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Hortplatz gesucht: Betreuung von Schülern

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Hortplätze  

Hortplatz verzweifelt gesucht! Wie steht es um die Betreuung von Schulkindern?

03.05.2013, 15:19 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Hortplatz gesucht: Betreuung von Schülern. Viele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einem Hortplatz für ihr Kind. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einem Hortplatz für ihr Kind. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ab August 2013 haben Eltern ein einklagbares Recht auf einen Krippen- oder Kitaplatz. Dann kann man die Betreuung für Kinder vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr vor Gericht durchsetzen. Für die anschließende Schulzeit gibt es allerdings keine gesetzlichen Garantien. Für viele berufstätige Eltern und insbesondere für Alleinerziehende ist dies ein echtes Problem, denn vor allem in Ballungsräumen der alten Bundesländer sind Hortplätze gerade für ABC-Schützen häufig eine äußerst begehrte Rarität.

Anette aus Frankfurt ist alleinerziehend und frustriert, denn gerade hat sie erfahren, dass ihre Tochter, die im Sommer eingeschult wird, bei der Hortplatzvergabe leer ausgegangen ist und das obwohl sie sich in mehreren Einrichtungen beworben hatte. Für die junge Mutter kommt das einer Katastrophe gleich: "Wenn da bis zum Sommer kein Wunder geschieht", erzählt Anette, "kann ich meinen Job an den Nagel hängen, denn die Erstklässler haben am Anfang manchmal schon um 11.30 Uhr Unterrichtsende."

Mit der Einschulung gibt es kein "Recht" mehr auf Betreuung

Christina und ihrem Mann ergeht es mit ihren beiden schulpflichtigen Söhnen nicht viel anders. Gerade ist die Familie aus beruflichen Gründen nach Frankfurt gezogen und benötigt für ihre Jungs,  die keine Ganztagsschule besuchen, nun ebenfalls Betreuungsplätze bis zum Nachmittag. In verschiedenen Horten stehen sie auf der Bewerberliste - doch eine Zusage haben sie noch nicht. "Es ist ja schön und gut", meint Christina, "dass der Gesetzgeber jetzt endlich verbindliche Regelungen für kleinere Kinder schafft. Aber kaum fängt das Schulleben an, schaut man wieder in die Röhre. Das ist absurd und nicht familienfreundlich. Das bringt vor allem Mütter garantiert nicht zurück in den Beruf. Die verantwortlichen Politiker sollten doch besser das 'Heimchen-am-Herd-Betreuungsgeld' in die Betreuung von Schulkindern stecken. Das wäre zeitgemäß."

Viele Eltern sind ratlos und frustriert

Auch Petra Strübel-Yilmaz vom Sozialkritischen Arbeitskreis Darmstadt (SKA), der in der Beratungs-, Bildungs- und Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen in Kitas, Horten und Jugendzentren aktiv ist, kennt die Ratlosigkeit vieler Eltern, wenn die Suche nach einem Hortplatz beginnt: "Kürzlich rief mich eine verzweifelte Mutter an, die noch keine Betreuung für ihr schulpflichtiges Kind hat", so die Sozialpädagogin. "Die zwangsläufige Alternative für sie ist nun, ihren Job zu kündigen."

Dabei sei die Situation in Darmstadt im Vergleich zu anderen Städten noch recht gut, berichtet Petra Strübel-Yilmaz. Dennoch sei die Nachfrage größer als das Angebot: "So gibt es für kommendes Schuljahr etwa an einer Grundschule im dicht besiedelten Darmstadt-Kranichstein noch über 30 angemeldete Schulanfänger, die nicht im angeschlossenen Hort unterkommen, obwohl das Platzangebot ausgeweitet wurde."

In Großstädten sind die Engpässe besonders groß

Dass das Hortdilemma in Großstädten in den nächsten Jahren eher noch größer wird, zeigen aktuelle Zahlen, die etwa aus Nürnberg vorliegen: Rund 5400 Hortplätze stehen dort derzeit für Grundschulkinder zur Verfügung. Über 1200 Absagen musste die Stadt bislang verschicken. Das bedeutet eine Versorgungsquote von 36 Prozent. Nach Angaben des Jugendamtes wird der Bedarf in den nächsten Jahren wahrscheinlich sogar bis auf 60 Prozent steigen. Dann müsste die fränkische Stadt rund 3900 Hortplätze schaffen - ein Ziel, das voraussichtlich nur schwer erreicht werden kann, denn die finanziellen Möglichkeiten sind gering und die Suche nach geeigneten Standorten beziehungsweise Räumlichkeiten für neue Einrichtungen gestaltet sich entsprechend schwierig. Das gilt für die meisten Ballungsräume.

Keine zentrale Koordination bei der Platzvergabe

Verschärft wird das Problem in vielen Städten auch durch fehlende Transparenz und die chaotische Platzvergabe. Um auf Nummer sicher zu gehen, füllen etwa in Frankfurt am Main Eltern manchmal bis zu zehn Anmeldeformulare aus, um so die Chance auf einen Betreuungsplatz zu erhöhen. Ob man dann nach dem nervenaufreibenden Kampf um eine günstige Position auf den endlosen Wartelisten irgendwo angenommen wird, erfährt man häufig erst kurz vor Beginn des Schuljahres. Schriftliche Absagen werden zumeist wegen des hohen Verwaltungsaufwandes erst gar nicht geschrieben.

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"Zu viele Träger sind hier oft im Spiel und nirgendwo laufen die Fäden koordiniert zusammen. Durch die fehlende Vernetzung haben Eltern keinen Überblick, wo noch freie Plätze zu bekommen sind", kommentiert SKA-Leiterin Strübel-Yilmaz. "Jede Schule müsste eigentlich eine Liste mit 'Hortwunsch' erstellen und diese müsste dann zentral abgeglichen werden. Die Stadt Darmstadt bemüht sich gerade um eine entsprechende Software."

"Kita-Navigator" kann Bewerbungen erleichtern

Ein zentrales Vergabeverfahren, das auch Krippen und Kindergärten einschließt, könnte auch in Frankfurt bald Abhilfe schaffen. Vorbild ist der Düsseldorfer "Kita-Navigator". Dieser liefert Eltern abhängig von verschiedenen Suchkriterien wie geografischer Lage der Schule und des Wohnortes, Kindesalter, pädagogischem Angebot und Betreuungsumfang eine Liste von geeigneten Einrichtungen. Sagt eine zu, genügt ein Klick auf das Feld "Anmelden", um sich vormerken zu lassen. Via Internet können Mütter und Väter dann verfolgen, ob ein Platz zum gewünschten Termin frei wird.

Ganztagsschule statt Hort in Hamburg

Trotz Anmeldenavigation sind Eltern ihre Sorgen noch lange nicht los, denn eine Platzgarantie im Hort gibt es auch durch mehr Transparenz nicht. Die Stadt Hamburg beispielsweise versucht diesem Notstand nun durch ihr Projekt "Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen" (GBS) entgegenzuwirken. Die Initiative, die bisher als Modellversuch lief, soll ab kommendem Schuljahr flächendeckend umgesetzt werden und die Kapazitäten so vergrößern, dass etwa 10.000 Kinder mehr als bisher im neuen System "unterkommen".

Die Nachmittagsbetreuung soll dann ausschließlich in den Schulen stattfinden und die etablierten Horte, die bisher von Kindergärten- und Jugendhilfe-Einrichtungen getragen werden, sollen aufgelöst werden. Dabei wurde in Aussicht gestellt, dass den Eltern so weniger Kosten entstünden, denn bezahlt werden müssten nur noch das Mittagessen und die Ferienangebote. Morgens lernen die Kinder also in ihren Klassenräumen Lesen und Rechnen und mittags nach dem Schichtwechsel machen sie an selber Stelle unter Aufsicht externer Kooperationspartner Hausaufgaben oder können spielen.

Horte bieten intensivere pädagogische Betreuung

Betroffene Eltern kritisieren inzwischen die Umsetzung dieser "Verzahnung", denn es mangele nicht nur an angemessenen Räumlichkeiten, sondern auch an kreativen Angeboten, die oft ohne pädagogisches Konzept seien. In Elternforen fällt das Echo dementsprechend kritisch aus: Von "Verwahrung ohne Wohlfühlatmosphäre" ist die Rede und von "Etikettenschwindel", denn die Betreuung reiche bei weitem nicht an die üblichen Hortmaßstäbe heran und auch Lehrer seien nachmittags bedauerlicherweise nicht mehr eingebunden.

Viele Eltern vermuten sogar, dass bei dieser Politik sogar Geld gespart werden soll, denn ein Hort muss anderen Kriterien genügen als etwa eine "betreuende Schule". "Horte bieten grundsätzlich eine intensivere pädagogische Betreuung", erklärt Strübel-Yilmaz. "Eine Schulbetreuung wird dagegen eher 'low-level' gefahren und braucht nur 50 Prozent Fachpersonal, währen in einem Hort alle Mitarbeiter Pädagogen sein müssen. Das ist ein echter Qualitätsunterschied."

Forderung: Auch gesetzlicher Betreuungsanspruch für Schüler

Doch wie kann das Problem der Schulkindbetreuung in Zukunft gelöst werden, so dass vor allem der Nachwuchs berufstätiger Eltern auch über die Kindergartenzeit hinaus eine hochwertige pädagogische Betreuung genießt? Rudolf Seiters, der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das bundesweit rund 1300 Kindertagesstätten betreibt, forderte dazu kürzlich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass der Gesetzgeber den rechtlichen Anspruch auf Betreuung auf Kinder bis zum 13. Lebensjahr ausweiten solle. Dies würde den Staat zwar rund 2,4 Milliarden Euro jährlich kosten, doch durch die steigende Erwerbsbeteiligung vor allem von Alleinerziehenden könnten gleichzeitig etwa 400 Millionen Euro Transferleistungen eingespart werden und rund 1,4 Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zusätzlich eingenommen werden.

"Neue pädagogische Standards müssen geschaffen werden"

Petra Strübel-Yilmaz sieht in der gesetzlichen Verbindlichkeit ebenfalls eine Chance, den Betreuungsengpass auch für schulpflichtige Kinder langfristig zu lösen. "Es wäre sehr wichtig, wenn es vor allem für Grundschüler eine Ganztagsgarantie gäbe - ohne wachsweiche Formulierungen wie beispielsweise 'bedarfsgerecht'. Neben den Horten könnten dann Ganztagsschulen, die immer automatisch bis 16 Uhr geöffnet haben, die Betreuung übernehmen und bei längerem Bedarf durch kostenpflichtige Angebote ausweiten. Die Tage müssten allerdings völlig anders gegliedert werden und auch hier sollte nur pädagogisches Fachpersonal präsent sein. Um all dies aber gut planen zu können, braucht man genau definierte, verbindliche pädagogische Standards. Diese fehlen bisher aber noch."

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