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Lernen: Gemeinsam, getrennt oder mal so mal so?

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Bi-Edukation  

Lernen: Gemeinsam, getrennt oder mal so mal so?

09.09.2010, 14:00 Uhr | mmh

Lernen: Gemeinsam, getrennt oder mal so mal so?. Ein Mädchen schreibt in ein Schulheft.

Lernen Mädchen ohne Jungs besser? (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Lernen Jungs anders als Mädchen? Passen Mädchen besser in unser Schulsystem? Die Meinungen gehen auseinander, ob wir eine getrennte Pädagogik brauchen oder ob Jungs und Mädchen gerade voneinander und miteinander lernen sollen. Pädagogen streiten immer wieder über dieses Thema und Schulen testen neue Modelle: Gemeinsames Lernen oder getrennter Unterricht. Was ist dran am geschlechterspezifischen Unterricht? Stimmen Sie ab in unserem Voting: Das ist die ideale Lernform für Mädchen und Jungs.

Jungs lernen anders als Mädchen

Zack - da fliegt der Bleistift in die Ecke. Leo ist völlig frustriert: "Die Mädchen werden immer gelobt, die können das alles schon, ich schaff das nie!" Die neunjährige Caroline ist auch wütend, die Drittklässlerin regt sich mal wieder über die prügelnden Jungs aus ihrer Klasse auf. "Bin ich froh, dass mir das erspart geblieben ist!", stöhnt Annette (39). Die Mutter von Leo und Caroline besuchte die ersten vier Jahre eine reine Mädchenschule, sie hatte damals keine andere Wahl, denn in ihrem Heimatort gab es nur diese eine, von Klosterfrauen geführte Grundschule für Mädchen. Ihre Brüder gingen auf eine staatliche Jungenschule.

Annette ist sich sicher: Jungs und Mädchen lernen unterschiedlich und sie verhalten sich in der Schule auch so. Die ehrgeizige Caroline, die jeden Tag Fleißbienchen sammelt und der wilde Leo, der nicht verstehen will, warum er still sitzen muss, der Eselsohren in den Arbeitsblättern hat, der Ausmalen hasst, der noch nie eine Fleißaufgabe freiwillig gemacht hat - der aber trotzdem super intelligent ist.

Annette prallte erst in der fünften Klasse auf das andere Geschlecht, also direkt vor dem Eintritt in die Pubertät. Man war nicht wirklich aneinander gewöhnt, rote Köpfe und Unsicherheiten im Umgang miteinander waren an der Tagesordnung. War das wirklich besser?

Verschiedenste Modellversuche

Es gibt immer noch Schulen, die auf getrennte Erziehung setzen, aus Tradition oder Überzeugung. Und es gibt Schulen, die in bestimmten Fächern wie Sport und Physik trennen. Es gibt aber auch Schulen, die ihre lang bewahrte Tradition der Trennung plötzlich aufgeben, oft nicht aus Überzeugung, sondern wegen Schülermangels. Manche Schulen testen Kooperationen: Getrennte Schulen unter einem Dach, AGs oder Tanzkurs gemeinsam. Andere Schulen entwickeln sich zu "Mädchenschulen" weil überwiegend Mädchen musische Schwerpunkte wählen.

Irgendwann passte es nicht mehr in unsere moderne Gesellschaft, Mädchen und Jungs in getrennte Schulen zu schicken. Selbst Klosterschulen mussten sich dem Druck verschiedenster pädagogischer Reformen beugen und ihre Geschlechtertrennung aufgeben, außer sie konnten als private Schule einen Sonderweg gehen. Koedukation oder Bi-edukation heißt das gemeinsame Unterrichten. Kritiker sagen, diese Form würde beide Geschlechter unterfordern, keinem gerecht werden. Befürworter sind dagegen überzeugt, koedukativ geprägte Kinder könnten sich besser anpassen, soziales Lernern würde gefördert. Beide Seiten nutzen gerne das Argument der Diskriminierung: Die einen fordern gleichen Zugang für alle, die anderen fordern, die spezifischen Bedürfnisse in getrennten Einrichtungen zu erfüllen.

Jungs sind frech, Mädchen sind fleißig?

Das Clara-Fey-Gymnasium in Bonn bricht mit seiner gut 100jährigen Tradition als reine Mädchenschule: Als erste Schule in Nordrhein-Westfalen werden dort jetzt Mädchen und Jungs getrennt, aber unter einem Dach unterrichtet. Aber AG's und Schulveranstaltungen bleiben Gemeinschaftsereignisse. Und das an einer Schule, die einst als eine Hochburg für reine Mädchenerziehung galt. Erst seit 2008 / 2009 dürfen Jungs das Gymnasium besuchen. Direktorin Birgit Heinen war immer überzeugt von den Vorteilen der Mono-Edukation: keine pubertären Rollen-Konflikte in den Klassen, stärkeres Selbstbewusstsein der Mädchen, anderes Herangehen an "männliche" Fächer wie Physik oder Mathe. Und plötzlich stellt sie ein Konzept zur Bi-Edukation vor: Im September 2008 begannen 30 Jungs mit 90 Mädchen im fünften Jahrgang. Mädchen und Jungs werden von der fünften bis zur neunten Klasse getrennt unterrichtet. In der Oberstufe des G8 lernen sie dann gemeinsam für das Abi. Vorteil: So umgeht man die anstrengenden Pubertäts-Spielchen. Die Kids konzentrieren sich auf das Lernen und haben trotzdem unverkrampft in den Arbeitsgruppen Kontakt zum anderen Geschlecht.

In der Oberstufe wird gemeinsam für das Leben geübt, schließlich lernt und arbeitet man im Job und an der Uni auch gemeinsam. Ist das die perfekte Mischung?

Klischees und Fakten

Wir alle kennen die Klischees: Jungs haben ADHS, ihre Hausaufgaben sind schlampig und lückenhaft, sie können nicht still sitzen und sind frech und denken es ist cool. Mädchen sind ehrgeizig, sammeln Fleißpunkte und wollen den Lehrern gefallen. Dieses Klischees treffen natürlich nur teilweise zu. Diese Verhaltensmuster bedeuten auch Stress für die Kinder, die nicht dem Klischee entsprechen.

An dem Bonner Gymnasium reagiert man. Taten der Direktorin des Clara-Fey-Gymnasiums in Bonn die Jungs vielleicht einfach leid? Fakt ist: Mädchen überholen die Jungs auf ganzer Linie. Sie haben bessere Noten, schneiden in der Ausbildung und an der Uni besser ab und das auch noch in schnellerem Tempo. Haben wir also eine Jungs-Krise? Schuld sei die Dominanz der Grundschullehrerinnen und Erzieherinnen heißt es oft, die männlichen Vorbilder würden fehlen. Das Schulsystem sei ungerecht zu den Jungs, da es von Frauen für Mädchen gemacht sei. Die Folge: Jungs sind frustriert und das macht aggressiv. Was man dabei gerne vergisst: Mädchen fressen Probleme in sich hinein, bekommen Ess-Störungen und Depressionen. Wohlgemerkt, das sind die Extreme. Also: Im Extremfall haben es beide Geschlechter schwer.

Es geht immer um Aufmerksamkeit

Alle wollen beachtet werden. Jungs sind laut, damit sie Aufmerksamkeit bekommen, auch wenn die in Schimpfen und Bestrafen besteht, Mädchen sind fleißig, wollen für ihre Leistung gelobt werden. Was ist besser?

Pädagogen und Mediziner wissen um diese Verhaltensmuster und Tendenzen:

  • Jungs wollen ständige Präsenz des Lehrers, sie brauchen Beachtung und Nähe des Lehrers.
  • Jungs müssen sich immer messen, sie sind ständig im Wettstreit.
  • Der Bewegungsdrang von Jungs ist kaum zu bändigen. Sie brauchen im Unterricht Abwechslung. In den Pausen müssen sie toben dürfen
  • Jungs handeln Regeln aus, an die sie sich dann auch halten. Mädchen suchen sich ihre Nischen und weichen gerne aus.
  • Mädchen haben "Zickenkriege", Jungs balzen und kämpfen um die Position als "Platzhirsch"
  • Jungs sind schlagfertig und laut, sie wollen die Lacher auf ihrer Seite haben
  • Mädchen reden gerne, auch über Gefühle, sie können sich in andere hinein versetzen. Jungs überspielen das und wollen cool sein.
  • Im Gehirn der Jungs ist die rechte Gehirnhälfte, die für logisches Denken zuständig ist, meist stärker ausgebildet als die linke, die für das emotionale Denken zuständig ist

Lernkonzepte für Jungs und Mädchen

Gemeinsam, getrennt oder mal so mal so? Was ist denn nun das ideale Lernkonzept? Am Clara-Fey-Gymnasium hat man einen eigenen Weg gefunden. Wenn man weiß, wie Jungs und Mädchen ticken, kann man darauf eingehen, ob in der Schule oder zuhause bei den Hausaufgaben. Das sollten Lehrer und Eltern über den ganz eigenen Lernplan im Kopf der Kinder wissen:

  • Geschichte: Jungs diskutieren über Waffen, Feldzüge, Gladiatoren, Mädchen über die Familie im alten Rom und ihre Kleidung - so könnten Referats-Themen aussehen.
  • Fremdsprachen und Sprachkompetenz: Mädchen können den Klang einer Sprache schnell erfassen und haben eine gute Aussprache, Jungs verstehen die Grammatik-Regeln schneller. Jungs müssen das Sprechen üben, Mädchen häppchenweise Grammatikregeln lernen. Also heißt es in Förderstunden: Mädchen erhalten eine Extra-Portion Algebra, Jungs diskutieren auf Englisch über Fußball.
  • Deutsch: Mädchen schreiben schöne Aufsätze, schmücken Situationen aus und bilden lange Sätze. Jungs sagen kurz und knapp, was Sache ist. Sie lesen lieber sachliche Texte, Mädchen lieben erfundene Geschichten. Abenteuer und Fantasy-Gestalten regen die Phantasie der kleinen Jungs an.
  • Mathematik: Jungs können messen, schätzen, Räume erfassen, Mädchen auch, sie bevorzugen aber Sprachen

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