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Einschulung: Soll man Kinder schon mit fünf in die Schule schicken?

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Alter bei Einschulung  

Soll man Kinder schon mit fünf in die Schule schicken?

06.08.2014, 18:08 Uhr | Sabine Caron, t-online.de

Einschulung: Soll man Kinder schon mit fünf in die Schule schicken?. Einschulung: Was ist das richtige Alter? (Quelle: imago)

In vielen Bundesländern wurde das Einschulungsalter gesenkt. (Quelle: imago)

Raubt die frühe Einschulung ein Stück Kindheit? Bis vor einigen Jahren war völlig klar: Wer bei Schuljahresbeginn sechs Jahre alt ist, wird eingeschult, wer später Geburtstag hat, bleibt noch im Kindergarten. In den letzten Jahren wurde und wird immer wieder diskutiert, ob Kinder schon mit fünf Jahren eingeschult werden sollten. In vielen Bundesländern wurde das Einschulungsalter bereits gesenkt. Eltern so genannter "Kann-Kinder" stehen vor einer schweren Entscheidung: Einschulen oder nicht? Das sind einige Erfahrungen im Rückblick.

Da das Einschulungsalter flexibilisiert wurde, sind Eltern sind heute stärker gefordert, wenn es um die Einschulung ihrer Kinder geht. In vielen Fällen werden sie dabei gut von Fachleuten, nämlich den Erzieherinnen und Ärzten, beraten entscheiden müssen sie aber letztlich selbst. Ausschlaggebend für eine frühzeitige Einschulung sollte sein, dass die kognitiven, die sozial-emotionalen und die motorischen Fähigkeiten entsprechend entwickelt und ausgeprägt sind.

Diese Fähigkeiten brauchen Kinder Zur Einschulung

Zu den kognitiven Fähigkeiten gehören das simultane Erfassen von Mengen bis sechs und das Kennen von Präpositionen. Zu den sozialen Fähigkeiten zählt unter anderem das verbale Lösen von Konflikten, Frustrationstoleranz, Selbstbewusstsein, "Warten können“. In motorischer Hinsicht sollten Kinder beim Ausmalen in den Linien bleiben und einen Stift halten können. Darüber hinaus muss das Kind selber schulbereit sein und den Willen äußern, in die Schule zu gehen. Hat ein Kind im Kindergarten noch viel Spaß und sieht einer Einschulung skeptisch entgegen, sollten Eltern lieber noch ein Jahr warten.

Jonas gilt als hochbegabt

Als der kleine Jonas gerade fünf Jahre alt war, äußerte eine Erzieherin beim Elterngespräch ihre Vermutung einer Hochbegabung. Einerseits sei Jonas sehr weit in seiner Entwicklung, weil er schon mit drei Jahren vor anderen Kindern vorgetragen oder sich aktiv im Stuhlkreis beteiligt habe. Andererseits aber sei er sehr schüchtern und sein Sozialverhalten im Vergleich zu Gleichaltrigen in mancher Hinsicht zurück. Diese Kombination sei durchaus typisch für Hochbegabungen, erfuhren die Eltern.

Die Erzieherinnen empfahlen den Eltern, einen Hochbegabtentest machen zu lassen. Der Psychologe bestätigte den Eltern, dass sich eine Hochbegabung abzeichne, abschließende Ergebnisse und die Bestimmung des Intelligenz-Quotienten (IQ) könne man aber erst mit etwa fünfeinhalb Jahren machen. Die frühzeitige Einschulung sollten sie davon abhängig machen, ob Jonas selber in die Schule gehen wollte. Schon im Alter von vier Jahren hatte Jonas immer wieder den Wunsch geäußert, zur Schule zu gehen. Auch die Kinderärztin riet zur Einschulung, die Erzieherinnen wiesen darauf hin, dass sie Jonas nichts mehr bieten könnten.

Wunsch und Wirklichkeit

Als Jonas angemeldet war, waren die Eltern erleichtert. Aber bereits eine Woche nach der Einschulung beklagte sich Jonas, dass es ihm in der Schule nicht gefällt. Auch im Sozialverhalten wurde er auffällig: Er versuchte, seine Lehrerin zu provozieren, damit er von der Schule fliegt und wieder zurück in den Kindergarten kann. In dieser Zeit haben die Eltern ihre Entscheidung angezweifelt. Jetzt besucht Jonas im Mathematikunterricht zweimal die Woche die zweite Klasse und bekommt auch sonst zusätzliche Aufgaben gestellt. Trotz der Probleme glauben die Eltern aber, dass ihre Entscheidung richtig war, da er sich schon jetzt häufig in der Schule langweilt.

Lukas Eltern fühlen sich schlecht beraten

Lukas ist heute zehn Jahre alt, er hat noch einen fünfjährigen Bruder. Er ist am 3. September geboren (der damalige Stichtag war der 30. Juni) und wurde einige Wochen vor seinem sechsten Geburtstag als "Kann-Kind“ eingeschult. Die Eltern fühlten sich bei der Entscheidung alleingelassen. Sie selber hatten gegenüber den Erzieherinnen die Idee einer frühzeitigen Einschulung geäußert, weil glaubten, ein klarer strukturierter Tagesablauf würde ihrem Sohn gut tun. Die Erzieherinnen befürworteten die Idee mit dem Hinweis auf Lukas' ausgeprägte kognitive Fähigkeiten: Lukas könne schon bis 20 rechnen und bei Würfelspielen ohne Probleme bei den Großen mitspielen. Sozial-emotionale Fähigkeiten wurden nur am Rande besprochen.

Auch soziale Kontakte entscheidend

Zu Beginn der zweiten Klasse fiel der Mutter auf, dass ihr Sohn keine sozialen Kontakte in der Klasse hat. Zu Hause beschwerte er sich häufig über das Verhalten anderer Kinder, die ihn geärgert hätten. Bei einem Elterngespräch berichtete die Lehrerin von Konflikten, die von Lukas ausgingen - in den Pausen, auf dem Heimweg, jedoch nie im Unterricht.

Anfang der dritten Klasse fiel die Diagnose Lese-Rechtschreibschwäche und ADHS. Zwischen dem dritten und vierten Schuljahr wurde den Eltern deutlich, dass Lukas' Sozialverhalten im Vergleich zu anderen Kindern noch zurücklag. Schließlich wurde er in die dritte Klasse zurückversetzt. Dieses sei eine gute Entscheidung gewesen, sagt die Mutter, denn nun wird Lukas in seiner Klasse besser akzeptiert und die schulischen Leistungen sind gut.

Marie klagt über Langeweile im Kindergarten

Als Marie fünf Jahre alt war, rieten die Erzieherinnen den Eltern zur Einschulung. Marie sei in ihrer geistigen Entwicklung schon sehr weit und interessiere sich bereits für Buchstaben. Auch im sozialen Bereich hatten die Erzieherinnen keine Bedenken, weil sie ein durchsetzungsfähiges und selbstbewusstes Mädchen sei. Sie befürchteten aber, dass Marie aus Langeweile in einem weiteren Kindergartenjahr allen auf die Nerven fallen könne.

Trotzdem entschieden sich die Eltern gegen eine Einschulung, vor allem aber weil es ihnen wichtig war, dass ihre Tochter im letzten Kindergartenjahr noch mehr soziale Fähigkeiten erwirbt. Die Eltern erlebten Marie immer wieder als sehr schüchtern. Außerdem war sie am Ende des Tages oft sehr unausgeglichen und erschöpft von den vielen Eindrücken. Wenn die Mutter Marie mit frisch eingeschulten sechsjährigen Mädchen verglich, waren diese in ihrer Entwicklung deutlich voraus.

Wissensdurst allein reicht nicht

Susanne und Johannes, beide 39 Jahre alt, Eltern von drei Kindern, zwölf, sechs und vier Jahre alt, haben sich dagegen entschieden, ihren Sohn Joel mit fünf Jahren einzuschulen. Als er Sohn das "Maxitreffen" im Kindergarten besuchen sollte, war er zwar zuerst begeistert, nun zu den Großen zu gehören, verweigerte aber jede Mitarbeit, als er merkte, dass damit seine Einschulung verbunden sein könnte. Joel selbst war also noch nicht schulbereit.

Die Erzieherinnen hatten zwar seinen großen Wissensdurst betont, andererseits aber seien seine Frustrationstoleranz und sein Selbstbewusstsein noch deutlich zu schwach für eine Einschulung. Die Eltern wollten ihm auch die Frustration ersparen, dass er als einer der Jüngsten in der Klasse nicht mit den älteren Kindern mithalten kann.

Auch mal der Große sein ...

Sowohl die Eltern als auch die Erzieherinnen sind zufrieden mit der Entscheidung: Joel geht noch immer gerne in den Kindergarten und genießt es, der Älteste in seiner Gruppe zu sein. Die Erzieherinnen bemühen sich, seinen Wissensdurst zu stillen, nachmittags geht er auf eigenen Wunsch zum Englischunterricht und lernt Flöte spielen. Im Hinblick auf seine Frustrationstoleranz und sein Selbstbewusstsein hat er zwar Fortschritte gemacht, das halbe Jahr Kindergarten aber wird ihm gut tun, hier noch weiter zu wachsen.

ratgeber.t-online.de - Sprüche zur Einschulung: Gedichte und Glückwünsche

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