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Grundschule: Islam-Unterricht in Niedersachsen

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Grundschule: Islamunterricht in Niedersachsen

16.11.2010, 14:41 Uhr | dapd

Vor dem Fenster des Klassenzimmers mit Blick auf eine Pferdekoppel lauscht der sechsjährige Ibrahim der Geschichte von Elmar, dem bunten Elefanten. Der Erstklässler nimmt zusammen mit seinen muslimischen Mitschülern am Unterrichtsfach Islamische Religion (UIR) an der Ratsschule Berenbostel im niedersächsischen Garbsen teil. Die Grundschule gehört zu 42 Modell-Grundschulen in Niedersachsen, an denen UIR seit 2003 im Schulversuch angeboten wird. Wann das Fach aber an alle 1800 Grundschulen des Landes kommt, steht in den Sternen.

Mit Vorurteilen aufräumen

In dem kleinen Klassenzimmer erinnert nichts an einen sozialen Brennpunkt, obwohl Garbsen mit seinem besonders hohen Anteil an muslimischen Migranten als solcher gilt. "Der bunte Elmar soll den Kindern vermitteln, dass jeder Mensch in seiner Einmaligkeit ein von Gott geliebtes Wesen ist", sagt Islamlehrerin Yesim Aslangeciner. Die Unterrichtssprache von UIR ist Deutsch. "Gott und Allah: Ich verwende wahlweise beide Begriffe", fügt die 29-Jährige hinzu.

So will sie den Schülern nahebringen, dass Muslime, Christen und Juden an ein und denselben Gott glauben. Die Erstklässler sollen verstehen, dass der Islam gleichberechtigt neben den anderen Religionen steht, aber nicht über ihnen. Denn das sei ein Vorurteil, dem noch zu viele Muslime anhingen, sagt Aslangeciner, deren Familie aus der Türkei stammt.

Schulleiterin Cordula Mahlow ist froh, dass UIR an der Ratsschule Berenbostel angeboten werden kann. "Das Fach wird von Schülern und Eltern sehr gut angenommen", sagt die 48-Jährige. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund liege an der Schule weit über 50 Prozent, die meisten davon Muslime. Für Mahlow hat sich der Schulversuch bewährt.

Landesweite Einführung scheitert an erstarrten Positionen

Dennoch scheint die reguläre Einführung von UIR in Niedersachsen auch nach sieben Jahren noch in weiter Ferne. Sie scheitert bisher an dem Problem, dass es im Islam keine den christlichen Kirchen vergleichbare repräsentative Organisation als Partner des Staates gibt.

Das Kultusministerium in Hannover will die Inhalte von Lehrplan und Schulbüchern für den Religionsunterricht nur mit einer religiösen Körperschaft abstimmen, die alle Muslime vertreten soll. Aber in Niedersachsen wollen mit dem Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura) und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) zwei große islamische Landesverbände mitsprechen.

"Es ist dem Staat zumutbar, das Unterrichtsmaterial mit zwei Partnern abzustimmen, die das gleiche Anliegen haben", sagt Aiman Mazyek. Er ist Vorsitzender der Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), der das Geschehen in Niedersachsen beobachtet. Schließlich biete das Land auch einen konfessionsübergreifenden christlichen Religionsunterricht an, wo der Staat mit der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ebenfalls zwei Partner habe. Die Positionen scheinen erstarrt, die Lage ist seit sieben Jahren festgefahren.

Imame dürfen an deutschen Schulen nicht unterrichten

Dabei lässt der Modellversuch vor Ort durchaus hoffen. "Die Ratsschule Berenbostel hat mit Yesim Aslangeciner einen Glücksgriff gemacht", sagt Schulleiterin Mahlow. Aslangeciner hat in Hildesheim Grundschullehramt studiert und nebenbei sechs Semester islamischen Religionsunterricht in Osnabrück belegt. Damit ist die 29-Jährige für ihre Aufgabe perfekt qualifiziert. Denn anders als im christlichen Religionsunterricht, wo auch Geistliche unterrichten, darf UIR nur von ausgebildeten Lehrern gegeben werden.

Dies liege daran, dass der Islam keine den christlichen Kirchen vergleichbare pädagogische Unterrichtskultur hat, sagt Aslangeciner. "Ich kann einen Imam aber in den Unterricht einladen", fügt sie hinzu. Derzeit unterrichten 29 islamische Religionslehrer etwa 2400 Schüler an den 42 Modell-Grundschulen. In ganz Niedersachsen gibt es jedoch rund 1800 Grundschulen, für die bei einer regulären Einführung entsprechend mehr Lehrkräfte benötigt würden.

"Aber der Elmar ist jetzt doch gar nicht mehr bunt", platzt es aus Ibrahim heraus. In der Geschichte wurde der bunte Elefant gerade mit grauem Beerensaft überschüttet. Nun sieht er genauso grau aus wie alle anderen Dickhäuter. Der Sechsjährige habe die Botschaft verstanden, dass religiöse und kulturelle Vielfalt wichtig und wünschenswert ist, lobt die Lehrerin ihren Schüler.

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