass man sich im Unterricht nicht gut fühlt, weil man das Gefühl hat, dass man anders als die Mitschüler behandelt wird." Dann sei es am besten, die Vorfälle und konkrete Beispiele zu schildern und darüber zu sprechen, wie sich das Problem lösen lässt.

Was tun bei "falschen" Noten?

Finden Eltern ihr Kind falsch bewertet, sollten sie immer zuerst mit dem Lehrer darüber sprechen, empfahl Ursula Walther vom Vorstand des Bundeselternrates in Oranienburg. Geht es um eine Klassenarbeit, könnten sich Mutter oder Vater das Bewertungssystem zeigen und erklären lassen. "Für Eltern ist es manchmal schwierig zu akzeptieren, wenn das Kind ähnlich geantwortet hat wie gefordert, der Lehrer aber die exakte Formulierung aus dem Lehrbuch wollte", erklärte Walther.

Lehrer müssen Noten belegen

Geht es um eine Zeugnisnote, müsse der Lehrer sowohl die schriftlichen als auch die mündlichen Noten belegen können. "Es kommt ab und zu mal vor, dass ein Lehrer nicht alles berücksichtigt und zum Beispiel vergisst, die mündlichen Noten einzurechnen", schilderte Walther ihre Erfahrungen. Finden die Eltern ihr Kind nach dem Gespräch immer noch falsch benotet, könnten sie sich an die nächste Instanz wenden. In Grundschulen sei das der Schulleiter, auf der weiterführenden Schule der Fachleiter, etwa für Sprachen. Der Schulleiter könne in die Note eingreifen. Allerdings werde er das in der Regel nur dann tun, wenn große Teile der Klasse in einer Arbeit schlecht abgeschnitten haben. "Dann wird die Arbeit möglicherweise wiederholt." Einzelne Noten von Schülern taste der Schulleiter hingegen selten an. "Er würde damit in die pädagogische Kompetenz des Lehrers eingreifen, und das gäbe viel Stress", sagte Walther.

Kaum Chancen vor Gericht

Geringe Erfolgsaussichten hätten Eltern auch beim Gang vors Gericht. Grundsätzlich sei eine Klage nur dann gerechtfertigt, wenn die Note die Schullaufbahn gefährdet oder im Abschlusszeugnis steht: "Man kann nicht einfach eine Drei im Zeugnis anfechten, weil man die zu schlecht findet." Das Gericht prüfe, ob formale Fehler bei der Festsetzung vorliegen. "Es mischt sich aber nicht in die pädagogische Bewertung ein."

Konsequenzen bedenken

Bevor Eltern wegen einer Note auf die Barrikaden gehen, sollten sie auch überlegen, welche Konsequenzen das für den Schüler haben kann. Zwar hätten solche Notengespräche offiziell keine Auswirkungen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis. "Zu 50 Prozent ist das aber doch der Fall", sagte Walther. Es könne zum Beispiel vorkommen, dass der Schüler künftig kritischer beäugt wird. "Man sollte sich daher schon überlegen, wie viel Ärger man macht."

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