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Streit um die Drei-Religionen-Schule: Lehrerschaft verweigert sich

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Streit um die Drei-Religionen-Schule: Lehrerschaft verweigert sich

14.06.2012, 13:12 Uhr | Jean-Charles Fays, dapd

.  (Quelle: dapd)

Juden, Christen, Muslime unter einem Schuldach - das ambitionierte Schulkonzept in Osnabrück scheint an den Lehrern zu scheitern. (Quelle: dapd)

Die bundesweit erste Drei-Religionen-Schule ist aus der Not geboren und sollte jetzt starten, doch die Lehrer ziehen nicht mit. Der alte Lehrkörper der bisherigen Bekenntnisschule hat Probleme damit, Christen, Muslime und Juden gemeinsam zu unterrichten. Sie lehnen es geschlossen ab, künftig an der neuen Drei-Religionen-Schule zu unterrichten. Scheitert das ungewöhnliche Schulkonzept jetzt?

Entstehung der Drei-Religionen-Schule: neues Konzept oder Schulschließung

Der Leiter einer katholischen Bekenntnisschule in Osnabrück wandte sich vor vier Jahren verzweifelt an die Stadt. Bei mehr als 60 Anmeldungen für das neue Schuljahr waren weniger als 50 Prozent der Kinder katholischer Konfession, vorgeschrieben waren aber 80 Prozent. Um die Grundschule vor der Schließung zu bewahren, übernimmt nun das Bistum die Trägerschaft und ermöglicht Christen, Muslimen und Juden ab September das gemeinsame Lernen. Für die Lehrer der alten Bekenntnisschule hängt der Haussegen damit schief.

Alle Lehrer verweigern sich dem Konzept

Alle 13 Lehrer der Johannisschule lehnen die Drei-Religionen-Schule ab. "Das ist für uns nicht Integration, sondern Exklusion", erklärt die aktuelle kommissarische Schulleiterin Silvia Bielefeld. Entgegen der Empfehlungen von Religionswissenschaftlern, die einen eigenen Unterricht auch für Muslime oder Juden fordern, sieht sie keine Notwendigkeit für das neue Schulkonzept.

Lieber Versetzung als dort unterrichten

Die Religionen hätten Gemeinsamkeiten. Daher könne man islamische oder jüdische Religion auch gemeinsam mit evangelischer oder katholischer Religion unterrichten, sagt Bielefeld. Da das Bistum Osnabrück anderer Ansicht sei, habe sich das komplette Kollegium gegen die Drei-Religionen-Schule entschieden. Am selben Standort für die katholische Schulstiftung an der bundesweit ersten Drei-Religionen-Schule zu unterrichten, kommt für die Lehrer nicht infrage. Lieber lassen sie sich vom Land versetzen.

"Die neue Schule hat viele Gegner"

Fotos mit dem Lehrerkollegium und den Schülern der Johannisschule erlaubt Bielefeld im Zusammenhang mit einem Bericht zur neuen Grundschule nicht. Für die Lehrer sei es schon schwer genug zu ertragen, dass die Johannisschule in drei Jahren ausläuft, während die Drei-Religionen-Schule ab September am selben Standort mit der ersten Klasse anfängt. Sie will nicht, dass das Kollegium und die Eltern ihrer Schüler schon vorher damit konfrontiert werden. "Die neue Schule hat viele Gegner", sagt Bielefeld.

"Die katholische Bekenntnisschule ist nicht mehr zeitgemäß"

Den Schulabteilungsleiter des Bistums Osnabrück, Winfried Verburg, enttäuscht diese Haltung. Er berichtet, wie sich das Wohnumfeld ringsum die Johannisschule gewandelt hat. An der nur einen Steinwurf entfernten Grundschule am Rosenplatz seien seit Jahren mehr als die Hälfte der Schüler Muslime. "Die katholische Bekenntnisschule ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Verburg. Während die Grundschule am Rosenplatz aus allen Nähten platzt, besuchen die für rund 300 Schüler ausgerichtete Johannisschule aktuell nur 134 Kinder.

Bistum wollte Standort erhalten

Der Schulstiftung des Bistums sei es immer nur darum gegangen, diesen Schulstandort zu erhalten. Nachdem die Eltern an der Johannisschule nicht die notwendige Mehrheit für einen Antrag auf Bekenntnisaufhebung erreichten, um eine Grundschule für alle Konfessionen zu gründen, sei die letzte Möglichkeit der Trägerwechsel von der Kommune zum Bistum gewesen. Dieses kann im Gegensatz zu öffentlichen Schulen selbst über die Quote bekenntnisfremder Schüler entscheiden.

Bei Eltern kommt die neue Schule gut an

So entstand die Idee zur Drei-Religionen-Schule in katholischer Trägerschaft. Wie beliebt diese ist, zeigt, dass schon jetzt 38 Kinder für das Schuljahr 2013/2014 angemeldet wurden.

Der Elternratsvorsitzende der Johannisschule, Dirk Turek, begrüßt den Start der Drei-Religionen-Schule: "Ich sehe das positiv. So haben wir die Möglichkeit, die Schule weiterlaufen zu lassen." Seine Tochter, die im Sommer in die zweite Klasse kommt und damit den letzten Jahrgang der katholischen Johannisschule besucht, werde sich gut mit anderen Schülern verstehen. "Kindern ist eine andere Religion doch ohnehin egal", sagt er. Und die Lehrer der Johannis- und der Drei-Religionen-Schule würden sich zum Wohl der Kinder schon zusammenraufen.

Lehrer sollen sich zusammenraufen

Auch die für das Projekt zuständige Schulrätin im Bischöflichen Generalvikariat, Claudia Sturm, ist zuversichtlich, dass die Lehrer der beiden Schulen unter einem Dach sich in den kommenden drei Jahren trotz der aktuell angespannten Stimmung verstehen werden: "Wir machen mit Kindern Streitschlichterausbildungen. Dann erwarte ich, dass wir das auch mit Erwachsenen hinkriegen."

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