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Durchlässigkeit der Schulsysteme: 50.000 Schüler scheitern an Realschule oder Gymnasium

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50.000 Schüler scheitern an Realschule oder Gymnasium

30.10.2012, 16:16 Uhr | AFP, dpa

Durchlässigkeit der Schulsysteme: 50.000 Schüler scheitern an Realschule oder Gymnasium. Schulsystem: Demotivation ist eine Ursache dafür, dass es im deutschen Schulsystem doppelt so viele Absteiger wie Aufsteiger gibt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Demotivation ist eine Ursache dafür, dass es im deutschen Schulsystem doppelt so viele Absteiger wie Aufsteiger gibt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zehntausenden Schülern bleibt nach Klasse fünf der Erfolg versagt - sie kommen auf eine niedrigere Schulform, oft nach vorherigem Sitzenbleiben. Weit weniger Schülern gelingt der Aufstieg.

50.000 Schüler steigen ab, 23.000 steigen auf

An Deutschlands Schulen gibt es mehr als doppelt so viele Absteiger wie Aufsteiger zwischen den einzelnen Schulformen. Rund 50.000 Schüler von Klasse fünf bis zehn sind im Schuljahr 2010/11 auf ein niedrigeres Niveau wie Real- oder Hauptschule herabgestuft worden. Nur rund 23.000 schafften es nach oben.

"Das Problem des Abstiegs ist die Demotivation"

"Der Fahrstuhl geht meistens nach unten", sagte der Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, bei der Vorstellung einer Studie zur Durchlässigkeit der 16 Schulsysteme im Auftrag der Stiftung. "Das Problem des Abstiegs ist die Demotivation", sagte Dräger. Herabstufungen zählten oft zur Praxis. Zu selten werde aber geprüft, ob ein Schüler den Aufstieg schaffen kann.

Nur in Bayern gibt mehr Aufsteiger

Am ungünstigsten ist das Verhältnis in Niedersachsen mit mehr als zehn Absteigern pro Aufsteiger. In Hessen sind es neun Ab- auf einen Aufsteiger, in Berlin sieben, in Nordrhein-Westfalen knapp sechs. Die anderen Länder liegen bei dieser Quote besser. Den Spitzenplatz belegt Bayern, nur dort gibt es etwas mehr Auf- als Absteiger.

Zweifel am bayerischen Weg

Die bayerischen Kinder würden nach der Grundschule aber auch oft verhältnismäßig niedrig eingestuft. Als Aufsteiger von der Hauptschule wiederholten sie dann Klasse fünf in der Regel in der Realschule. Die Bochumer Bildungsforscherin und Studienautorin Gabriele Bellenberg meldete Zweifel an der Effektivität des bayerischen Wegs an: "Man muss hingucken, ob das notwendig ist."

Auf die individuelle Förderung kommt es an

Entscheidend sei nicht, ob ein Land an der Aufteilung Hauptschule - Realschule - Gymnasium festhalte. "Man muss die Strukturen, die da sind, so verändern, dass die Durchlässigkeit größer wird", forderte Bellenberg. Jedes Kind müsse in seiner Schule gefördert werden.

Hauptschulen stärken oder abschaffen

In klassischen mehrgliedrigen Schulsystemen gibt es laut Studie dort ein schlechtes Verhältnis zwischen Auf- und Absteigern, wo nur noch wenige nach der Grund- die Hauptschule besuchen. Denn diese werde dann zum Auffangbecken herabgestufter Schüler. Das betreffe Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hier besuchten nur noch rund zehn Prozent der Schüler die Hauptschule. Die Hauptschule gehört in diesen Ländern laut Dräger gestärkt oder abgeschafft.

Hauptschulen in Bayern und Baden-Württemberg sind noch erfolgreich

Das dreigliedrige System Baden-Württembergs steht mit einem Verhältnis von 1 Auf- auf 1,5 Absteiger verhältnismäßig gut da. Ebenso wie in Bayern habe hier die Hauptschule hier mit 25 Prozent der Schüler noch mehr Bedeutung und sei besser.

Ostdeutsche Länder liegen im Mittelfeld

Die ostdeutschen Länder mit ihren zweigliedrigen Schulsystemen liegen laut Bellenberg im Mittelfeld beim Verhältnis der Auf- zu den Absteigern. Sie kritisierte eine eingeschränkte Durchlässigkeit in die Oberstufe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Kein Bundesland liegt klar vorn

Unter dem Strich weist die Studie aber kein Land als überlegen aus. "Wir können nicht sagen: Ein Bundesland ist ganz klarer Sieger", sagte Bellenberg. Insgesamt wechselten rund 100.000 von rund 4,4 Millionen Schülern der Klassen fünf bis zehn die Schulform, eingerechnet jene, die auf vergleichbarem Niveau bleiben.

Auch bei den Klassenwiederholungen unterscheiden sich die Länder. So weist hier etwa Bayern eine Quote von 2,8 Prozent auf, wohingegen es in NRW nur 1,4 Prozent sind.

Soziale Herkunft macht den Bildungserfolg

Kinder armer Eltern oder von Migranten haben dabei deutlich geringere Chancen, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder von Akademikern, wie eine andere Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im März zeigte. Bundesweit verlassen mehr als 60.000 junge Menschen pro Jahr ihre Schule ohne Hauptschulabschluss.

Kritik vom Philologenverband

Der Deutsche Philologenverband (DPhV), der unter anderem die Gymnasiallehrer vertritt, wies die Kernaussage der Studie, es gebe in Deutschland doppelt so viele Absteiger wie Aufsteiger, als "schlicht und ergreifend falsch" zurück. Die Studie betrachte nur die Jahrgangsstufen fünf bis zehn, obwohl 30 Prozent der Hauptschüler nach dem Hauptschulabschluss noch die Mittlere Reife und mehr als ein Drittel der Realschüler noch das Abitur schafften. "Diese Aufstiege blendet die Studie einfach aus", erklärte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger.

Ein weiterer Mangel der Studie sei, dass Auf- und Abstiege innerhalb von Gesamtschulen nicht erfasst würden, kritisierte Meidinger. Durch Abstufungen im dortigen Kurssystem lande ein Drittel der Schüler in Kursen, die letztlich zu niedrigeren Abschlüssen führten.

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