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Sprachlos auf dem Schulhof - Roma-Kinder

23.05.2011, 14:29 Uhr | dpa

Sprachlos auf dem Schulhof - Roma-Kinder. Froh und munter unterhalten sich die Kinder nach der Schule auf dem Pausenhof - doch was wäre, wenn sie kein Wort Deutsch sprechen könnten? (Foto: imago) (Quelle: imago)

Froh und munter unterhalten sich die Kinder nach der Schule auf dem Pausenhof - doch was wäre, wenn sie kein Wort Deutsch sprechen könnten? (Foto: imago) (Quelle: imago)

Deutschkenntnisse gleich Null: Berlins Schulen müssen derzeit hunderte Roma-Kinder integrieren. Deren Familien sind Hals über Kopf nach Deutschland gekommen - zu schlimm war die Diskriminierung in der Heimat. Dana* lernt schnell. Das deutsche Alphabet kann die 10-Jährige schon fehlerfrei aufsagen, am liebsten singt sie es laut vor. "Ja, die Kinder aus Rumänien sind alle sehr musikalisch", sagt Lehrerin Josephine Neumann und lächelt. Die 63-Jährige gibt Dana und einigen anderen Schülern der Konrad-Agahd-Grundschule in Berlin-Neukölln Sonderunterricht im Fach Deutsch.

Hunderte von bulgarischen und ungarischen Einwanderern in Deutschland

Vor kurzer Zeit konnten sich ihre Schüler nämlich noch gar nicht auf dem Schulhof verständigen: Sie gehören zu einigen hundert neu zugezogenen Roma-Kindern aus Bulgarien, Ungarn und anderen südosteuropäischen Staaten. Etliche Großfamilien flüchteten zuletzt von dort nach Berlin und in andere deutsche Großstädte.

30 Roma-Kinder in Berlin-Neukölln

Nun sind Migranten in Berlin-Neukölln nichts Besonderes, schon gar nicht an der Konrad-Agahd-Grundschule. 87 Prozent der Kinder haben dort ausländische Wurzeln, wie Schulleiterin Simone Schützmann sagt. "Allerdings sind sie meist hier geboren, haben einen bestimmten Grundwortschatz und teils schon eine Kita besucht." Als die Zahl der Roma-Kinder im November auf etwa 30 stieg, war das Kollegium überfordert. Schützmann schrieb einen dringlichen Brief an die Senatsbildungsverwaltung und das Bezirksamt: "Wir brauchten Hilfe."

Neue Lehrer für Roma-Kinder

Mittlerweile wurde im Bezirk Neukölln ein Dutzend neue Lehrer eingestellt, um die vielen neuen Roma-Kinder zu unterrichten. Im April zählte Bildungsstadträtin Franziska Giffrey (SPD) 540 Kinder aus Südosteuropa. Drei Viertel von ihnen sprechen kein Deutsch. Und der Senat erwartet weitere Zuzüge. Wie viele Roma-Familien insgesamt in der Hauptstadt leben, kann der Senat nicht sagen.

Denn nicht Ethnien würden erfasst, sondern Staatsbürgerschaften, sagt der Senatsbeauftragte für Integration, Günter Piening. Dass sich wegen des vermehrten Zuzugs die Probleme aber verschärft hätten, sei unstrittig. Ähnliche Tendenzen gebe es in Großstädten wie München oder Frankfurt/Main. Die Neuköllner Konrad-Agahd-Grundschule bekam durch einen glücklichen Zufall besondere Unterstützung für ihre Roma-Kinder.

Zwei pensionierte Lehrerinnen geben ehrenamtlich Unterrricht

Pädagogin Josephine Neumann und ihre Freundin Helga Metternich hatten im Frühjahr aus der Zeitung über diese Probleme erfahren. Gerade waren die beiden Gymnasiallehrerinnen aus Berlin-Wedding pensioniert worden, da boten sie Schulleiterin Schützmann ihre freiwillige Hilfe an. "Seitdem kommen wir zweimal die Woche nach Neukölln und geben den Kindern ehrenamtlich Sonderunterricht", sagt Neumann.

Schlimme Wohnzustände der Roma-Familien

Die 63-Jährige ist für die Roma-Kinder ein Glücksfall, weil sie selbst aus Rumänien stammt und ihre Sprache spricht. Sie besucht die Roma-Familien zu Hause und spricht mit den Eltern. "Die Wohnverhältnisse sind wirklich schlimm", berichtet Neumann. Mitunter wohnten zwölf Menschen in zwei Zimmern, es gebe kaum Möbel und für die Kinder kein Spielzeug. Die Väter seien meist arbeitslos, die Mütter "völlig überfordert" mit Erziehung und Haushalt, sagt Neumann. "Aber sie sind trotzdem voller Hoffnung. Denn in Rumänien ist die Situation noch viel schlimmer."

Misstrauen der Flüchtlinge gegenüber Behörden soll überwunden werden

Um den Roma-Familien in Berlin zu helfen, sind neben zusätzlichen Lehrern auch sogenannte Integrationslotsen im Einsatz, wie der Senatsbeauftragte Piening sagt. Sie sollen als Mediatoren insbesondere das "große Misstrauen" der Flüchtlinge gegenüber staatlichen Institutionen überwinden helfen.

Roma-Wohnungen wurden in Brand gesetzt

Die Herausforderung sei groß, aber eines sei auch klar, betont Piening: Zustände wie in Neapel, wo Roma-Wohnungen in Brand gesetzt wurden, oder wie in Ungarn, wo Roma vor rechtsextremistischen "Bürgerwehren" flüchten mussten, dürfe es in Berlin nicht geben.

Im Nationalsozialismus wurden Roma verschleppt

Angesichts der deutschen Geschichte gebe es die "Verpflichtung", den Roma so gut es eben geht zu helfen. Im Nationalsozialismus waren Roma als minderwertige "Zigeuner" verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt worden. Tausende kamen dort um. 

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