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Schulangst  

Jeden Morgen Angst und Panik

09.07.2010, 13:04 Uhr | rw, dpa, t-online.de

Schulangst erkennen und richtig reagieren. Kleiner Junge wird von Mitschülern ausgelacht

Mobbing: Nur eine mögliche Ursache. (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Kennen Sie das? Die Ferien oder ein langes Wochenende nähern sich ihrem Ende und plötzlich zwickt Söhnchens Bauch oder Töchterchen hat auf einmal ganz schreckliche Kopfschmerzen. Der Sprössling will nicht in die Schule. "Guter Versuch, aber nicht mit mir", denken sich da viele Eltern und schicken die Möchtegern-Schulschwänzer trotzdem zum Unterricht. Aber Achtung: das Verhalten kann auch auf eine ernstzunehmende Schulangst hindeuten. Und auf die sollten Eltern richtig reagieren.

Mal keinen Bock ist noch keine Schulangst

Klar, Kinder haben manchmal keine Lust auf Schule. Sie verstehen sich mit einem bestimmten Lehrer nicht so gut, haben für ein Fach die Hausaufgabe nicht erledigt oder sind auf einen Test nicht vorbereitet. Wenn aber schon der bloße Gedanke an Schule oder ein bestimmtes Fach Ängste auslöst, sollten Eltern alarmiert sein und nachforschen. Denn die meisten Kinder gehen insgesamt ganz gerne in die Schule. Ist dies nicht der Fall hat das meist Ursachen, die Eltern ernst nehmen müssen.

Zu unterscheiden, wann aus einer einfachen Unlust auf Schule echte Schulangst wird, fällt oft schwer. "In den wenigsten Fällen kommen Eltern oder Lehrer zu uns mit der Aussage 'Das Kind hat Schulangst', sondern eher mit dem Beschreiben von diffusen Symptomen", beschreibt Ronald Hoffmann von der Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstelle (REBUS) der Hamburger Schulbehörde seine Erfahrungen. Gibt es Hinweise auf eine Schulangst, werde geklärt, ob sie sich auf einzelne Erlebnisse bezieht oder umfassender ist.

Kinder ernst nehmen und stärken

"Ganz wichtig ist es, die Ängste des Kindes nicht abzutun", appelliert Hoffmann an die Eltern. Gibt es einen konkreten Anlass für die Angst, zum Beispiel gewalttätige Mitschüler, helfen Sätze wie "Dann geh denen doch aus dem Weg" nicht weiter. Denn das sei in der Praxis oft nicht ohne Weiteres möglich. In einem solchen Fall können Eltern sich an die Schule wenden und versuchen dort für ein Problembewusstsein zu sorgen. Außerdem solle man Fachleute hinzuziehen, fordert Hoffmann. Spezielle Programme könnten helfen die betroffenen Kinder zu stärkern.

Ursachenforschung

Eine Schulphobie kann die unterschiedlichsten Ursachen haben: Angst vor schlechten Noten, ganz generelle Versagensängste oder Mobbing können hinter der Schulangst stecken, so der Psychologe. Oft hat sie aber auch Gründe, die ganz woanders zu suchen sind. Es müsse geprüft werden, ob eine Teilleistungsschwäche wie eine Lese- und Rechtschreibschwäche vorliegt oder ob das Kind schlecht sieht oder hört, meint Kinder- und Jugendpsychiater Professor Dietrich Petersen. Solche Schwächen könnten ursächlich für eine Schulangst sein. Ebenso eine andauernde Über- oder Unterforderung. "Man muss überdenken, ob das Kind auf der richtigen Schulform ist", spricht Petersen eine weitere mögliche Angstursache an.

Einen Neuanfang wagen

Wenn die aktuelle Schule als Ursache der Schulphobie ausgemacht wird, kann ein Wechsel sinnvoll sein. Woanders einen Neuanfang zu wagen, kann helfen, Ängste beim Kind abzubauen und an der neuen Schule wieder Spaß am Lernen zu gewinnen. Allerdings ist ein Schulwechsel während des laufenden Halbjahrs nicht unproblematisch. "Es kann sein, dass die neue Klasse die Themen in einer anderen Reihenfolge durchnimmt - und man dadurch Stoff aufholen muss", gibt Andrea Schwermer von der Kultusministerkonferenz in Berlin zu bedenken. Besser sei ein Schulwechsel zum neuen Schul- bzw. Halbjahr.

Wird ein Kind aber konsequent gemobbt, kann auch ein schneller Schulwechsel sinnvoll sein. Ist das Mobbing-Problem der Schule bekannt und verändert sich trotzdem nichts an der Situation, sollte zügig reagiert werden, rät Schulpsychologe Stefan Drewes. "Dann muss man sich nicht noch länger Gedanken machen, sondern kann endlich neu beginnen", spricht sich der Experte für einen klaren Schnitt auch während eines laufenden Halbjahres aus.

Ins kalte Wasser werfen

Sind äußere Faktoren als Ursache der Schulphobie ausgeschlossen, muss genauer nachgeforscht werden. Viele betroffene Kinder haben einfach einen ängstlicheren Charakter. Erste Anzeichen dafür werden oft schon im Vorschulalter sichtbar. Das Kind hat Angst vor Gruppen oder möchte nicht in den Kindergarten gehen. Wichtig ist dann für Eltern, keine Vermeidungsstrategie zu fahren. Im Einzelfall ist es vielleicht bequemer, das Kind einfach zu Hause zu lassen, aber dadurch werde das Problem nur noch verstärkt. "Es werden keine Erfahrungen gemacht und das einzige, was hilft, ist die positive Erfahrung, angstbesetzte Situationen gemeistert zu haben", weist Psychiatrie-Professor Petersen einen Weg aus der Angst.

In dieselbe Kerbe schlägt der Essener Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Johannes Hebebrand. Auch wenn das Kind morgens heftig weine - ein häufiges Symptom bei einer Schulphobie - sollte es einem Lehrer oder Mitschüler übergeben werden, rät der Experte. Das möge hart klingen, aber ein klarer Schnitt sei unbedingt notwendig. "Oft ist die Angst nach zehn Minuten vorbei, und der Rest des Tages läuft gut", berichtet Hebebrand von seinen Erfahrungen. Eltern, denen die nötige Härte fehlt, rät er, ihr Kind von einem Bekannten in die Schule bringen zu lassen.

 

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