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Fehlende Hortplätze: Auch Ganztagsschulen lösen das Problem nicht

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Ganztagsschulen lösen die Hortproblematik nicht

03.05.2011, 11:54 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Fehlende Hortplätze: Auch Ganztagsschulen lösen das Problem nicht. Wohin nach der Schule? Auch Ganztagsschulen bieten keinen Hortersatz. (Foto: dpa)

Wohin nach der Schule? Auch Ganztagsschulen bieten keinen Hortersatz. (Foto: dpa)

Das Betreuungsproblem berufstätiger Eltern ist mit dem Schulalter leider alles andere als erledigt. Grundschüler haben häufig nur bis 12 Uhr Schule, der Unterricht fällt oft aus und in den Ferien ist das Kind gar nicht in der Schule. Während die Familienministerin Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr verspricht, fragen sich viele Eltern mit Kindern im Grundschulalter, wie sie weiterhin ihren Beruf ausüben sollen. Sie haben weder Anspruch auf einen Betreuungsplatz im Hort, noch können die Kinder weiterhin in den Kindergarten gehen. Ganztagsschulen sollen die Problematik entschärfen, doch die bisherigen Konzepte greifen nicht in dem Maße, wie Eltern auf Betreuung angewiesen sind.

Hortplätze sind rar, aber wichtig

Der Hort ist zurzeit die wichtigste Angebotsform für die Betreuung von Schulkindern bis zum Alter von höchstens vierzehn Jahren, vielfach allerdings nur bis zum zehnten Lebensjahr. Im Hort werden Kinder nicht nur untergebracht in der Zeit, in der Mama und Papa arbeiten gehen müssen. Ein Hort bietet mehr: Die Kinder werden betreut, gelehrt und gefördert. Denn es gibt nicht nur ein Mittagessen und Aufsicht bei den Hausaufgaben. Die Kinder erleben Gruppenerfahrungen, bauen ihre Fähigkeiten zum Aufbau sozialer Beziehungen aus, lernen Zusammenarbeit, Freizeitgestaltung, können basteln, machen gemeinsam Sport und vieles mehr. Da in den meisten Horten die Kinder mitbestimmen dürfen, wie ihre Freizeit gestaltet werden soll, lernen sie, sich mit anderen Kinder auseinanderzusetzen, Dinge auszuhandeln und gemeinsame Ziele umzusetzen.

Kaum Zahlen bekannt

Trotz des guten Betreuungskonzepts fehlen Hortplätze in allen Regionen Deutschlands. Doch Politiker schweigen sich aus, wenn es um fehlende Betreuungsplätze geht. Wirkliche Zahlen, wie viele Familien mit Kindern im Schulalter einen Betreuungsplatz brauchen, gibt es nicht. Vereinzelt lassen sich zu einzelnen Städten Zahlen erheben. Nach Berechnungen des Gesamtelternbeirats der städtischen Kindertageseinrichtungen (GEB) in Stuttgart fehlten dort 2010 mindestens 1000 Hortplätze für Schulkinder. 2008 fehlten in Karlsruhe 260 Plätze, in Hannover über 1000, in Berlin waren es 2008 sogar mehrere tausend Plätze. Fakt ist, dass die Lücke zwischen Nachfrage nach Ganztagsbetreuung für Schulkinder und tatsächlichem Angebot immer weiter auseinander klafft, da immer mehr Familien darauf angewiesen sind, dass beide Elternteile arbeiten gehen.

Krippenausbau hindert Hortausbau

Das Paradoxe ist allerdings, dass die Betreuung im Schulkindalter zunehmend aus dem Fokus der Politiker gerät. Zurzeit werden Krippenplätze ausgebaut, um jungen Eltern die Möglichkeit zu geben, schon vor dem dritten Lebensjahr ihrer Kinder ihrem Beruf nachgehen zu können. Doch dabei werden Gelder vom Bund bewilligt, die dem Hortausbau fehlen oder die teilweise sogar für Hortplätze bestimmt waren. So wird die Betreuungsproblematik für Eltern mit Schulkindern eher größer. In den wenigsten Gemeinden sehen sich die Jugendämter in der Lage, mit den verfügbaren Haushaltsmitteln, weitere Hortplätze der steigenden Nachfrage entsprechend zu schaffen. Im Gegenteil: Horte sollen im Zuge der Ganztagsschulen teilweise sogar geschlossen werden. Der GEB merkt zu recht an, dass es zwar ein Fortschritt sei, dass Krippen- und Kindergärten ausgebaut werden, doch wenn er zur Vernachlässigung der Schulkindbetreuung führe, bleibe das politisch erklärte Ziel Familie und Beruf vereinbar zu machen, unerreicht.

Ganztagsschulen lösen Problem nicht

Ganztagsschulen sollen in vielen Bundesländern zunehmend die Horte ablösen und somit das Betreuungsproblem langfristig lösen. Doch Ganztagsschulen sind noch rar. Viele bieten auch keine ganztägige Betreuung an, wie der Name verspricht. Sigita Urdze, Mitglied in der Darmstädter Elterninitiative "1 Kind 1 Platz!, sieht das Betreuungsproblem im Schulkindalter aus vielen Gründen noch nicht gelöst. "Die meisten Ganztagsschulen entsprechen nicht den Anforderungen der Arbeitgeber“, so Urdze. Denn bei den meisten Ganztagsschulen handelt es sich um Schulen im Primar- oder Sekundarbereich I, die über den vormittäglichen Unterricht hinaus nur an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztägiges Angebot haben, das täglich sieben Zeitstunden umfasst. Doch meistens arbeiten berufstätige Eltern häufiger als drei Mal die Woche - selbst wenn sie nur eine Halbtagsstelle ausüben. Das Problem: Ganztagsschulen werden stufenweise ausgebaut. Zurzeit werden in den wenigsten Fällen Gelder für die lückenlose Betreuung zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Kritikpunkt für Urdze ist, dass das Personal an der Ganztagsschule quantitativ und qualitativ nicht vergleichbar mit dem Fachpersonal der Horte ist. Zahlen der Elterninitiative "Aktionsbündnis Runder Tisch für Vielfalt und Qualität in der Ganztagsbetreuung" belegen das: Im städtischen Hort betreut eine Fachkraft zehn Kinder, in der Ganztagsschule betreut eine Fachkraft bis zu 50 Schüler.

Schulbindung in der Kritik

Auch die Schulbindung mindert den Erfolg der Ganztagsschulen: Eigentlich hat nur eine Familie Anrecht auf einen Ganztagsschulplatz, wenn sie auch in dem Einzugsgebiet der Schule wohnt. Brauchen Eltern dringend eine Nachmittagsbetreuung und leben aber im "falschen“ Stadtteil, in dem es nur eine Normalschule gibt, müssen sie einen extra Gestattungsantrag stellen. Das Gestattungsverfahren liegt in der Hand der Schulaufsichtsbehörde, also des jeweiligen Staatlichen Schulamtes, das nach Stellungnahmen sowohl der örtlich zuständigen als auch der gewünschten Schule nach eigenem Ermessen über den Antrag entscheidet. Eine positive Entscheidung setzt voraus, dass die gewünschte Schule über die erforderlichen personellen und räumlichen Kapazitäten verfügt.

Ferienbetreuung mit garantiert

Auch die Ferienbetreuung ist im Hort einfacher und kostengünstiger als an den meisten Ganztagsschulen. Zumindest in städtischen Einrichtungen sind die meisten Horte nur an drei Wochen in den Sommerferien des jeweiligen Bundeslandes geschlossen. Ist die Gemeinde oder die Stadt groß genug, organisieren Horte und Schulämter sogar für diese Zeit einen Notdienst, so dass die Kinder, deren Eltern zu dieser Zeit keinen Urlaub nehmen können, versorgt sind. In vielen Ganztagsschulen wird zwar auch eine Ferienbetreuung angeboten, doch müssen Eltern diese meistens zusätzlich zahlen. Außerdem sind die Öffnungszeiten andere als zur Schulzeit - die Arbeitszeiten der Eltern ändern sich allerdings nicht.

Eltern haben eine Stimme 

Als vierfache Mutter hat Sigita Urdze Erfahrung mit dem Kampf um Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze. Für sie ist die Betreuungssituation in Deutschland untragbar - in allen drei Bereichen. Ihrer Meinung nach sollten Eltern "der Stadt auf den Füßen stehen“ und sich bemerkbar machen. Positiv findet sie die Entwicklung, dass sich Eltern schon früh des Problems bewusst werden und stärker als früher bereit sind, sich in Form von E-Mail-Aktionen, Demonstrationen oder Elterninitiativen für eine bessere Betreuungssituation zu engagieren. Sie empfiehlt Eltern, die keinen Kindergartenplatz bekommen, obwohl ihr Kind über drei Jahren alt ist, mit einer Klage zu drohen. In diesem Alter besteht schließlich Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Auch Briefe an den Bürgermeister und/oder das örtliche Schulamt oder der Gang an die Presse, bewirken manchmal Wunder, was die Vergabe eines Platzes in Hort, Kindergarten oder Krippe anginge. Auch auf lange Sicht haben Aktionen von einzelnen Eltern und Elterninitiativen einen Effekt für die Stadtpolitik. Man müsse die Politiker nur immer wieder an ihre Wahlversprechen erinnern und deutlich machen, dass man "stinkig“ sei, dann lasse sich auch etwas bewirken, so Urdze.

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