Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schulkind >

Lehrer und Kids als Partner: Respekt per Vertrag

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Respekt per Vertrag

18.02.2010, 10:03 Uhr | mmh, t-online.de

Junge schreibt.Wie sinnvoll sind pädagogische Verträge? (Bild: Archiv)"Respekt" ist eines der Lieblingsworte der Erzieher genauso wie der Kids heutzutage. Doch wie setzen Lehrer, Eltern und Schüler dies im Alltag um? Pädagogische Verträge sind eine Möglichkeit in Schule, Hort, Therapie und Elternhaus. Doch was bringen diese Vereinbarungen den Partnern?

Bildungsbarometer 2009 Bundesländer im Bildungscheck
Umfrage Jeder zweite Schüler von Schule gestresst
Forum Diskutieren Sie mit

Lehrer als Vertrags-Partner

Strafe ist out, Motivation ist angesagt, um Ziele zu erreichen. Doch wie können Partner ihren Forderungen und Ansprüchen Nachdruck verleihen? Denn erfahrungsgemäß hält sich nicht jeder in einer Erziehungssituation an Regeln und Vereinbarungen, genau deshalb entsteht ja der Ruf nach Strafe oder Sanktion. Pädagogische Verträge können eine Lösung sein. Gegenstand der Vereinbarungen können allgemeine Klassenregeln sein, aber auch individuelle Vereinbarungen. beispielsweise für Kinder, die oft aggressiv sind und Raufereien mit Mitschülern vermeiden sollen. Oder für Kinder, die oft die Schule schwänzen.

Ungleiche Partner?

Hinter der Idee steckt der Gedanke, sich gegenseitig ernst zu nehmen, das Verhältnis Lehrer-Schüler aufzubrechen. Man ist nicht mehr "Chef" und "Abhängiger", sondern beide sind gleichwertige Partner. Doch können sie dies überhaupt sein? Sitzen nicht immer Lehrer und Eltern am längeren Hebel, sind diejenigen, die fordern und die Kinder diejenigen, die etwas leisten sollen. Trotzdem: Das Kind wird ernst genommen. Denn dem Vertrag muss eine Bestandsaufnahme und Analyse der Situation vorausgehen. Hier hat auch das Kind das Recht, ausführlich seine Beweggründe darzustellen. Erst wenn Soll- und Ist-Zustand ermittelt sind, können die Vertragspartner, also Lehrer, Schüler und Eltern, ihre Unterschrift darunter setzen. Es geht um die gemeinsame Verantwortung aller Partner für das Schulklima.

Der pädagogische Vertrag

Sie hängen inzwischen in vielen Klassenzimmern, in Grundschulen wie in weiterführenden Schulen: Regeln, Gebote oder Verträge für die Zusammenarbeit in der Klasse, bunt unterschrieben von allen Schülern und Lehrern. So soll das tägliche Zusammenleben funktionieren. Diese Gebote entstehen in den Schüler-Lehrer-Versammlungen. Die Schüler müssen das Gefühl haben, selbst mit gestalten zu können, keine Regeln aufgedrückt zu bekommen. Überprüft wird es durch Selbsteinschätzung und durch den Lehrer. Ein Mustervertrag für eine Schulklasse könnte folgende Punkte beinhalten

- ich halte meinen Arbeitsplatz in Ordnung

- ich schimpfe nicht

- ich erledige Arbeitsaufträge zeitgerecht

- ich halte mich an die Schulordnung

- ich störe nicht

- ich helfe meinen Mitschülern

- meine eigene Regel: ich räume meinen Ranzen ordentlich ein.

Alle zwei bis drei Wochen müssen die Vertragspartner die Einhaltung überprüfen und bewerten, beispielsweise mit plus, minus und null. Diese Einschätzungen können auch Grundlagen für Elterngespräche oder Kopfnoten sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich auch die Mitschüler gegenseitig auf dieser Basis an die Einhaltung erinnern. Und Kinder können da sehr streng sein.

Keine reine Harmonie

Die Einhaltung des Vertrags bedeutet keine reine Kuschel-Harmonie, oft ist den Vertragsverhandlungen eine Konfrontation vorausgegangen und steht der Vertrag dann, muss er auch eingefordert werden können. Die Schulpsychologin Gertrud Plasse schreibt im Familienhandbuch über Schulschwänzer: "Regel Nummer eins beim schulvermeidenden Verhalten ist die Konfrontation. (...) Ihr Kind verlangt danach! Es möchte gesehen werden mit seinen Sorgen. Schauen Sie nicht weg, schauen Sie hin!" Im Beispiel Schulschwänzen könnte ein Vertrag folgenden Wortlaut haben, schlägt die Schulpsychologin vor: "Anton geht jeden Morgen zur Schule. Er erklärt sich damit einverstanden, dass die Eltern ihn auch gegen seinen Willen zur Schule schicken. Kommt er nicht in der Schule an, so wendet sich die Lehrkraft umgehend an die Eltern, die ihn daraufhin zur Schule bringen. Weigert er sich und findet Ausflüchte, er sei krank usw., so kann er sich entscheiden, ob er zum Arzt oder zur Schule geht.“ Sie schlägt vor, auch klare Absprachen darüber zu fixieren, wie der versäumte Lernstoff aufgeholt wird und wie sich der Schüler oder die Schülerin am besten wieder in den Unterricht integrieren kann. Also Sanktionen und Wiedergutmachung.

Eltern als Vertragspartner

Auch in Familien kann ein Vertrag helfen, Konflikte zu lösen. Vor allem stellt er eine gute Basis für Gespräche dar. Verträge können hier ein akutes Thema aufgreifen, wie das Klassenziel zu erreichen, wenn die Versetzung gefährdet ist oder generelle Regeln des Alltags aufstellen. Hier können folgende Punkte auftauchen:

- wer räumt wo auf

- wie lange darf man Fernsehen oder PC-Spiele machen?

- wann müssen Hausaufgaben gemacht werden?

- was passiert, wenn sich einer nicht an Verabredungen hält?

- was muss jemand tun, der zu spät kommt?

- dürfen sich Eltern in Kleidungsstil der Kinder einmischen?

- welchen Sport dürfen Kinder machen und wie lange?

- wie laut darf Musik gehört werden?

- gibt es Belohnungen?

- gibt es Strafen?

- Beispiel: Schimpfwort-Sparschwein: Was wird mit dem Geld gemacht?

Man kann beispielsweise eine Probezeit vereinbaren, nach der man den Vertrag auf Alltagstauglichkeit hin überprüft, ihn verändert und dann erst endgültig unterschreibt. Je nachdem, wie alt die Kinder sind oder wie öffentlich man das Thema handhaben will, hängt man den Vertrag an die Familien-Pinnwand oder legt ihn in den Aktenschrank. Eines ist wichtig: Der Platz muss angemessen sein. In den Augen der Kinder ist es ein Vertrag wie der Mietvertrag oder der über den Auto-Kauf. Auch wenn die Eltern wissen, dass die Rechtsverbindlichkeit eine andere ist, sollten auch sie die Wichtigkeit und zwischenmenschliche Bedeutung sehr hoch schätzen. Denn meist steckt dahinter ja auch ein gutes Stück Arbeit, bis man überhaupt so weit ist.

Andere Einsatz-Felder

Auch Ergo-Therapeuten oder Logopäden bauen diese Methode in ihre Arbeit mit dem Kind ein. Das Kind wird zum Partner in der Behandlung und soll erkennen, dass es am Erfolg einen großen Anteil hat, aber auch am Misserfolg. Damit erreichen Therapeuten vor allem Kinder, die eine Therapie eigentlich ablehnen, die denken, sie bräuchten das gar nicht, denn schließlich steht am Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit das Ziel, die Therapie abzuschließen und zu beweisen, dass sie "überflüssig" war.



Mobbing Wenn Lehrer Schüler auf dem Kieker haben
Schule Vorurteile wirken sich auf Leistung aus
Newsletter Immer top-informiert mit dem Eltern-Newsletter


Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Nur heute und nur für die 1.000 schnellsten Besteller

tolino page eBook-Reader zum Schnäppchenpreis von nur 49.- € statt 69.- € bei Weltbild.de. Shopping

Shopping
iPhone 7 32 GB im Tarif MagentaMobil L mit Handy

Nur 99,95 €¹. Nur online: 24 Monate 10 % sparen! bei der Telekom Shopping

Vernetzung
Christmas Shopping: Jetzt 15,- € Gutschein sichern!

Nur bis zum 14.12.16. Erfahren Sie mehr zur Aktion auf MADELEINE.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal