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Schon Schulanfänger haben Schulangst - was können Eltern tun?

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Schulangst  

Schon Schulanfänger haben Schulangst - was können Eltern tun?

20.04.2010, 11:20 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Schon Schulanfänger haben Schulangst - was können Eltern tun?. Schon Schulanfänger haben Schulangst - was können Eltern tun?

Schulangst führt bei Schulanfängern und Grundschülern häufig zu Bauch- und Kopfweh. (Bild: Imago)

Schon zwei Mal ist die Mutter ins Zimmer gekommen - "Jetzt musst du aber wirklich aufstehen, Julia!" Die Siebenjährige jammert, "Mama, ich hab’ so Bauchweh." Mit bleichem Gesichtchen schaut sie unter der Decke hervor und blickt ihre Mutter mit verheulten Augen an. "Schon wieder?", denkt Julias Mutter. "Ist das Kind krank oder will es nur nicht in die Schule?" Noch vor ein paar Monaten hatte sich Julia jeden Morgen auf die Schule gefreut und mittags erzählte sie mit leuchtenden Augen von den neuen Dingen, die sie gelernt hat. Mittlerweile muss ihre Mutter sie regelrecht zwingen, in die Schule zu gehen. Leider geht es in Deutschland vielen Eltern so - laut einer Studie der UNICEF in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Geolino" leiden etwa zehn Prozent der deutschen Schüler an Schulangst. Doch wie erkennen Eltern, dass ihre Kinder Angst vor der Schule haben und was können sie tun, damit sich ihr Kind wieder wohl in der Schule fühlt?

Überforderung schon in der Grundschule

Schon in der Grundschule leiden Kinder immer häufiger unter Stress und bekommen dadurch im schlimmsten Fall eine ausgeprägte Schulangst. Andere verlieren durch den Druck, unfreundliche Lehrer oder blöde Mitschüler einfach die Lust, in die Schule zu gehen. Meist beginnt der Leistungsdruck bereits im Kindergarten, teilweise durch die Erwartungshaltung der Eltern. Viele Eltern beobachten vom Tag der Einschulung an sehr genau die Schulkarriere ihres Kindes, vergleichen ihr Kind kritisch mit seinen Alternsgenossen und verknüpfen Noten mit Belohnung und Bestrafung. Zu groß ist die Angst, ihrem Kind keinen optimalen Start ins Leben bieten zu können, schließlich herrschen in Deutschland Lehrstellennotstand, Arbeitslosigkeit und Bildungsprobleme. Auch überfordern manche Lehrer ihre Schüler, da sie selbst gestresst sind und schon in der Grundschule in überfüllen Klassenzimmern ihren Stoff in kurzer Zeit vermitteln müssen.

Der Bauch tut wieder weh - Schulangst oder nicht?

Bei Schulangst treten bei Schulanfängern und Grundschülern meistens Bauch- und Kopfweh auf. Selten sprechen gerade kleine Kinder über ihre Ängste, meistens können sie das Grummeln im Bauch oder den schmerzenden Kopf gar nicht richtig einordnen. Klären Sie deshalb beim Kinderarzt mögliche körperliche Ursachen ab. Bekommt Ihr Kind allerdings vor allem morgens vor der Schule, abends beim Einschlafen, nach dem Wochenende oder nach den Ferien Bauch- oder Kopfweh, ist das eher ein Anzeichen dafür, dass in der Schule etwas nicht richtig läuft. Professor Doktor Bernhard Blanz von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Jena erklärt, dass es wenig Sinn mache, das Kind direkt zu fragen, ob es Schulangst habe. Er frage als Therapeut auch nicht "Hast du Angst vor der Schule?", sondern "Wie geht's Dir in der Schule, macht Dir die Schule Spaß, was ist dein Lieblingsfach und was gefällt Dir nicht so gut?" Dann lasse er die Kinder erzählen und meistens kriege er dadurch raus, was Grund der Kopf- oder Bauchschmerzen sein könnte: Hänseleien oder Erpressungen auf dem Schulhof, oder etwa die Angst, im Unterricht aufgerufen zu werden und sich dann zu blamieren, wenn man etwas nicht weiß.

Schulverweigerung, Faulheit oder Schulangst?

Indizien für Schulangst sind, wenn Ihr Kind fleißig ist, seine Hausaufgaben macht und diese auch nachholt, wenn es mal gefehlt hat; es oft am gleichen Wochentag bittet, zuhause bleiben zu dürfen; wenn es wenig Freunde in der Schule und es nachmittags kaum Besuch hat; wenn es sichtbar leidet, wenn es zur  Schule geht und es nach der Schule oder in den Ferien befreit wirkt; wenn es körperliche Symptome wie nasse Hände, Herzklopfen, Muskelverspannungen, Schweißausbrüche zeigt; wenn es Schlafstörungen und Albträume hat oder sich plötzlich wieder einnässt. Anzeichen für "einfache" Faulheit sind, wenn Ihr Kind ein mittelmäßiger Schüler ist, mit wenig Begeisterung lernt und es häufig Streit wegen Hausaufgaben gibt; wenn es ihrem Kind egal ist, ob er oder sie durch Trödeln zu spät kommt; wenn es morgens keine Anzeichen von Angst oder Aufgeregtheit zeigt; wenn es der "Klassenclown" ist, viele Freunde und häufig Kinder zu Besuch hat.

So helfen Sie Ihrem Kind

Vermuten Sie, dass etwas Ihr Kind belastet oder es Angst hat, in die Schule zu gehen? Dann fragen Sie: Möchte es im Unterricht nicht aufgerufen werden; hat es Angst, Fehler zu machen; wird es von den Mitschülern gemocht; was spielt es auf dem Schulhof (gibt es Anzeichen für Gewalt?); wie geht der Lehrer mit den Kindern um - wie mit Ihrem Kind (ist er sehr autoritär oder übergriffig?); ist es schwierig für Ihr Kind, vor der Gruppe zu sprechen?

Nachfragen und Verständnis zeigen

Durch ein Gespräch in vertrauter Atmosphäre, in dem Sie mit Ihrem Kind über seine Ängste sprechen, helfen Sie ihm, sich der Angst zu stellen. Zeigen Sie Verständnis für die besprochenen Probleme, aber dramatisieren Sie sie nicht. Spielen Sie die brenzligen Situationen gemeinsam durch. Was kann schlimmstenfalls passieren, wie kann etwas Schlimmes verhindert werden, welche Alternativen gibt es?

Seien Sie eine liebevolle Stütze

Ermutigen Sie Ihr Kind, die Lösung der Schulprobleme anzugehen, gegebenenfalls mit Ihnen zusammen. Üben Sie Lieder, Schönschreiben oder Mathe, falls diese Dinge Ihrem Kind schwerfallen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm zutrauen, eine Lösung für die Schulangst zu finden. Ändern Sie einmal den Blickwinkel auf das Problem und zeigen Sie Ihrem Kind, wie die Situation anders laufen könnte. Geben Sie Ihrem Kind die Hilfe, die es bei Schulproblemen braucht, in dem Sie beispielsweise ein Gespräch mit dem Lehrer oder Eltern eines Mitschülers führen. Seien Sie liebevoll, haben Sie Geduld und erwarten Sie keine sofortige Veränderung.

Wenn die Trennung schwer fällt

Vor allem bei kleineren Kindern kann Trennungsangst von der Hauptbezugsperson der Hintergrund für ein Fernbleiben von der Schule sein. Das Kind hängt noch so sehr an der Mutter oder dem Vater, dass es sich kaum trennen kann. Dies kann dadurch verstärkt werden, dass die Mutter erkrankt ist und sich das Kind Sorgen um sie macht. Manche Kinder haben Angst sich lächerlich zu machen oder gedemütigt zu werden. Aus diesem Grund versuchen sie, der befürchteten Situationen ganz aus dem Wege zu gehen. Sie vermeiden häufig die Schule aus Angst, sich dort zu blamieren oder zu versagen. Sie möchten nicht aufgerufen werden oder an der Tafel etwas zeigen, da sie befürchten, etwas falsch zu machen und deshalb geärgert zu werden. Manche Kinder lutschen im Grundschulalter noch am Daumen oder können sich keine Pupse verkneifen. Werden sie wegen diesen Dingen gehänselt, kann das zu Schulunlust oder Schulangst führen, obwohl die Leistungen bisher gut waren und sie sich in ihrer Klasse wohl gefühlt haben.

Julia macht die Schule wieder Spaß

Julia geht mittlerweile wieder gerne in die Schule. Nach dem ersten Jahr in der Schule hatte ihr Lehrer ein Bewertungssystem eingeführt. Statt dem spielerischen Lernen des Mathestoffs fragte er von seinen Schülern wöchentlich das Gelernte ab - in einem richtigen Test mit Sternchen für gute Leistungen und negativen Smileys für schlechte. Obwohl die Tests die Kinder motivieren sollten - für Julia waren sie zu viel. Die Angst, etwas falsch zu machen und ein Gesicht mit hängenden Mundwinkeln auf dem Blatt zu finden, wuchs bis hin zur Schulangst. Doch ihre Eltern reagierten richtig: Sie schrieben Julia keine Entschuldigung und ließen sie nicht zuhause, sondern fanden durch lange Gespräche heraus, wovor genau Julia solche Angst hatte und sprachen anschließend mit dem Lehrer über sein Bewertungssystem.

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