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Allensbach-Umfrage: Deutsche Schule in der Kritik

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Studie zum Bildungsalltag  

Eltern und Lehrer kritisieren sich gegenseitig

24.04.2013, 17:30 Uhr | t-online.de, dpa

Allensbach-Umfrage: Deutsche Schule in der Kritik. Lehrer wie auch Eltern sehen eine Kluft zwischen Ideal und Realität im deutschen Schulsystem. (Quelle: imago)

Lehrer wie auch Eltern sehen eine Kluft zwischen Ideal und Realität im deutschen Schulsystem. (Quelle: imago)

Schule soll die Begabungen von Kindern individuell fördern - das sagt die große Mehrheit der Lehrer laut der Studie "Hindernis Herkunft: Eine Umfrage unter Schülern, Lehrern und Eltern zum Bildungsalltag in Deutschland", die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat. Doch dafür fehle im Schulalltag einfach die Zeit. Tatsächlich nehme die Chancenungerechtigkeit in der Bildung heute eher zu als ab. Das sagen Lehrer und Eltern zum Zustand der "deutschen Schule" und so bewerten sie sich gegenseitig.

Wie die Studie zeigt, sind fast alle Lehrer in Deutschland (96 Prozent) davon überzeugt, dass der soziale Hintergrund des Elternhauses die Leistung von Schulkindern beeinflusst - 83 Prozent halten diesen Einfluss sogar für groß bis sehr groß. Mehr als jeder zweite Pädagoge (54 Prozent) glaubt zudem, dass die Leistungsunterschiede zwischen Schülern aus einkommensstärkeren und -schwächeren Elternhäusern in den vergangenen fünf bis zehn Jahren eher zugenommen haben - besonders an Haupt- und Realschulen. Außerdem sei der Unterricht wie der Umgang mit den Schülern deutlich schwieriger geworden. Verantwortlich werden dafür vor allem Defizite im Elternhaus gemacht.

Individuelle Förderung kaum möglich

Zwar nennen 75 Prozent der Lehrer die "gezielte Förderung nach Begabung der Kinder" als ein wesentliches Kriterium für eine gute Schule. Gleichwohl sehen aber nur 29 Prozent der Pädagogen eine Chance, dies an ihrer Schule zu realisieren. Von den Eltern glauben sogar nur 20 Prozent, dass dies unter den gegebenen Umständen möglich ist.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagt, es fehle den Lehrern für eine individuelle Förderung der Schüler einfach die Zeit - zum Beispiel für Einzel-Nachhilfe. Fast drei Viertel der Lehrer wie auch der Eltern wünschen sich kleinere Klassen.

Weite Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Ansprüche und Realität im Schulalltag klaffen im Urteil von Pädagogen und Eltern auch bei anderen Kriterien für eine gute Schule weit auseinander: Bei der Beurteilung dessen, was eine ideale Schule ausmacht, sind sich Lehrer und Eltern weitgehend einig. 94 Prozent der Lehrer und 92 Prozent der Eltern betonen vor allem das Engagement der Pädagogen, auf deren gute Ausbildung legen 85 Prozent aller Lehrer und 83 Prozent aller Eltern besonderen Wert. Auch in der Gesamtbevölkerung sind 83 Prozent aller Befragten der Meinung, dass der Schulerfolg eines Kindes primär davon abhängt, wie gut dessen Lehrer sind.

Allerdings teilen Lehrer und Eltern auch die Auffassung, dass die Situation an den Schulen teils weit hinter diesem Ideal zurückbleibt. Ein hohes Engagement der Lehrerschaft erkennen 79 Prozent der Lehrer und 65 Prozent der Eltern, eine gute Ausbildung hingegen nur 64 Prozent aller Lehrer und 46 Prozent aller Eltern. Auch bei geeigneten Räumlichkeiten und gutem Lehrmaterial sehen beide Gruppen großen Nachholbedarf.

Lehrer vermissen Vorbildfunktion bei Eltern

Schüler aus sozial hohen Schichten attestieren sich laut Umfrage häufig selbst gute Leistungen und gehen zu 42 Prozent auch gern zur Schule. Ärmere Kinder schätzen dagegen nur zu 37 Prozent ihre Leistungen als gut ein. Nur jeder vierte aus dieser Gruppe geht gern zur Schule. Für die sozialen Diskrepanzen machen die befragten Lehrer und Eltern vor allem Erziehungsmängel verantwortlich. 84 Prozent der Lehrer und 79 Prozent der Eltern betonen vor allem das fehlende Interesse von Eltern an einer Beschäftigung mit den eigenen Kindern. Auch nennen Lehrer und Eltern Erziehungsmängel im Hinblick auf gewissenhaftes Arbeiten (77 beziehungsweise 76 Prozent), eine fehlende Vorbildfunktion der Eltern (75 beziehungsweise 78 Prozent) und zu wenig Zeit der Eltern für ihre Kinder (69 beziehungsweise 65 Prozent) als Hauptursachen.

Zugleich beklagt aber auch die Mehrzahl der Lehrer, dass andere Eltern immer stärker versuchten, Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts und auf die Notenvergabe zu nehmen. Dies gilt laut der Befragung in besonderem Maße für die Grundschulen.

Pädagogen halten Jugendliche für ihre Schulform nicht ausreichend qualifiziert

Fast zwei Drittel der befragten Gymnasiallehrer (62 Prozent) sind der Ansicht, dass ein wachsender Anteil von Jugendlichen für ihre Schulform nicht ausreichend qualifiziert ist. Besonders ausgeprägt ist diese Auffassung bei älteren Philologen und bei den Lehrern an Gymnasien der neuen Bundesländer.

Immer mehr Eltern gegen das mehrgliedrige Schulsystem

Laut Allensbach-Umfrage hat die Akzeptanz des mehrgliedrigen Schulsystems in der Bundesrepublik in der Gesamtbevölkerung weiter abgenommen. Nur noch 51 Prozent plädieren für die Beibehaltung der gegenwärtigen gegliederten Schulstruktur und damit gegen ein längeres gemeinsames Lernen. Im Vorjahr waren dies noch 58 Prozent. Von den befragten Pädagogen sprechen sich dagegen 59 Prozent gegen eine Gemeinschaftsschule aus, bei den Eltern schulpflichtiger Kinder sind dies 54 Prozent.

Neben einem repräsentativen Querschnitt von Lehrern an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland wurden für die Allensbach-Studie insgesamt 1804 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahren befragt, darunter 543 Eltern schulpflichtiger Kinder. Daneben floss auch die Befragung eines repräsentativen Querschnitts von insgesamt 614 Schülern ab Klassenstufe 5 an weiterführenden Schulen in Deutschland in die Untersuchung ein.

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