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Amok-Prävention in Schulen gibt Lehrern Sicherheit

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Amok-Prävention in Schulen gibt Lehrern Sicherheit

19.03.2013, 16:23 Uhr | Andrea Barthélémy, dpa, AFP, dpa

Amok-Prävention in Schulen gibt Lehrern Sicherheit. Amoklauf: Kreidespuren vom Amoklauf in Winneden. Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März.2009 an der Albertville-Realschule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. (Quelle: dpa)

Kreidespuren vom Amoklauf in Winneden. Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März.2009 an der Albertville-Realschule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. (Quelle: dpa)

Winnenden, Emsdetten, Erfurt. Die Namen dieser Orte haben sich in Verbindung mit tödlichen Amokläufen an Schulen ins Gedächtnis der Deutschen gebrannt. Noch Jahre danach bleibt der Schatten, sind viele Betroffene traumatisiert. Vielerorts gibt es deshalb Präventionsprojekte - aber längst nicht alle Schulen machen mit.

Für Eltern, Schüler und Lehrer ist ein Amoklauf an ihrer Schule der Alptraum schlechthin. Etwa elf hat es seit 1999 in Deutschland gegeben, meist kamen mehrere Menschen dabei ums Leben. Aber wie kann man einen Amoklauf verhindern? Wie kann man potenzielle Gefahr rechtzeitig erkennen, lange im Voraus? Bundesweit versuchen seit einigen Jahren verschiedene Modellprojekte, frühzeitig Aufmerksamkeit zu schaffen. Eines davon, "Netwass" (Network against School Shootings), wurde jetzt evaluiert und abgeschlossen. Mit gutem Erfolg bei den Schulen. "Wir fühlen uns nicht mehr so hilflos", sagt der Berliner Schulleiter Bernd Schönenberger.

Nur eine komische Bemerkung oder Amok-Warnzeichen?

Vor drei Jahren erfuhr der Direktor des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Berlin-Pankow von dem Projekt in einer Schulleiterrunde. "Kurz vorher sprach ich mit einer Kollegin, die eine komische Bemerkung aus dem Schülerkreis aufgeschnappt hatte", erzählt Schönenberger. "Da habe ich erst gemerkt, wie groß die Unsicherheit im Kollegium ist." Die Mehrheit der Kollegen war dann schnell überzeugt von der Idee, beim "Netwass"-Modellprojekt mitzumachen.

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Lehrer: "Jetzt fühlen wir uns sicherer"

Das bedeutete für die gesamte Lehrerschaft einen Nachmittag extra Schulung und für das fünfköpfige Krisenteam zusätzlich mehrere Fortbildungstage. "Da haben wir dann alles durchgespielt, den Umgang mit den Checklisten, auch Drucksituationen", sagt Schönenberger. "Das war ein großer Gewinn. Jetzt fühlen wir uns sicherer, haben konkrete Ansprechpartner und kennen das Notfall-Prozedere."

Warum Schulleiter beim Thema Amok-Prävention blocken

Der zusätzliche Zeitaufwand schreckt aber offenbar einige Schulen ab, zumal das Thema Amok gerne verdrängt wird. "Schüler sind normalerweise sehr aufmerksam und möchten Hinweise weitergeben, aber sie treffen immer wieder auf Erwachsene, die Angst haben und den Kopf in den Sand stecken", berichtet die Kriminologin Britta Bannenberg von der Uni Gießen. Viele Schulleiter seien gar nicht gewillt, das Thema Krisenprävention in die Schulen hineinzulassen - auch aus Angst vor Überlastung. Hinzu kommen, nach Ansicht der Experten, politische und föderalistische Gründe.

Wichtig zu wissen, wie man auf Gewaltdrohungen reagiert

Dabei ist diese Art von Krisenprävention sogar via E-Learning zu erlernen: "Es braucht gar nicht unbedingt ein mehrtägiges Seminar, es gibt auch andere Wege", bestätigt Herbert Scheithauer, der "Netwass" an der FU Berlin entwickelte. Das Feedback der über 100 Teilnehmerschulen in Berlin, Brandenburg und Baden-Württemberg scheint dies zu bestätigen. Fast alle Schulen blieben im siebenmonatigen Testzeitraum dabei.

An mehr als 80 Prozent dieser Schulen wurden in dieser Zeit insgesamt über 240 Vorfälle gemeldet - die meisten erwiesen sich als harmlos. Einige Male gab es auch Gewaltandrohungen. Die meisten Fälle hätten sich auf das Mobbing eines Schülers oder einer Schülerin bezogen. Mehr als zehn Fälle hätten mehrere Faktoren enthalten, die aus der Forschung zu Amokläufen an Schulen bekannt gewesen seien. Dank der Schulung der Lehrer hätten diese die betroffenen Schüler auffangen können.

Analysen von Amokläufen fließen in die Prävention ein

Auch die Ergebnisse des neugestarteten Forschungsprojekts "Targert" (Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt) sollen künftig in die Verbesserung von Präventionsansätzen wie "Netwass" oder Sichere Schule einfließen. "Wir haben nun viel Zeit für die Frage: Müssen wir bei Prävention und Intervention vielleicht auch etwas umstellen?", ergänzte TARGET-Projektpartner Andreas Zick von der Uni Bielefeld.

Das Kollegium des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums sieht schon Fortschritte. "Uns ist natürlich klar, dass wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfen", sagt Schulleiter Schönenberger. Darüber hinaus gibt es an der Schule deshalb eine Amok-Alarmanlage und von innen verschließbare Türen. "Aber das Feedback ist gut. Und wenn man etwas tut, ist das immer positiv."

Chronologie: Amokläufe in Deutschland

  • März 2009: In seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht erschießt ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er seinem Vater entwendet, einem Sportschützen.

  • November 2006: Mit Gewehren, Sprengfallen und Rauchbomben bewaffnet, überfällt ein 18-Jähriger in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) seine frühere Schule. Er schießt vier Schüler und den Hausmeister an. Mehr als 30 Menschen erleiden Rauchgasvergiftungen oder einen Schock.
  • Juli 2003: Ein 16-jähriger Realschüler schießt in Coburg (Bayern) während des Unterrichts auf seine Klassenlehrerin und verletzt eine Schulpsychologin. Die Lehrerin bleibt unverletzt. Der Junge tötet sich selbst. Seine beiden Waffen hatte er sich aus dem verschlossenen Waffenschrank seines Vaters besorgt.

  • April 2002: Mit Pistole und Pumpgun erschießt ein ehemaliger Schüler eines Erfurter Gymnasiums 16 Menschen und sich selbst. Die meisten Opfer sind Lehrer. Der 19-Jährige war der Schule verwiesen worden und Mitglied eines Schützenvereins.

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