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Sitzenbleiben abschaffen: Kritik durch Schülerverband, Lehrer und Eltern

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Nur noch "Blümchenschule"! Eltern gegen Abschaffung des Sitzenbleibens

22.02.2013, 14:57 Uhr | rev, t-online.de, dapd, dpa

Sitzenbleiben abschaffen: Kritik durch Schülerverband, Lehrer und Eltern. Sitzenbleiben: Bald nur noch "Blümchenschule"? Rot-grüne Koalition in Niedersachsen plant Abschaffung des Sitzenbleibens. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sitzenbleiben abschaffen? Nein, Schüler halten an der Ehrenrunde fest. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die rot-grüne Koalition in Niedersachsen will das Sitzenbleiben in der Schule abschaffen. Aber was so manchen Schüler mit schwachen Noten freuen mag, trifft nicht nur auf Gegenliebe. Im Gegenteil, Lehrer wie auch Schülerverbände äußern sich zunehmend kritisch gegenüber den Plänen - und auch der Großteil der Eltern ist wenig erfreut über die Reformpläne, wie zahlreiche emotionale Kommentare im Elternportal von t-online.de zeigen.

Rot-grüne Koalition will Sitzenbleiben "überflüssig machen"

"Sitzenbleiben und Abschulung durch individuelle Förderung überflüssig (zu) machen", so ist der Wortlaut im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in Niedersachsen. Zwar sei man sich bewusst, dass das Sitzenbleiben nicht sofort abgeschafft werden könne, doch die designierte niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) lässt keinen Zweifeln an dem Vorhaben. "Wir haben ein perspektivisches Ziel formuliert, das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann."

Wo Kinder heute schon nicht mehr sitzenbleiben

Mit diesen Plänen steht die Niedersächsische Koalition keineswegs allein da: In Hamburg zum Beispiel ist Sitzenbleiben zurzeit in den Klassen Eins bis Neun abgeschafft. Bis 2017 soll das für alle Klassen gelten. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte dazu: "Wir haben eine Ersatzregelung eingeführt, die lautet: Wer in einem Kernfach eine Fünf in einem Zeugnis hat, muss in eine kostenlose schulische Nachhilfemaßnahme." Das rot-grün regierte Rheinland-Pfalz will in einem Modellversuch den Verzicht aufs Sitzenbleiben testen. "Das ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben", erklärte der Sprecher des Bildungsministeriums, Wolf-Jürgen Karle. In Berlin müssen nur Gymnasiasten und - im Ausnahmefall - Grundschüler befürchten, eine Klasse wiederholen zu müssen.

In der kürzlich von Grün-Rot in Baden-Württemberg eingeführten Gemeinschaftsschule können die Kinder schon heute nicht mehr durchfallen. Das wolle er Schritt für Schritt auch an den anderen Schulen durchsetzen, so der Stuttgarter Kultusminister Andreas Stoch (SPD). "Die Angst vor dem Sitzenbleiben ist keine sinnvolle Lernmotivation für die Schülerinnen und Schüler."

"Kuschelpädagogik": Schülerverband übt scharfe Kritik

Nun werden immer mehr Stimmen laut, die diese Tendenz äußerst kritisch bewerten: "Die Abschaffung des Wiederholens einer Schulklasse ist ein weiteres ideologisches Werkzeug von SPD und Grünen zur Gleichmacherei in der Bildungspolitik", sagt etwa Leopold Born, Bundesvorsitzende der Schüler Union (SU), der mit 10.000 Mitgliedern bundesweit stärksten Schülerorganisation. Den Vorschlag bezeichnete Born als "rot-grüne Kuschelpädagogik", die ein leistungsorientiertes Lernen ersetzen solle.

Die betroffenen Schüler erhielten durch die Abschaffung des Sitzenbleibens weder die Möglichkeit, verpasste Lerninhalte angemessen aufzuarbeiten, noch den aktuellen Unterrichtseinheiten folgen zu können. "Das Wiederholen einer Klasse ist nicht unnötig und vor allem ist Sitzenbleiben keine Strafe", findet Born.

Lehrer halten Pläne für realitätsfern

Kritisch äußerten sich auch Lehrer zu dem Vorhaben. Bei denen, die das Sitzenbleiben abschaffen wollen, sei ein "total idealisiertes Bild" von Schülern vorhanden, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, der Tageszeitung "Die Welt". "Man tut so, als sei immer nur das System schuld, wenn jemand nicht vorankommt." Nach Ansicht von Kraus braucht ein beachtlicher Anteil von Schülern das Risiko des Scheiterns, "um mehr in Schule zu investieren".

Auch Jürgen Böhm, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer, kritisierte gegenüber der "Welt" die Absicht als "lebensfeindliche Einstellung", mit der man im internationalen Wettbewerb nicht bestehen könne und langsam im Mittelmaß enden werde.

"Nach der Blümchenschule bekommen sie einen Schock fürs Leben!"

Ähnlich bewerten viele Eltern die Pläne von Rot-Grün in Niedersachsen. In einer Umfrage, ob die Abschaffung des Sitzenbleibens sinnvoll ist, sprachen sich auf dem Elternportal von t-online.de knapp 1200 Leser und damit 56,7 Prozent gegen das Vorhaben aus, während es 41 Prozent befürworteten und 2,6 Prozent ohne klare Meinung waren.

In den zahlreichen Leserkommentaren im Portal und auf der Facebook-Seite "Eltern-Welt" wird die geplante Reform dagegen fast einstimmig negativ gesehen. Viele Leser - darunter zahlreiche Eltern - sehen das Wiederholen einer Klasse weniger als Bestrafung, sondern vielmehr als Chance für den Schüler. Eine Abschaffung würde zudem dem Leistungsprinzip unserer Gesellschaft widersprechen:

Julia Weise-Holtgräwe (auf Facebook): Interessanterweise findet meine Tochter mit 13 Jahren, dass Sitzenbleiben eine Chance ist. Sie hat sich gegen die Änderung ausgesprochen.

Susanne Heider (auf Facebook): Unserer Tochter hat das Wiederholen der zweiten Klasse sehr viel gebracht. Es ist kein SITZENBLEIBEN!

"Sonntag": In unserer Gesellschaft wird in allen Bereichen Leistung gefordert. Warum sollen diese Prinzipien in den Schulen für das "Volk" abgeschafft werden?

"Fair-Trade": Macht alles gleich. Wofür Leistung? Alle sollen sich wohl fühlen. Keiner darf sich benachteiligt fühlen. Und da wundert Ihr Euch, wenn sich am Ende die Menschen in Scharen bei Hartz-IV einrichten und denken, "wofür denn was tun, es geht doch auch so".

"Ahnender": Aha, es ist also nicht gut, Schüler eine Klasse wiederholen zu lassen? Nach meiner Meinung sollten Schüler, die zu bestimmten Arbeitsweisen nicht in der Lage sind oder den zu lernenden Stoff nicht begreifen können/wollen, durchaus die eben durchlaufene Klassenstufe wiederholen. Wenn wir den Schülern nicht schon in der Schulzeit beibringen, wie das Leben abläuft, wann denn dann?

"msiduna": Bisher wusste ein Schüler: Wenn meine Leistungen nicht ausreichen, dann kann ich die nächste Klasse nicht besuchen. Klare Ansage. Der Grund dafür ist doch nicht, dass man einen Schüler ärgern will, sondern dass er in diesem Jahr bereits den Anforderungen nicht gerecht geworden ist. Die Wiederholung kann da eine echte Hilfe sein. Nun will man die Wiederholung abschaffen, also lautet jetzt die Ansage: Auch wenn du versagst, kommst du in die nächste Klasse. Dort wird er noch weniger durchsehen, aber das macht nichts, er wird ja wieder versetzt. Am Ende der Schulzeit steht dann ein junger Mensch, der bisher nur erlebt hat, dass er versagt. Er wird resigniert haben. Und der soll dann in die Wirtschaft? Welches Unternehmen soll diesem Jugendlichen eine Lehrstelle anbieten? Wie soll sich dessen Leben weiter gestalten? Dieser Vorschlag ist nur Unsinn.

"Pockler": Sitzenbleiben ist keine Lernmotivation, stimmt. Aber sanktionsloses Herumgammeln und Faulenzen erst recht nicht. Die angebliche individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers in seinen spezifischen Problemfeldern ist ein hehres Wunschdenken, mehr nicht. Das liefe auf die generelle Ganztagsbetreuung hinaus, durchaus zu begrüßen. Allerdings laufen dann wieder Vereine, Musikschulen und andere Sturm, da den lieben Kleinen außer Schule gar keine Zeit mehr bliebe. Was will man denn eigentlich?

"Pennäler": Richtig so, weg mit dem Sitzenbleiben, dann kann man endlich sein Abitur auch mit Note Sechs erhalten. Mit einer Sechs im Abi kann man dann noch per Copy-Paste promovieren und seinen Dr. rer. plag. machen und Bundesbildungsminister werden.

"Welle2013": Es ist bereits jetzt ausgesprochen schwierig pubertierenden Kindern zu vermitteln, warum sie in die Schule gehen sollen, das Privileg haben, gehen zu dürfen. Sollte das Sitzenbleiben abgeschafft werden, wird die Leistungsbereitschaft unserer Jugend (ich habe 3 Söhne in diesem netten Alter auf einem bayerischen Gymnasium) rapide sinken. Das Niveau wird sinken, da auch die guten Schüler keinen Sinn mehr darin erkennen können, sich anzustrengen, wenn die "schlechteren" Schüler, die den Stoffe noch einmal wiederholen müssen, immer mitgeschleppt werden. Ich bin froh, dass meine Kinder nicht in Niedersachsen in die Schule gehen.

"Ronaldo": Da wird der weitere Abstieg der leistungsfähigen Gesellschaft eingeläutet. Wer keine Konsequenzen mehr befürchten muss, wenn er nur noch leistungsunwillig ist, zieht auch andere Kinder mit runter. Haben wir nicht heute schon genug Schulabbrecher oder Schwänzer?

"West": Packt unsere Kinder ruhig in Watte. Und wenn sie dann irgendwann mit der Blümchenschule fertig sind und ins Wirtschaftsleben losgelassen werden, bekommen sie einen Schock fürs Leben. Am Ende der Schulzeit steht eine knallharte Leistungsgesellschaft. Und da bekommt man ins Gesicht gesagt, das man zu schlecht, zu doof, zu hässlich oder einfach unfähig ist. Je früher die Kinder lernen, wie es im Leben läuft, umso besser!

Was denken Sie? Sollte das Sitzenbleiben abgeschafft werden? Diskutieren Sie mit in unserer "Eltern-Welt" auf Facebook!

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