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Bildungsstudie: In Deutschland kann jeder fünfte Schüler nicht richtig lesen

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In Deutschland kann jeder fünfte Schüler nicht richtig lesen

12.07.2011, 10:33 Uhr | tze, dpa, dapd

Bildungsstudie: In Deutschland kann jeder fünfte Schüler nicht richtig lesen. Jeder fünfte Schüler kann nicht gut genug lesen. (Foto: imago)

Jeder fünfte Schüler kann nicht gut genug lesen. (Foto: imago)

Fast jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland kann nicht richtig lesen. 18,5 Prozent haben damit Schwierigkeiten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Europäische Kommission am 11. Juli in Brüssel vorgestellt hat. Europaweit ist es um die Lesefähigkeit sogar noch schlimmer bestellt: Laut der Untersuchung des EU-Bildungsinformationsnetzes Eurydice haben 20 Prozent der Jugendlichen eine Leseschwäche.

Ziel ist die 15-Prozent-Marke

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Schulkinder mit schlechter Lesekompetenz bis 2020 auf unter 15 Prozent zu senken. "Einer von fünf Schülern in Europa kann mit 15 Jahren nicht richtig lesen, dazu kommen viele Erwachsene", sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. Zwar zeige die neue Eurydice-Studie, dass viele Länder Fortschritte gemacht haben, darunter Deutschland. Häufig seien Lernprogramme aber nicht ausreichend auf Problemgruppen ausgerichtet, etwa auf Jungen, Kinder aus sozial schwachen Familien und Migrantenkinder.

Gezielte Leseförderung lässt Jungen aufholen

Mädchen lesen generell besser als Jungen, und die Diskrepanz vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Internationale Studien zeigten jedoch, dass sich das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern und unterschiedlichem Sozialstatus durch gezielte Leseförderung ausgleichen lasse, heißt es im Eurydice-Report. Ausgezahlt hätten sich auch Programme zur Leseförderung im Vorschulalter, die einige Länder eingeführt haben.

Fachkräfte für Leseförderung haben sich bewährt

Allerdings gibt es in nur acht Ländern Fachkräfte für Leseförderung an den Schulen. In Großbritannien, Irland, Malta und den fünf nordischen Staaten unterstützen diese Fachkräfte Lehrer, indem sie Nachhilfestunden für Kinder mit Leseschwächen anbieten. In Deutschland hänge es dagegen vor allem von der Eigeninitiative der Lehrer ab, ob und wie lernbedürftige Schüler neben dem regulären Deutschunterricht gefördert würden. Dabei sei der Unterricht durch speziell ausgebildete Fachkräfte in kleinen Gruppen besonders wirkungsvoll, heißt es in der Studie. In den meisten Ländern aber fehle es an entsprechenden Gesetzen, kritisierte Vassiliou.

Deutschland liegt nur im Mittelfeld

Im EU-Vergleich landen die Schüler in der Bundesrepublik zwar im guten Mittelfeld. Das EU-weite Ziel, den Anteil an Schülern, die nicht richtig Lesen können, bis 2020 auf 15 Prozent zu senken, ist damit aber noch nicht erreicht. Estland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Polen und der flämisch-sprachige Teil von Belgien gehören zu den Ländern, die das bereits geschafft haben. Besonders schlecht schneiden dagegen Rumänien und Bulgarien ab, wo sich rund 40 Prozent der Schüler beim Lesen schwertun.

Wer nicht lesen kann, hat schlechte Chancen

Wer nicht richtig lesen kann, hat schlechte Chancen in unserer Gesellschaft - so lautet eine der Kernaussagen des Eurydice-Reports, der das Lesen als Schlüssel zum Lernen wertet. Lesen ist demnach mehr als die Fähigkeit, Wörter und Sätze entziffern zu können. Heutzutage sei eine umfassende Lesekompetenz - dazu gehöre auch das Lesen digitaler Medien - eine wesentliche Voraussetzung, um sich persönlich und gesellschaftlich zu entwickeln, im Berufsleben erfolgreich zu sein, als informierter Bürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und seine Rechte wahrzunehmen.

Was bedeutet Lesekompetenz?

Im Sinne der PISA-Studie ist Lesekompetenz die Fähigkeit, geschriebene Texte verstehen, über sie zu reflektieren und sie für eigene Zwecke zu nutzen. Das beinhaltet auch, Informationen ableiten, den Inhalt interpretieren sowie Form und Inhalt von Texten kritisch bewerten zu können. Dazu sollten 15-Jährige in der Lage sein.

Fünf Prozent der Viertklässler in der EU sind extrem leseschwach

Internationale Vergleichswerte für die Lesefähigkeit von Viertklässlern sind in der "Progress in International Reading Literacy Study" (PIRLS) definiert. Als Minimalanforderung für die letzte Grundschulklasse gilt, ausdrücklich genannte Fakten in einem Text zu erkennen, zu lokalisieren und wiederzugeben. Nach PIRLS-Zahlen waren 2006 knapp fünf Prozent der Viertklässler innerhalb der EU nicht einmal dazu in der Lage. In Rumänien war der Anteil derart leseschwacher Grundschüler mit 16 Prozent auffällig hoch. In Deutschland waren es zwei Prozent.

Jeder fünfte kann indirekte Textaussagen nicht erfassen

20 Prozent der Grundschüler innerhalb der EU erfüllten laut PIRLS nur die Mindestanforderungen und und konnten weder Handlungsstränge einer Geschichte erkennen oder dem Text indirekte Informationen entnehmen. In Deutschland traf dies auf knapp 13 Prozent zu.

Erkenntnisse der Pisa-Studie bestätigt

Eurydice hat im Auftrag der EU-Kommission Bildungsdaten aus allen EU-Staaten sowie aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Türkei gesammelt und analysiert. Die Zahlen decken sich weitgehend mit den Ergebnissen der Pisa-Studie zwischen 2000 und 2009.


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