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Grundschule I - "Viele Eltern können ihre Kinder nicht einschätzen"

20.10.2011, 17:10 Uhr | Spiegel Online

Druck an Grundschulen. Nicht selten leiden auch die schulischen Leistungen unter einem zu ausgelasteten Terminkalender der Kinder. (Quelle: imago)

Nicht selten leiden auch die schulischen Leistungen unter einem zu ausgelasteten Terminkalender der Kinder. (Quelle: imago)

Lehrerin an einer Grundschule, Baden-Württemberg

An meiner Schule haben wir zum Glück nur wenige Eltern, die mit überzogenem Ehrgeiz und Sonderwünschen unsere Arbeit erschweren. Die ist auch so schwierig genug, weil die Schüler so unterschiedliche Leistungsniveaus haben. Es bringt mich an meine Grenzen, den schlechten Schülern zu helfen, ohne die guten dabei zu unterfordern. Das ist jeden Tag ein Balanceakt, der insbesondere in größeren Klassen kaum zu leisten ist.

Ein Übermaß an Förderangeboten

Unabhängig davon, ob Eltern sich gar nicht oder übermäßig engagieren, nehmen sie quasi jedes Angebot jenseits des normalen Stundenplans gerne an. Egal ob Chor, Zirkusgruppe, Fußball-AG oder Basteln - manche haben den Standpunkt, da ist mein Kind versorgt, und manche erhoffen sich besondere Förderung.

Viele Eltern sind von Angst und Unwissenheit getrieben. Hat mein Kind eine Schwachstelle, verpasst es den Anschluss? Deswegen werden Kinder teilweise mit Förderangeboten überhäuft - paradaroxerweise leidet darunter dann manchmal die schulische Leistung. Ich habe nicht nur einmal gehört, dass Schüler gesagt haben: "Ich konnte meine Hausaufgaben nicht machen, weil ich zum Sport oder zur Musikschule musste."

Gymnasium gut, Hauptschule schlecht

Um Überforderung und Überförderung zu vermeiden, müssen Eltern ihr Kind richtig einschätzen können. Viele können das aber nicht. Das führt dazu, dass Kinder zum Beispiel möglichst jung eingeschult werden. Viele Eltern setzen Schule mit Lernen gleich. Es mag ja sein, dass ein Kind kognitiv schon in der Lage ist, den Lehrplan zu meistern. Aber oft sind die Kleinen emotional und sozial noch nicht soweit, den Schulalltag zu bewältigen.

Besonders deutlich - das weiß ich von Kollegen - sind Fehleinschätzungen, wenn es in der dritten und vor allem vierten Klasse um die Empfehlung für die weiterführende Schule geht. Da gibt es immer wieder Eltern, die keine Ahnung haben, was es für ihr Kind bedeutet, wenn es aufs Gymnasium geht, welcher Leistungsdruck dort wartet.

Diese Leute denken einfach: Gymnasium gleich Prestige und guter Umgang, Hauptschule gleich schlechter Umgang. Und die wollen ihr Kind dann auf Teufel komm raus aufs Gymnasium bringen und kämpfen das notfalls mit allen Mitteln durch.

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