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Jugendgewalt: Schulen müssen soziales Lernen fördern

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Schulen müssen soziales Lernen fördern

11.11.2011, 15:59 Uhr | dpa

Jugendgewalt: Schulen müssen soziales Lernen fördern . Soziales Lernen: Versagen die Elternhäuser? (Quelle: imago)

Soziales Lernen: Versagen die Elternhäuser? (Quelle: imago)

Mobbing unter Schülern gilt als eine Form von Jugendgewalt. Die Freie Universität Berlin (FU) hat deshalb für Schulen das Präventionsprogramm "fairplayer" entwickelt, das soziales Lernen fördert. Erfolge seien wissenschaftlich nachgewiesen, sagt Initiator Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der FU. Am besten funktioniere das Programm in den Klassen sieben bis neun.

Wie definieren Sie den Begriff Jugendgewalt?

Scheithauer: Der Begriff ist irreführend, weil es DIE Jugendgewalt gar nicht gibt. Sie hat sehr viele Gesichter. In Schulen zählt vor allem Mobbing dazu. Das läuft über einen längeren Zeitraum, und es gibt ein deutliches Machtungleichgewicht. Das Opfer kann sich nicht wehren, weil es physisch, psychisch oder auch verbal unterlegen ist. Mobbing kann sehr unterschiedlich transportiert werden, mit Worten, durch körperliche Attacken, aber auch auf der Beziehungsebene. Da lade ich jemanden einfach nicht mehr ein oder meide ihn. Wenn neue Medien wie Handys, Webseiten oder soziale Netzwerke im Internet mit im Spiel sind, nennt sich das Cybermobbing.

Welchen Stellenwert räumen Sie Cybermobbing heute im Vergleich zum traditionellen Schulmobbing ein?

Scheithauer: Es ist in der Wissenschaft noch nicht geklärt, ob sich das Phänomen Mobbing durch die neuen Medien potenziert. Wir vermuten es. Wir gehen davon aus, dass es Gruppen gibt, die sich auf Cybermobbing konzentrieren. Dort müssen wir mit spezifischer Prävention ansetzen, zum Beispiel mit unserem Programm "Medienhelden".

Wie kann ein Präventionsprogramm, das Sie an der Universität entwickeln, etwas gegen Mobbing im Schulalltag ausrichten?

Scheithauer: Wir arbeiten mit der gesamten Schulklasse. Mobbing ist keine Sache zwischen einem Täter und seinem Opfer, sondern in der Regel ein Gruppenphänomen. Das fängt beim sozialen Klima in einer Klasse an. Es geht um soziale Rollen: um Assistenten, Verstärker oder potenzielle Verteidiger. Die muss man alle ansprechen. Mobbing ist kein Spaß. Dass es Opfern richtig schlecht geht, wissen viele Jugendliche aber gar nicht. Die machen das nicht nur aus Bosheit. Wir arbeiten deshalb an den sozialen Kompetenzen. Jugendliche lernen zum Beispiel in Rollenspielen, sich in die Perspektive eines anderen hineinzuversetzen und mitzufühlen. Es geht aber auch um das Erlernen sozialer Normen und um ein Gefühl für Grenzen und Moral.

Können Sie messen, ob das funktioniert?

Scheithauer: Ja. Bei der Evaluation des Programms "fairplayer" haben wir an Schulen mit Klassen und Kontrollgruppen gearbeitet. Das Programm läuft bis zu einem halben Jahr und steht jede Woche wie ein Unterrichtsfach im Stundenplan. Wir konnten belegen, dass sich wichtige soziale Kompetenzen verbesserten. Das Mobbing ging zurück. In den Kontrollgruppen ist das nicht passiert. In den Präventionsklassen haben hinterher mehr Schüler gesagt: Mit Gewalt erreicht man sein Ziel nicht. Es gab auch mehr prosoziales Verhalten wie Helfen und Teilen. Es gibt viele Antimobbing-Programme, aber meist greifen sie zu kurz und sind nicht wissenschaftlich begleitet. Ein Projekttag reicht einfach nicht, um Verhaltensweisen zu ändern.

Müssen Lehrer immer häufiger ausbaden, was Elternhäuser versäumen?

Scheithauer: Natürlich ist es nicht gerecht, dass in der Schule alles ankommt, was in der Familie schief läuft. Doch die Schule kann und darf sich dem nicht verschließen. Soziales Lernen nimmt dort heute oft erst wenig Raum ein. Da geht es nicht nur um soziale Brennpunkte, Mobbing gibt es auch an Elitegymnasien. Das Thema kommt in der Lehrerausbildung bisher aber nicht vor. Es wäre wichtig, das Vermitteln sozialer Kompetenz auch dort zur Pflicht zu machen. Denn Lernen funktioniert nur in einem guten sozialen Umfeld.

Antimobbing-Programm: www.fairplayer.de

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