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Schulobst: EU-Programm wird von neun Bundesländern abgelehnt

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Keine Vitamine für Schüler

26.01.2010, 16:27 Uhr | ZDF

Mädchen beißt in einen Apfel.Die EU will Schülern frisches Obst schmackhaft machen. (Bild: Imago)Nach einer Umfrage des ZDF-Magazins "Frontal 21" wollen neun Bundesländer nicht am EU-Schulobstprogramm teilnehmen: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Dort entgeht den Schülern ein Millionen-Geschenk der EU. Denn die Europäische Kommission stellt Deutschland in diesem Schuljahr gut 20 Millionen Euro zur Verfügung, damit Schüler kostenlos frisches Obst und Gemüse essen können. Im Gegenzug sollen die Bundesländer rund 18 Millionen Euro dazu geben. #


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Gesunde Schulernährung bisher nur im Saarland

Bislang wird EU-Obst und Gemüse lediglich an Schulen im Saarland verteilt. Weitere sechs Bundesländer arbeiten noch an der Umsetzung: Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Europaweit nehmen nach Informationen der EU-Kommission schon 18 Länder am Schulobstprogramm teil, weitere fünf bereiten es gerade vor. Lediglich drei EU-Länder wollen nicht teilnehmen, weil sie bereits eigene Programme für gesunde Schulernährung haben. Das Schulobst-Programm sollte Kinder an eine gesündere Ernährung heranführen und der Zunahme von Fettleibigkeit entgegenwirken. Immer mehr Schulkinder leiden schon an Adipositas.

Gewerkschaft: "Politisch kurzsichtig und dumm"

Marianne Demmer, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hält die geringe Beteiligung in Deutschland "für politisch kurzsichtig, für dumm, für im Prinzip völlig daneben". Denn das Programm sei eine Möglichkeit, Kinder mit gesunder Ernährung vertraut zu machen. Für "skandalös" hält auch Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, die Absage der neun Bundesländer. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien wüssten wenig über gesunde Ernährung und seien daher besonders gefährdet. Laut OECD hat sich der Anteil Fettleibiger bei den fünfzehnjährigen Mädchen innerhalb von nur fünf Jahren verdoppelt. Danach ist jedes neunte Mädchen krankhaft übergewichtig. Bei den Jungen ist es sogar jeder sechste. Doch den Bundesländern erscheint die Abwicklung zu stressig, der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, heißt es.

Saarländer haben "sehr gute" Rückmeldungen

Ihre Absage an das EU-Schulobstprogramm begründen viele Landwirtschaftsminister mit bürokratischen Problemen. "Wir müssen für jedes Kind einzeln nachweisen, dass es auch das Stück Obst oder Gemüse bekommen hat", meint Frank Kupfer, Landwirtschaftsminister von Sachsen, CDU. Im Saarland sieht man hingegen keine Probleme bei der Umsetzung des Programms. Dort haben seit Mitte November 2009 über 10.000 Schüler an Grund- und Förderschulen kostenloses Obst und Gemüse erhalten. Der Rücklauf an Meldungen sei "sehr, sehr gut", so die zuständige Umweltministerin Simone Peter, Bündnis 90/Die Grünen.

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