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Luxus-Gymnasium am Ammersee: 21 Millionen für eine staatliche Schule

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Gymnasium  

Staatliches Luxus-Gymnasium für 21 Millionen

16.12.2010, 10:35 Uhr | rw, dpa

Luxus-Gymnasium am Ammersee: 21 Millionen für eine staatliche Schule. Das Ammersee-Gymnasium: "Keine 08/15-Schule". (Bild: dpa)

Das Ammersee-Gymnasium: "Keine 08/15-Schule". (Bild: dpa) (Quelle: dpa)

Der Zustand von staatlichen Schulen in Deutschland lässt vielerorts arg zu wünschen übrig. Der Putz blättert von der Wand, durch die Fenster zieht es, die Heizung fällt regelmäßig aus. Ganz anders sieht es da im Ammersee-Gymnasium aus: Für deutlich über 21 Millionen Euro hat der Staat einen echten Prachtbau in die malerische oberbayrische Landschaft gesetzt. In der Gemeinde Dießen am Ammersee mit nicht einmal 10.000 Einwohnern entstand ein Luxusgymnasium mit Seeblick und eigener Bahn-Haltestelle.

Luxus-Gymnasium in nobler Umgebung

Der gewaltige Balkon des Gymnasiums gleicht einer überdimensionalen Veranda, und wenn Schulleiter Klaus Rechenberger die Augen gezielt fixiert, dann sieht er sogar die Umrisse der Villen auf der anderen Seite des Ammersees. Die Schule und die einige hundert Meter entfernten Häuser haben eines gemeinsam: Sie liegen in exponierter, luxuriöser Lage und erlauben 365 Tage im Jahr außergewöhnliche Aussichten. Nur, dass sich die Villenbesitzer ihren Prunk teuer erkaufen mussten, der prachtvolle Schulneubau aber vom Staat finanziert wurde.

Ein Gymnasium wie aus einer anderen Welt

Überall im Bundesgebiet geht ein Trend hin zur Privatschule. Immer mehr Eltern verlieren das Vertrauen in die staatlichen Bildungseinrichtungen. Auch die Leser des Eltern-Portals von t-online.de ärgern sich über die Qualität des deutschen Schulwesens. Einer der Hauptkritikpunkte: die schlechte Ausstattung der Schulen. Undichte Dächer und Fenster, abgewetzte Fußböden, kaputte Heizungen und ein sich langsam von den Wänden lösender Putz sind an staatlichen Schulen inzwischen mehr Regelzustand als Ausnahme. Über elf Prozent der gut 35.000 Nutzer, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sahen hier das drängendste Problem des Schulwesens überhaupt. Wer sich am Ammersee-Gymnasium umsieht, glaubt sich in einem anderen Land, gar in einer anderen Welt.

Sagenhafte Rahmenbedingungen für ein staatliches Gymnasium

Wo früher nur grüne Wiese war und im Frühjahr höchstens mal Kühe grasten, steht an der Dießener Ortseinfahrt seit inzwischen knapp vier Jahren das futuristische weiße Hauptgebäude der Schule. Von weitem wirkt der Bau wie ein geerdetes Raumschiff, das so recht nicht in die sonst noch ziemlich naturbelassene Umgebung am Westufer des Sees passen will. Der großzügige Flur des Gymnasiums ähnelt einem Bootssteg, der den Parkplatz im Osten mit der Regionalbahn-Station im Westen am Ufer verbindet. Wie Schiffe am Steg liegen die Gebäudekomplexe mit allen Klassenzimmern und Fachräumen rechts und links des langen Flures.

Die Schule verfügt über diverse Extras: Rasensportplatz, Laufbahn, Allwetterplatz mit Basketballkörben und Fußballtoren, Sporthalle, Mensa mit eigener Küche, Schulimkerei. Über eine eigene Regionalbahn-Station ist "das schönste Gymnasium des Freistaats", wie Bayerns ehemaliger Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) die Schule einst nannte, an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. An diesem Ort herrscht noch echter Wohlstand. Probleme, die der aus Berlin kommende Klaus Rechenberger aus seiner ehemaligen Heimat kennen dürfte, sind hier nicht existent. Das Ammersee-Gymnasium ist alles andere als eine Brennpunktschule, wie es sie in der Bundeshauptstadt zuhauf gibt. Der Migrantenanteil liegt bei unter einem Prozent, soziale Probleme und Brennpunktschulen kennen die Schüler, wenn überhaupt, nur aus ihrer Zeitungslektüre für den Politik-Unterricht.

Die Schüler empfinden ihr Gymnasium als ganz normal

Wo andernorts Schuldächer undicht sind oder die Kinder mit Daunenjacken in ihren zugigen Klassenzimmern sitzen, ist am Ammersee die größte Sorge, wie man die schöne, weiße Außenfassade weiß halten kann. "Gebäude altern, das kann man nicht ändern. Vielleicht war der Architekt ein bisschen kühn, die Fassade komplett weiß zu halten", meint Schulleiter Rechenberger. Tatsächlich haben sich in den vier Jahren Schulbetrieb bereits feine Risse im Gemäuer gebildet, in denen sich Schmutz und Schlamm festsetzen.

Für die Schüler des Ammersee-Gymnasiums ist ihre Schule nichts Außergewöhnliches. "Eine schöne Schule haben wir, aber jetzt auch nichts wahnsinnig Besonderes", sagt Unterstufler Daniel, der die nickende Zustimmung einiger seiner Klassenkameraden erhält. Sie sind in einer wohlhabenden Region aufgewachsen. Viele gehen seit Bestehen der Schule auf das Luxusgymnasium und haben die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen als Standard. Sie kennen es gar nicht anders. Wie sehr sich ihre Schule sich vom Durchschnitt im restlichen Deutschland unterscheidet, ahnen sie nicht einmal.

Wachsende Ungleichheit der Schulen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) führt die wachsende Ungleichheit der Schulen einzelner Regionen vor allem darauf zurück, dass die Kosten für Bau und Instandhaltung auf die Kommunen zurückfallen. So werde es finanzschwachen Städten und Gemeinden unmöglich gemacht, überhaupt nur an derartig moderne Schulen wie etwa am Ammersee zu denken. "Würden die Sachkosten auch vom Land getragen, könnten flächendeckend zumindest vergleichbare Standards an Schulen durchgesetzt werden", so Elke Hahn, Geschäftsführerin der Bayrischen GEW. Die Bundesländer aber kommen nur für die Gehälter der Lehrer auf.

Bereits weitere Investitionen geplant

Des einen Leid ist des anderen Freud. Die Schüler des Ammersee-Gymnasiums profitieren von ihrem gut betuchten Umfeld. Kommendes Jahr soll auf dem Schulhof ein neuer Brunnen entstehen. Das Geld dafür, immerhin ein sechsstelliger Euro-Betrag, kommt aus den Töpfen einer Stiftung, sowie der Europäischen Union und steht schon bereit. Die Planungen sind soweit abgeschlossen. Feine Wasserstrahlen werden bald kunstvoll über einen verstellbaren Fühler in eine löffelartige Schale geschossen. Nachts wird die Installation optisch reizvoll beleuchtet.

"Das Ammersee-Gymnasium ist keine 08/15-Schule"

Der projektverantwortliche Künstler Robert Kessler scheint der richtige Mann für das Brunnenprojekt zu sein. In der Vita auf seiner Homepage lässt er sich als "außergewöhnlichen Künstler" charakterisieren. Das Attribut lässt ihn wie berufen erscheinen für die Arbeit auf dem Schulgelände. Denn außergewöhnlich ist diese Luxusschule sicher auch. Das sieht auch der stellvertretende Schulleiter Georg Büttner so: "Das Ammersee-Gymnasium ist keine 08/15-Schule, sondern schon etwas Einzigartiges." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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