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Nachhilfe: Wann ist sie sinnvoll

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Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

20.10.2010, 15:17 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Nachhilfe: Wann ist sie sinnvoll. Junge bekommt Nachhilfe: Die meisten Schüler verbessern sich durch Nachhilfe deutlich.

Laut Bildungsbarometer verbessern sich 90 Prozent der Nachhilfeschüler um mindestens eine Note. (Bild: imago)

Die Anforderungen an unsere Schulkinder werden immer größer und nicht zuletzt aufgrund der Arbeits- beziehungsweise Ausbildungssituation versuchen Eltern verständlicherweise ihren Kindern einen guten Schulabschluss zu ermöglichen. Doch nicht immer geht es ohne Hilfe und das kann auch sinnvoll sein. Schließlich zeigt Nachhilfe Erfolg. Über 90 Prozent der Schüler verbessern sich um ein bis zwei Notenstufen, so das Ergebnis des neuesten Bildungsbarometers.

Nachhilfe wird vor allem in den oberen Klassen genutzt

Das Bildungsbarometer wird erstellt vom "Zentrum für empirische pädagogische Forschung" (zepf) der Universität Koblenz-Landau. „Nachhilfeunterricht ist erfolgreich“, bilanziert der geschäftsführende Leiter, Professor Dr. Reinhold Jäger. "Er erfüllt - auch durch seine positive Wirkung - eine wichtige Funktion im Bildungssystem. Nachhilfe ist damit ein wichtiges Stützsystem zur Wahrung der Chancengerechtigkeit, wenn Schule die Förderung nicht selbst leisten kann." Rund die Hälfte aller Schüler nimmt irgendwann zwischen der siebten und zehnten Klasse Nachhilfe in Anspruch, der Großteil deswegen, weil es Lern- beziehungsweise Verständnisschwierigkeiten gibt oder gar die Versetzung gefährdet ist. Sollten die Noten allerdings dauerhaft schlecht sein, dann muss man nach den Gründen suchen und eventuell auch einen Schulwechsel in Betracht ziehen. Denn Nachhilfe wird keinen Nutzen haben, wenn die eigentlichen Probleme woanders liegen. Hier gilt es nach den Ursachen zu forschen.

Später, in den Abschlussklassen, verschiebt sich übrigens der Grund für eine Inanspruchnahme von Nachhilfe. Jetzt geht es den meisten darum, eine möglichst gute Abschlussnote zu erhalten. Übrigens wird Nachhilfe, das zeigt die Statistik, selten in zwei Fächern in Anspruch genommen. Meist ist es nur eins, wobei die Mathematik hier die Nase deutlich vorne hat. Sind die Leistungen in mehreren Fächern konstant schlecht, könnte das ein Indiz für eine generelle Überforderung sein.

Nachhilfe kann teuer werden

Nicht jeder kann sich eine Nachhilfe so einfach leisten. Immerhin fließen deutschlandweit jährlich mehrere Milliarden Euro in den Markt. „Ein Zauberwort in diesem Kontext ist Private-Public-Partnership“, so Professor Jäger. „Man versteht darunter die Zusammenarbeit von Unternehmen aus dem privaten Sektor mit Institutionen des Staates - hier den Schulen.“ Dazu könnte unter anderem das Einbeziehen externer Nachhilfeunternehmen in die Förderung der Kinder an den Schulen zählen, aber auch die finanzierte Nachhilfe für Kinder einkommensschwacher Eltern. In diesem Zusammenhang sind auch die so genannten Bildungsgutscheine im Gespräch. „Wir sind in Kontakt mit Bundesministerin Ursula von der Leyen und hoffen darauf, dass Hartz IV-Kinder ab 2011 eine Lernförderung erhalten. Denn gerade Chancengleichheit in der Bildung ist uns wichtig. Dafür setzen wir uns ein“, bekräftigt Andrea Heiliger vom Bundesverband der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen. Immerhin muss man für eine professionelle Nachhilfestunde im Einzelunterricht rund 20 Euro rechnen, in kleinen Gruppen sind es allemal noch zehn Euro. Viele Nachhilfeinstitute bieten aber Familienrabatte und kostenlose Probestunden an. Hier sollte man sich vor Ort genau informieren. Ob sich, mal abgesehen vom Preis, Einzel- oder Gruppenunterricht besser für das Kind eignet, ist individuell. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass ein Einzelunterricht effektiver ist, da er genau da ansetzen kann, wo es notwendig ist. „Das A und O ist die individuelle Förderung. Jedes Kind hat andere Stärken und Schwächen. Diese müssen genau analysiert werden und die Lernangebote müssen auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sein.“

Nachhilfe lebt vom Erfolg

Ein Nachhilfelehrer, dem es nicht gelingt, den Schüler zu verbessern, kann und wird ausgetauscht werden. Manchmal ist das notwendig, denn die Qualität der einzelnen Anbieter ist sehr unterschiedlich und gelegentlich stimmt auch einfach die Chemie zwischen dem Nachhilfelehrer und seinem Schüler nicht. Rund 4000 Nachhilfeschulen gibt es deutschlandweit, der Marktanteil institutioneller Nachhilfe liegt bei zirka 30 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Lehrer, Studenten und Schüler. Es kann durchaus sinnvoll sein, den Schulstoff von einem älteren Schüler erklärt zu bekommen. Vorausgesetzt, dieser ist in der Lage, das Wissen angemessen zu vermitteln. Manch einer stellt sich hier als didaktisches Naturtalent heraus und beide Schüler profitieren davon. Denn auch derjenige, der die Nachhilfe gibt, festigt so noch einmal sein Grundwissen und bessert ganz nebenbei sein Taschengeld ein wenig auf.

Letztendlich ist das Wichtigste an einem Nachhilfelehrer aber, dass er nicht nur fachlich kompetent ist, sondern es auch versteht, seinen Schüler zu motivieren. „Er muss“, so Andrea Heiliger, „die Lust am Lernen wecken, das Selbstbewusstsein fördern und nachhaltig wirken.“ Sie ist aber überzeugt davon , dass professionelle Nachhilfe mehr bringt. „Klar, Kinder lernen auch von älteren Geschwistern oder Schülern, die ihnen sicherlich den einen oder anderen guten Tipp geben können. Nachhilfelehrer jedoch beherrschen  viele Lerntechniken und – methoden und können diese individuell auf die Probleme des Schülers zuschneiden.“  Gewarnt wird derzeit übrigens wieder verstärkt vor fragwürdigen Nachhilfeinstituten mit abstrusen pädagogisch-didaktischen, oft auch esoterischen Methoden. Hier ist immer wieder Scientology im Gespräch. Auf der Seite des bayerischen Kultusministeriums (www.km.bayern.de/imperia/md/content/pdf/nachhilfe.pdf) findet man Kriterien, anhand derer man das in Frage kommende Institut genauer überprüfen kann. Der Ruf, der Bekanntheitsgrad und der persönliche Gesamteindruck sind hier oft schon ganz entscheidend, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Eltern sind als Lehrer oft ungeeignet

Eigentlich würde es ja naheliegen, dass Eltern, soweit sie selbst die Kompetenz besitzen, ihren Kindern bei Schulproblemen helfen. Aber das ist meist keine besonders gute Idee, da der nötige Abstand fehlt. Wenn Eltern ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen, dann heizt sich die Situation nämlich oft schnell auf, es kommt zu Auseinandersetzungen. Ein sonst gutes Verhältnis innerhalb der Familie kann durch ein Fehlverhalten der Eltern wie Ungeduld, falsche Erwartungen oder auch extremes Genervtsein ziemlich vergiftet werden. Ein Punkt, der entscheidend für die Nachhilfe spricht, denn hier ist der Ton neutral und unbelastet. Außerdem weist Andrea Heiliger auf einen weiteren Vorteil hin: „Ein Nachhilfelehrer weiß genau, was in der Schule unterrichtet wird und kennt die unterschiedlichen Methoden. Eltern hingegen erinnern sich an ihre alten Schulzeiten, verstehen die heutigen Aufgaben oft nicht, weil sie in alten Mustern denken.“

Nicht wenigen Eltern fällt es schwer, ab einem bestimmten Klassenniveau ihren Kindern angemessen zu helfen. Andere finden aufgrund beruflicher oder anderer Verpflichtungen nicht die Zeit für die Lernförderung ihres Kindes, wenn es diese am nötigsten hat. Denn Nachhilfe ist nicht sinnvoll, wenn man sie dauernd braucht. Stattdessen sollte man sie dann nutzen, wenn das Kind zum Beispiel durch Krankheit einen Teil des Stoffes verpasst hat, wenn didaktische Defizite bei der Person des Lehrers liegen oder wenn es aus anderen Gründen aktuell Verständnisschwierigkeiten gibt. So kann man verhindern, dass der Schüler in eine Schleife gerät, aus der er nur schwer wieder herauskommen kann. Schließlich baut der Schulstoff aufeinander auf und wenn entscheidende Bausteine fehlen oder ziemlich wackeln, dann wird es schwierig, erfolgreich einen Turm zu bauen.

Richtig genutzt ist Nachhilfe eine gute Ergänzung zu unserem Schulsystem

Einen Nachhilfelehrer findet man auf den verschiedensten Wegen. Anzeigen in der Zeitung, Institute vor Ort, Anbieter im Internet - hier gibt es viele Möglichkeiten. Bewährt hat sich allerdings eine althergebrachte Methode: das Profitieren von den Erfahrungen anderer, die Mund-zu-Mund-Propaganda. Eventuell kommt für das Kind auch eine Sprachreise oder eine auf die Ferien begrenzte Nachhilfe, die es auch mit Unterkunft gibt, in Frage. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten.

In Deutschland hat Nachhilfe immer noch, und zwar völlig zu Unrecht, einen üblen Beigeschmack. Immer wieder hört man das Argument, dass Schüler, die bei einer anderen Schulform besser aufgehoben wären, damit zum Beispiel durch Realschule und Gymnasium "gepeitscht" werden. In anderen Ländern sieht man das gelassener. Schließlich ist Nachhilfe, wenn sie richtig genutzt und vom Schüler positiv angenommen wird, eine gute Ergänzung zur Schule.

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