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Bilingualer Unterricht  

Bio auf Englisch: Bilingualer Unterricht nimmt zu

22.06.2010, 14:44 Uhr | dpa, dpa

Bio auf Englisch: Bilingualer Unterricht nimmt zu. Eine achtjährige Grundschülerin liest in einer Buchhandlung in Düsseldorf in einem Englischbuch für die Grundschule. (Bild: dpa)

"Bili-Kinder" sollten gerne kommunizieren und sich gut konzentrieren können. (Bild: dpa)

Englischunterricht in der Grundschule - das ist inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Ein Lehrer, der von der ersten Stunde an Englisch mit Erstklässlern spricht, aber sehr wohl: Bilingualer Unterricht an Grundschulen ist immer noch eine Nische. Häufiger sind die Schulstunden auf Englisch oder Französisch an Gymnasien oder Realschulen: Die Schüler pauken Biologie, Sachkunde oder Geografie in der Fremdsprache. Überfordert das nicht? Und stehen diese Schüler Gleichaltrigen aus "normalen" Klassen bei den fachlichen Kenntnissen nach? Nein, sagen Wissenschaftler und sehen im "bili-Unterricht" große Chancen.

Die Konzepte

Bilingualer Unterricht wird nach Angaben der Kultusministerkonferenz inzwischen in allen Bundesländern angeboten. Am häufigsten ist er an Gymnasien, gefolgt von Realschulen. In einigen Bundesländern gibt es Grundschulen mit "bili-Zweig". Hinter der Bezeichnung bilingualer Unterricht verbergen sich unterschiedliche Konzepte. Zum einen gibt es bilinguale Züge, das heißt, eine Klasse erhält dauerhaft Unterricht in der Fremdsprache. Eine Alternative sind bilinguale Module. Dann wird ein Thema über einen begrenzten Zeitraum in der Fremdsprache - am häufigsten sind Englisch und Französisch - behandelt.

Verständnis über Bilder und Objekte

Noch relativ selten ist "bili-Unterricht" in der Grundschule, sagt Thorsten Piske, Professor für Didaktik des Englischunterrichts an der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd. Mal umfasst er alle Fächer außer Deutsch, mal nur bestimmte, die sich besonders anschaulich darstellen lassen. Denn das ist der Trick: Erklärt der Lehrer möglichst viel über Bilder und Objekte, können auch Kinder dem Unterricht folgen, die keine Vorkenntnisse in der Fremdsprache haben.

Zum Ablauf 

"Bili-Züge" in der weiterführenden Schule beginnen häufig mit einer Vorbereitung in der fünften und sechsten Klasse, erklärt Henning Rossa, Fremdsprachendidaktiker an der Universität Paderborn. Die Schüler bekommen pro Woche zwei bis drei zusätzliche Stunden Unterricht in der Fremdsprache. Ab Klasse sieben wird dann ein Sachfach - oft Gesellschaftskunde, Geschichte, Geografie oder Biologie - in Englisch oder Französisch unterrichtet. Später kommen weitere Fächer dazu.

Fachliches Wissen zählt mehr

Der Lehrer spricht so viel wie möglich in der Fremdsprache. "Die Muttersprache hat aber auch ihren Platz im Unterrichtsgespräch", erklärt Rossa. Typisch sei am Anfang, dass der Lehrer auf Englisch oder Französisch unterrichtet, die Schüler aber auf Deutsch antworten. "Die entscheiden selbst, wie viel sie schon in der Fremdsprache sagen wollen." Das Unterrichtsmaterial ist in der Regel in der Fremdsprache verfasst, gleiches gilt für Aufgaben in Tests. Auf die soll der Schüler auf Englisch oder Französisch antworten. "Aber es zählt nicht die Sprachkompetenz, sondern in erster Linie das fachliche Wissen", erklärt Professor Olivier Mentz von der PH Freiburg, der zu bilingualem Sachunterricht in Französisch forscht.

Auswahl der Schüler

Manche Schulen führen Vorgespräche mit Eltern, die sich für einen bilingualen Zweig interessieren, sagt Mentz. So könne es passieren, dass sich Eliten bilden - also Klassen mit Schülern aus besonders bildungsnahen Elternhäusern. "Deshalb bin ich eigentlich gegen eine Vorauswahl." Grundsätzlich eigne sich der bilinguale Unterricht für alle Schüler. Kinder in "bili-Grundschulklassen" sollten einen "altersangemessenen Entwicklungsstand in der Muttersprache haben", erklärt Professor Piske. Für Migrantenkinder heißt das: Sie müssen entweder gut Deutsch oder ihre Muttersprache beherrschen. "Die Kinder sollten außerdem grundsätzlich gerne kommunizieren und sich gut konzentrieren können."

Wenn Probleme auftreten

Schüler in "bili-Klassen" erschließen sich die neue Sprache vor allem durch das, was sie vom Lehrer hören. "Wenn ein Lehrer merkt, dass sich in der Sprache der Schüler ein Fehler verfestigt, thematisiert er den nicht explizit", sagt Professor Piske. Stattdessen versuche er, über das eigene Sprechen die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie die Äußerung richtig gebildet wird. Doch nicht alle Schüler kommen mit dem "bili-Unterricht" zurecht. Das könne sich zum Beispiel daran zeigen, dass sie im Sachunterricht hinterherhinken, erklärt Professor Mentz. "Die Bildungspläne des bilingualen Unterrichts sind so konzipiert, dass es die Möglichkeit gibt, problemlos in die deutschen Züge zu wechseln."

Was bilingualer Unterricht bringt

Grundschüler in "bili-Klassen" sprechen die Fremdsprache bereits nach dem ersten Schuljahr relativ flüssig, sagt Professor Piske. "Am Ende der vierten Klasse können sie sich in der Regel frei über alle altersgemäßen Themen unterhalten." Theoretisch könnten sie deshalb in der fünften Klasse problemlos mit der zweiten Fremdsprache beginnen. Und auch das Deutsch leide nicht. Die Ergebnisse der DESI-Studie zeigen, dass Schüler in bilingualen Klassen in der Fremdsprache eine deutlich höhere Kompetenz erwerben als Altersgenossen in Regelklassen. Im Hörverstehen lernten sie pro Schuljahr sogar doppelt so viel dazu, sagt Rossa, der an der Studie mitarbeitet. Und die Sorge vieler Eltern, ihr Kind könne wegen des "bili-Unterrichts" in den Sachfächern weniger lernen, sei unbegründet, ergänzt Professor Mentz. Viele Studien deuteten darauf hin, dass die Kinder genauso viel wissen wie ihre Mitschüler in Regelklassen.

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