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Muslimisches Mädchen verliert Rechtsstreit zu Schwimmunterricht

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Burkini-Urteil  

Muslimisches Mädchen verliert Rechtsstreit zu Schwimmunterricht

28.09.2012, 16:26 Uhr | dapd, dpa

Muslimisches Mädchen verliert Rechtsstreit zu Schwimmunterricht. Burkini: Der Ganzkörper-Schwimmanzug ermöglicht auch muslimischen Mädchen die Teilnahme am Schwimmunterricht.  (Quelle: dpa)

Burkini: Der Ganzkörper-Schwimmanzug ermöglicht auch muslimischen Mädchen die Teilnahme am Schwimmunterricht, wie hier in einem Beispiel aus Freiburg. (Quelle: dpa)

Ein muslimisches Mädchen ist vor Gericht mit der Forderung gescheitert, vom gemischten Schwimmunterricht befreit zu werden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel wies am Freitag die Berufung einer heute zwölf Jahre alten Schülerin aus Frankfurt ab. Sie hatte feststellen lassen wollen, dass sie im abgelaufenen Schuljahr im Alter von elf Jahren zu Unrecht nicht vom Schwimmunterricht befreit worden war. Damit hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) muslimischen Schülerinnen erschwert, sich aus religiösen Gründen vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht befreien zu lassen.

Schwimmunterricht: Zwang für Musliminnen

Das Mädchen muss teilnehmen "Die Klägerin hätte damals am Schwimmunterricht teilnehmen müssen. Für diesen Zeitpunkt in diesem Einzelfall gab es keine Gründe für eine Befreiung", sagte der Vorsitzende Richter und Präsident des VGH, Hans Rothaug (Az: 7 A 1590/12).

Burkini - Gamzkörper-Schwimmanzug als Lösung

Das Tragen eines sogenannten Burkinis sei ihr an der Schule möglich gewesen. Ein Burkini ist ein Ganzkörperbadeanzug, der den Bekleidungsvorschriften des Islam entspricht. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage ließt der VGH aber eine Revision zum Bundesverwaltungsgericht zu.

Nackte Jungs-Oberkörper gehören zur Integration

"Dass sie dann den einen oder anderen nackten Jungsoberkörper zu sehen bekommt, muss sie im Interesse der Integration hinnehmen", sagte Rothaug. Er betonte jedoch, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handele. Es habe dabei auch eine Rolle gespielt, dass die Klägerin die Pubertät noch nicht erreicht habe und dass sie auf eine Schule mit sehr hohem Anteil von Kindern aus Migrantenfamilien gehe.

Die Vorgeschichte

Das Mädchen wollte gerichtlich feststellen lassen, dass sie zu Unrecht zur Teilnahme verpflichtet worden war. Der Senat aber erklärte das Vorgehen des Schulleiters wie schon die Vorinstanz für rechtens. Der Direktor hatte die damalige Fünftklässlerin auf einen sogenannten Burkini - einen Badeanzug, der nur Kopf und Hände frei lässt - verwiesen und ihren Antrag auf Befreiung abgelehnt.

"Ich nehme meine Religion ernst"

Die Klägerin hatte geltend gemacht, ihr islamischer Glaube verbiete, sich vor Jungen oder Männern in Badekleidung zu zeigen. Außerdem dürfe und wolle sie ihre männlichen Klassenkameraden nicht halbnackt sehen. "Ich würde gerne schwimmen, aber nur wenn es Schwimmunterricht nur für Mädchen gibt, die sich richtig bekleiden und nicht bloß einen Bikini tragen", sagte die Schülerin und ergänzte: "Ich nehme meine Religion ernst."

VGH widerspricht Bundesverwaltungsgericht

Ihr Anwalt Klaus Meissner verwies auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahre 1993, das in einem ähnlichen Fall der Glaubensfreiheit den Vorrang vor dem staatlichen Erziehungsauftrag eingeräumt hatte.

Der VGH sah das im Fall der jungen Frankfurterin anders - auch weil es vor 19 Jahren die Alternative Burkini noch nicht gegeben habe. Dem Mädchen sei das Tragen dieses Ganzkörperanzugs zuzumuten gewesen, sagte Gerichtspräsident Karl-Hans Rothaug. Und da sie sich dem ebenfalls gemischtgeschlechtlichen normalen Sportunterricht nicht verweigere, scheine sie den Anblick nicht vollständig bekleideter Jungen durchaus aushalten zu können.

Die Revision gegen dieses Urteil ließ der VGH zu. Ob das Mädchen nun vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen will, ließ Klägeranwalt Meissner zunächst offen. (Az.: 7 A 1590/12)

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