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Die Bildungslücke: Was in deutschen Schulen falsch läuft

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"Diktatur der Theoretiker": Wo unsere Schulen versagen

10.04.2012, 14:37 Uhr | Pressetext

Die Bildungslücke: Was in deutschen Schulen falsch läuft. Kommen die sogenannten Soft Skills in deutschen Schulen zu kurz? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kommen die sogenannten Soft Skills in deutschen Schulen zu kurz? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Vergiss alles, was du in der Schule und in der Uni gelernt hast!" Mit diesem provokanten Satz beginnt das neue Ratgeber-Buch "Die Bildungslücke". "Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen", meint Herausgeber Thilo Baum im Interview. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.

Fachlich top - doch das reicht nicht

"Ausbildungsstätten vermitteln Fachwissen. Das bestreitet niemand", so Baum. "Das Know-How, das allerdings nötig ist, dieses Fachwissen auch tatsächlich und erfolgreich in der Arbeitswelt anzuwenden, das fehlt." Untersuchungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) belegen diese Ergebnisse. Nur neun Prozent von insgesamt 14.000 Unternehmen sehen keine Mängel bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. "Wir kennen keinen Arbeitgeber, der über heutige Schulabgänger in Begeisterungsstürme ausbricht."

Es mangelt nicht nur an Soft Skills

Der Mangel der Schulabgänger liegt bei den Soft Skills. Diesen liegen Kriterien wie Disziplin, Belastbarkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft und Umgangsformen zugrunde. Der DIHK listet als wünschenswerte soziale Kompetenzen Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit auf.

Aber auch bei den Hard Skills unterrichtet die Schule laut Baum am Leben vorbei - und stattdessen unterhalte sich die Bildungsszene vor allem über formale Nebenaspekte. Baum: "Aber solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht oder im Stuhlkreis versäumt."

"Diktatur der Theoretiker"

Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der "Diktatur der Theoretiker". "Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant", kritisiert Baum.

"Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht." Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.

Schule führt am Ziel vorbei

"Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis", so Baum. "Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?" Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.

"Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene." Also haben Baum und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie "Die Bildungslücke" mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln, Führungsqualitäten wie auch Geld.

Buch-Tipp: "Die Bildungslücke: Der komprimierte Survival-Guide für Berufseinsteiger", herausgegeben von Thilo Baum und Martin Laschkolnig. Börsenmedien Verlag. Preis: 19,90 Euro.

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