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Schweizer Lehrer lässt Schüler ausbuhen

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Vom Lehrer gedemütigt: Pädagoge lässt schwache Schüler ausbuhen

16.06.2011, 11:43 Uhr | rev, t-online.de, dpa

Schweizer Lehrer lässt Schüler ausbuhen. Psychoterror durch den Lehrer: Schüler müssen sich nicht alles gefallen lassen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Psychoterror durch den Lehrer: Schüler müssen sich nicht alles gefallen lassen. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Magazins Stern wünschen sich mehr als die Hälfte der deutschen Eltern schärfere Sanktionen an unseren Schulen. Ob ihnen dabei allerdings Psychoterror vorschwebt, wie ihn ein Grundschullehrer in der Schweiz ausübt, ist zu bezweifeln.

Unterricht mit demütigendem Pranger-System

Gute Leistungen im Unterricht werden bei ihm mit dem Applaus der Mitschüler gewürdigt. Wer hingegen schlecht ist, wird knallhart an den Pranger gestellt: Wie die Zeitung "Bote der Urschweiz" berichtet, müssen sich bei diesem Lehrer einer Schweizer Primarschule schwächere Schüler auf einen Stuhl stellen, woraufhin sie von den Klassenkameraden ausgebuht werden.

Noch schlimmer treffe es jedoch diejenigen, denen besonders grobe Fehler unterlaufen: Die "Unterrichtsversager" müssen sich angeblich auf den Boden legen und vor der gesamten Klasse weinen.

Eltern und Ärzte reagieren entsetzt

Es ist nur verständlich, dass diese Methoden unter den Eltern der Schüler blankes Entsetzen hervorriefen und dem Lehrer schwere Vorwürfe einbrachten. Auch Ärzte kritisieren die drastischen Maßnahmen des Pädagogen. Urlich Neutzler, Oberarzt beim Kinder- und Jugendpsychiaterischen Dienst Schwyz (KJPD) warnt im Schweizer "Blick": "Man muss Schulängste befürchten." Zudem begünstige der Lehrer mit seiner eigenwilligen Unterrichtsmethode auch Mobbing unter den Schülern.

Wann kann man von Mobbing durch den Lehrer sprechen?

Keine Frage, hierbei handelt es sich um einen Ausnahme- und Extremfall. Trotzdem ist auch in Deutschland Mobbing und Schikane durch den Lehrer ein Thema, das Kinder und deren Eltern beschäftigt. Klaus Sefried, Schulpsychologe aus Berlin, rät allerdings zur Vorsicht vor vorschnellen Beschuldigungen: "Mobbing liegt erst dann vor, wenn jemand zielgerichtet und ohne erkennbaren Grund immer wieder herabgesetzt, gedemütigt und gequält wird." Konflikte im Unterricht drehen sich aber meist um Noten und Regeln, und darüber gab es zwischen Lehrern und Schülern schon immer Streit.

Die Grenze zum Mobbing sei allerdings fließend, wenn Lehrer zynische, abwertende Kommentare vor versammelter Klasse abgeben und sich zum Beispiel über die Leistung eines einzelnen Schülers lustig machen, sagt Seifried. Ist das der Fall, gibt es für den Schüler keinen Grund, sich zu schämen oder sich zurückzuziehen. "Er sollte diesen Teufelskreis durchbrechen und sich auf jeden Fall wehren", rät der Schulpsychologe.

Die Folgen der Lehrer-Schikane

Unternimmt man nichts, hinterlassen solche Attacken Spuren. Dann fällt es den Betroffenen schwer, überhaupt zur Schule zu gehen. "Viele bekommen schon Kopf- und Bauchschmerzen, wenn sie morgens nach dem Aufstehen an den Unterricht denken, oder sie leiden mit der Zeit unter Leistungsstress, weil sie die Anforderungen nicht mehr erfüllen können", erklärt die Diplom-Pädagogin Marthe Kniep aus München, die das "Dr. Sommer"-Team der "Bravo" leitet. "Das geht sogar bis zum Wunsch, die Schule zu schwänzen."

So weit sollte es besser nicht kommen! Fühlt man sich vom Lehrer gemobbt, ist der erste Schritt, sich mit Klassenkameraden auszutauschen, denen man vertraut. "Die können dann sagen, wie sie die Situation sehen", rät die Erziehungsberaterin Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon. "So lässt sich auch herausfinden, ob man nicht Sachen auf sich bezieht, die die anderen ganz anders sehen."

Schüler sollten sich Unterstützung holen

Viele Schüler trauen sich aber nicht, das Problem anzusprechen. "In den meisten Mobbing-Fällen kommt es gar nicht erst zur Konfrontation", sagt Seifried. "Da versuchen die Betroffenen dann, das einfach wegzustecken." Ein Grund sei die Angst, dass eine Beschwerde Nachteile haben könnte. "Sie fürchten, dass sie schlechtere Noten oder eine Mitteilung für die Eltern bekommen."

Doch es ist wichtig, sich Mut zu machen und den Lehrer auf die Situation anzusprechen, sagt El-Safti-Jütte: "Allein und auf eigene Faust sollte das aber auf keinen Fall geschehen", rät sie. "Am besten ist, man holt sich noch eine Vertrauensperson mit ins Boot, die einem den Rücken stärken kann." Unterstützung kann man sich zum Beispiel beim Vertrauenslehrer der Schule, bei einer psychologischen Beratungsstelle oder bei den Eltern holen. Wenn sich ein Schüler nicht helfen lassen will, kann das unterschiedliche Gründe haben: "Es könnte beispielsweise daran liegen, dass die Schüler Angst davor haben, nicht ernst genommen zu werden", sagt Kniep. "Oder sie fürchten, dass die Erwachsenen das letzte Wort haben und solche Sachen sagen wie: 'Du hast dich ja auch frech benommen.'"

Das Gespräch mit dem Lehrer

Haben Eltern Probleme mit einem Lehrer, sollten sie sich mit anderen Müttern und Vätern aus der Klasse austauschen. Möglicherweise sehen die das Verhalten des Lehrers ähnlich kritisch, sagt Ursula Walther vom Vorstand des Bundeselternrates in Oranienburg. Gemeinsam lasse sich besser etwas unternehmen. Beschließen die Eltern, zusammen vorzugehen, wird das am besten schriftlich festgehalten. "Alle die sagen: 'Ja, ich sehe das genauso', sollten unterschreiben", rät Walther. Sonst stehen später die tatsächlich Aktiven plötzlich alleine da.

Vorher weiß man nie, wie ein Gespräch mit dem Lehrer ausgeht. "Sicher kann es vorkommen, dass der Lehrer alles abstreitet und abweisend reagiert", sagt El-Safti-Jütte. Spätestens in solchen Fällen sollte die Schulleitung eingeschaltet werden. "Soweit muss es aber gar nicht erst kommen, denn das Gespräch kann auch gut verlaufen und die Probleme aus dem Weg räumen."

Kommt es zum Gespräch, ist es sinnlos, dem Lehrer Vorwürfe zu machen. "Ein 'Sie wollen mich doch nur fertigmachen' bringt nichts", sagt die Diplom-Pädagogin Marthe Kniep von der "Bravo". "Stattdessen sollte man sagen, dass man sich im Unterricht nicht gut fühlt, weil man das Gefühl hat, dass man anders als die Mitschüler behandelt wird." Dann sei es am besten, die Vorfälle und konkrete Beispiele zu schildern und darüber zu sprechen, wie sich das Problem lösen lässt.

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