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Schule  

Homo-Eltern in niederländischen Schulbüchern

10.08.2010, 09:24 Uhr | dpa

Homo-Eltern in Hollands Schulbüchern. Junge liest in seinem Englisch-Schulbuch.

In Zukunft soll es in niederländischen Schulbüchern auch homosexuelle Figuren geben. (Bild: imago)

Einst haben sie als weltweit erste die Homo-Ehe und die Adoption von Kindern durch schwule und lesbische Paare erlaubt. Nun gehen Niederländer einen logischen Schritt weiter: In Schulbüchern kommen künftig auch homosexuelle Eltern vor. Nicht jeder ist begeistert.

Papa und Papa kaufen ein Meerschweinchen. Die Zoohandlung gibt auf den Preis von 17,95 Euro einen Rabatt von 20 Prozent. Wie viel müssen Jans Väter bezahlen? So oder ähnlich werden künftig Aufgaben in niederländischen Mathematik-Lehrbüchern lauten. Auch in Erdkunde, Fremdsprachen und anderen Fächern soll an niederländischen Schulen nicht mehr an der Realität homosexueller Paare und Eltern vorbeiunterrichtet werden.

Mama, Papa, Kind: "Das geht doch auch anders"

Schulen müssten endlich auch Homo-Ehen als Selbstverständlichkeit behandeln, forderte Eberhard van der Laan. Der 55-jährige Vater von fünf Kindern ist Bürgermeister der Stadt Amsterdam, die sich wegen ihrer vielen Kanäle nicht allein als "Venedig des Nordens", sondern auch als Schwulen-Metropole der Welt touristisch vermarktet. Seinen Aufruf hat jetzt der größte Schulbuchherausgeber des Landes aufgegriffen.

"Lehrbücher sind immer mit unserem Alltag verbunden", sagt Frans Grijzenhout, der Direktor des Verlages Noordhof Uitgeverij. "Wenn es in Lesebüchern zum Beispiel um den Familienurlaub geht, sieht man auf Zeichnungen Kinder mit Vater und Mutter. Das geht doch auch anders."

Gegen eine nachlassende Toleranz

Künftig wird bei der Gestaltung von Noordhof-Schulbücher darauf geachtet, dass die gesellschaftliche Realität von Papa-Papa- sowie Mama-Mama-Familien angemessen widergespiegelt wird. Längst seien doch auch muslimische Mädchen mit Kopftüchern oder andere Repräsentanten fremder Kulturkreise in Lehrbüchern zu finden, sagt Grijzenhout. "Auf ähnliche Weise machen wir für Kinder auch Homosexualität erkennbar."

Die Niederländische Vereinigung für die Integration von Homosexuellen (COC) reagierte begeistert. Schon längst hätte man Schluss machen müssen mit der "Hetero-Normativität in Schulbüchern". Mit Sorge beobachtet die COC vielerorts in den Niederlanden "eine nachlassende Toleranz gegenüber Homosexuellen".

Die Fröhlichkeit bei Schwulenparaden könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Angriffe auf Homosexuelle zugenommen habe. Selbst in Amsterdam berichten Homo-Paare, dass sie sich weniger sicher fühlen als früher. Die Täter sind oft Jugendliche aus muslimischen Einwandererfamilien. Umso wichtiger sei es, dass schon in Schulbüchern "Männer-Paare und Frauen-Paare als etwas ganz Normales dargestellt sein werden", heißt es bei der COC.

Wer die "Homo-Figuren" ablehnt

Ganz bestimmt werden nicht alle Schulbücher betroffen sein. Strenggläubige Calvinisten lehnen "Homo-Figuren" im Lehrmaterial ihrer Kinder ebenso energisch ab wie konservative Katholiken. "Der Schule darf nicht die Homo-Emanzipation aufgezwungen werden", forderte das "Reformatorisch Dagblad", die wichtigste Zeitung orthodox-protestantischer Christen in den Niederlanden. Und die Vereinigung für christlich-reformierte Bildung (VGS) machte klar, dass es an den mit ihr verbundenen Einrichtungen auf keinen Fall "Homo-Schulbücher" geben werde.

Märchenhochzeit von zwei Prinzen

Ganz neu ist der Versuch, schon Kinder mit Büchern auf die Realität gleichgeschlechtlicher Beziehungen vorzubereiten, freilich nicht. Vor zehn Jahren machte die niederländische Autorin Linda de Haan mit dem Bilderbuch "Koning & Koning" (König & König) Furore. Da will ein schwuler Thronfolger einfach keine Prinzessin heiraten, aber trotzdem König werden. Am Ende kommt es zur Märchenhochzeit von zwei Prinzen, die sich Treue geloben und miteinander glücklich werden.

Im toleranten Königreich der Niederlande wurde "Koning & Koning" ein Bestseller. In den USA gab es Klagen und Prozesse. Eltern verlangten, das Kinderbuch zu verbieten oder zumindest aus den Bibliotheken zu entfernen - bis schließlich 2007 ein Bundesrichter dem Treiben mit der Begründung ein Ende setzte, dass "Vielfältigkeit schließlich ein Markenzeichen unserer Nation" sei.

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