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ZDF "Log in": "Alles umsonst - Ist Schule Zeitverschwendung?"

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Experten streiten über Bildung: Hat das deutsche Schulsystem ausgedient?

18.10.2012, 12:51 Uhr | rev, t-online.de

ZDF "Log in": "Alles umsonst - Ist Schule Zeitverschwendung?". Ursula Sarrazin ist überzeugt, dass Schüler heutzutage im Unterricht nicht ausreichend gefordert werden. (Quelle: imago)

Ursula Sarrazin ist überzeugt, dass Schüler heutzutage im Unterricht nicht ausreichend gefordert werden. (Quelle: imago)

Deutschland hat keine wichtigere Ressource als seine Bildung. Doch gehen wir zu leichtfertig mit diesem kostbaren Gut um? Wie kann es sein, dass viele Schüler die Schulzeit als sogenannte "Bildungsverlierer" beenden? Was muss geschehen, damit jeder eine Chance hat, sich in der Schule für ein später erfolgreiches Leben zu entwickeln? Das diskutierten Hirnforscher Gerald Hüther, Lehrerin Ursula Sarrazin und Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, auf ZDFinfo in der "log in"-Ausgabe "Alles umsonst - Ist Schule Zeitverschwendung?".

Unsere Kinder werden unterfordert

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Wir unterfordern unsere Kinder in den Schulen. Was die Ursachen angeht, sind die Meinungen jedoch gespalten. Im Rahmen einer wahren "Reformeritis" seien in den letzten Jahren die Lehrpläne deutscher Schulen entschlackt worden. Das ist laut Ursula Sarrazin, die über 35 Jahre als Grundschullehrerin in Berlin arbeitete, der Grund für die großen Defizite bei Schulabgängern. Die Leistungsanforderungen seien immer mehr gesenkt worden, so dass es nicht verwundere, wenn heute Arbeitgeber und Uni-Professoren Mängel in Rechtschreibung, Grammatik und Textverständnis beklagten.

Unterstützung erhält Sarrazin dabei von Lehrerverbandspräsident Josef Kraus. Der sieht vor allem in der Grundschule eine Unterforderung der Kinder, die zu Problemen in den weiterführenden Schulen führt. Als Beispiel nennt Kraus den Grundwortschatz, der vor 20 Jahren nach der Grundschulzeit noch bei 1100 Wörtern liegen sollte, inzwischen aber auf 700 reduziert wurde. "Wir trauen den Kindern nicht zu wenig zu, wir muten ihnen zu wenig zu", so die These von Kraus.

Ursula Sarrazin kritisiert ihre Kollegen

Aber laut Sarrazin liegt die Ursache des Problems nicht allein in den Reformen: "Wir unterfordern die Schüler nicht nur, weil die Lehrpläne abgespeckt wurden - wir unterfordern unsere Schüler im Unterricht selber", behauptet die Autorin des Buches "Hexenjagd" und nimmt damit ihre Kollegen in die Pflicht. Einige Lehrer kämen in die Klasse, um erst einmal minutenlang etwas mit den Schülern zu "bequatschen", um am Ende insgesamt eine Viertelstunde effektiven Unterricht gehalten zu haben.

Kinder können ihre Potenziale nicht ausreichend entfalten

Ganz anders bewertet Gerald Hüther, der kürzlich mit seinem Buch "Jedes Kind ist hochbegabt" für Aufsehen sorgte, die Bildungsproblematik: "Wir unterfordern die Kinder, denn es fehlen in der Schule Aufgaben, an denen sie wirklich wachsen können." Hüther ist überzeugt, dass an deutschen Schulen nicht ausreichend unternommen wird, damit Kinder ihre Potenziale entfalten können. Im Gegenteil, der Hirnforscher glaubt, dass die Schule Kindern sogar die Lust nehme zu lernen und sich zu entfalten.

Hüther fordert Leidenschaft statt Gehorsam und Dressur

Kinder kommen nicht faul auf die Welt, Kinder wollen lernen, so Hüthers These. Doch wenn Lehrplan und Lehrer ihnen alles einfach nur vorgäben, stecke man sie in ein Korsett. "Dann bleiben den Kindern zwei Möglichkeiten: Entweder sie sprengen das Korsett - und kriegen danach meistens Pillen verabreicht -, oder sie fügen sich und werden gehorsam." Wirkliches Lernen funktioniere nicht durch Gehorsam, der mithilfe eines Systems aus Belohnung und Bestrafung erreicht wird: "Das ist Abrichtung, das ist Dressur, das gehört ins vorherige Jahrhundert."

Stattdessen müsse der Lernstoff die Schüler auch emotional erreichen, er müsse "unter die Haut gehen" - nur dann könne Lernen nachhaltig sein, wie Ergebnisse der Neurowissenschaften zeigten. Das Lernverhalten dürfe sich deshalb nicht auf Noten fokussieren, vielmehr müsse Leidenschaft für unterschiedliche Themen bei den Schülern entfacht werden. Dass dies das Erlernen von Durchhaltevermögen und Frustrationsbewältigung, wie sie von Sarrazin und Kraus gefordert werden, ausschließe, verneint Hüther allerdings.

Kraus: Ein Kanon ist unverzichtbar

In der Diskussion mit Hüther betonen Sarrazin und Kraus, dass es in der Schule nicht "um kurzweiligen Spaß" gehe. So sehr der Wunsch nach mehr individueller Förderung auch bestehe, müssten bestimmte Wissensgrundlagen bei den Kindern geschaffen werden, die die althergebrachte Form des Unterrichtens verlangen. "Wir bringen die Volkswirtschaft nicht voran, wenn wir die Leute zwölf, 13 oder 14 Jahre lang auswählen lassen, was ihnen am meisten Spaß macht", sagt Kraus und fordert, dass es auch weiterhin einen Lern- und Wertekanon für das schulische Lernen geben müsse. Sarrazin ergänzt, dass nun einmal bestimmte Grundlagen notwendig sind, um darauf aufbauend mit Begeisterung mehr zu lernen.

Dass Schule heutzutage aber hauptsächlich stures Auswendiglernen und altmodischer Frontalunterricht seien, ist laut Kraus eine falsche Annahme: "Wir haben die Paukschule nicht - das ist ein Zerrbild." Tatsächlich hätten Lehrer auch einen Erziehungsauftrag - dieser stehe jedoch an zweiter Stelle. Soziale Kompetenz solle in der Schule vermittelt werden, doch ohne Wissen sei das nichts wert, so Kraus.

"In sechs Jahren wird es diese Schulen nicht mehr geben"

Unbeeindruckt von diesen Argumenten ist Gerald Hüther überzeugt, dass das bisherige Schulsystem schon bald ausgedient habe: "In sechs Jahren wird es die Schulen, wie es sie heute gibt, nicht mehr geben." Diese "Transformation der Schule" werde aber nicht durch Politiker vorangetrieben, sondern durch "eine bürgerschaftliche, zivilgesellschaftliche Bewegung, der am Herzen liegt, dass Kinder ihre Potenziale und Talente ausleben können und nicht zu dem gemacht werden, was sich irgendwelche Kultusminister ausgedacht haben." Man darf gespannt sein, ob sich Hüthers Prognosen bewahrheiten.

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