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Talk bei Günther Jauch: "Hälfte der Lehrer hat Beruf verfehlt"

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"50 Prozent der Lehrer haben ihren Beruf verfehlt"

06.05.2013, 11:37 Uhr | Martin Mrowka, t-online.de

Talk bei Günther Jauch: "Hälfte der Lehrer hat Beruf verfehlt". In Günther Jauchs Talk-Runde am 5. Mai ging es um das Thema Schule. (Quelle: imago)

In Günther Jauchs Talk-Runde am 5. Mai ging es um das Thema Schule. (Quelle: imago)

Eigentlich sollte es bei Günther Jauch am Sonntagabend ums Sitzenbleiben gehen, um die mögliche Abschaffung von Zensuren und um eine Bildungsreform in Deutschland. Doch weder die eingeladenen Talk-Gäste Precht, Sarrazin, Laschet und Akbas noch Jauch konnten eindeutige Wege für die künftige Schule aufzeigen. Dafür blieb eine Aussage von einem Gast im Studio hängen: Jens Großpietsch, Schulleiter der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule aus Berlin-Moabit meint, dass die Hälfte aller Lehrer besser einen anderen Beruf gewählt hätte.

Günther Jauch hatte es nicht einfach. Sein Thema "Notendruck, Sitzenbleiben - weg mit der alten Schule?" spannte einen großen Bogen über das deutsche Bildungssystem: Von Kaugummi bis Goethe. Präzise Antworten oder gar Rezepte für die Bildungspolitiker blieben indes Mangelware.

Precht: Notensystem abschaffen

Immerhin - Denk-Ansätze waren erkennbar. Bildungsreform-Forderer Richard David Precht plädierte einmal mehr für eine neue Art von Unterricht, in der projektbezogenes Lernen gefördert werden sollte. Das Bildungsniveau des Schülers müsse gemessen werden, wichtig sei die Antwort auf die Frage: Was hat jemand fürs Leben gelernt? Das alte Notensystem in Deutschland sowie das Sitzenbleiben seien nicht mehr zeitgemäß.

Auch Ursula Sarrazin, ehemalige Grundschullehrerin und Ehefrau von Thilo Sarrazin, bekannte: "Das deutsche Bildungssystem hat Mängel." Noten seien dabei ein kleines Übel, da sie sehr klassengebunden sind und oftmals Schüler in schwachen Klassen benachteiligen.

Kein Schüler soll ohne Abschluss gehen

Armin Laschet, der kurzfristig für den erkrankten Volker Bouffier eingesprungen war, gab Precht teilweise Recht. Auf Anforderungen des Lebens vorzubereiten halte er auch bildungspolitisch für notwendig. "Wie kann man individuell fördern", so dass keiner die Schule ohne Abschluss verlässt, fragte der stellvertretende Parteivorsitzende der CDU, der in der zehnten Klasse selbst einmal sitzen geblieben war.

Es gibt keine objektiven Lehrer

Einer Abschaffung der Noten steht Laschet indes skeptisch gegenüber. Er kenne viele Kinder, die Noten wollen. Melda Akbas hält Noten ebenfalls für wichtig, auch um sich selbst einschätzen zu können. Die 22-jährige Jura-Studentin schimpft jedoch auf die Lehrer. "Es gibt keinen optimalen Lehrer, der objektiv bewerten kann", so Akbas. Probleme entstünden, weil Lehrer ihre Ausbildung nicht ordentlich machten. Eigentlich müssten sie schwache wie starke Schüler gleich unterrichten, bevorzugten jedoch immer wieder ihre Lieblinge.

Eine neue Art von Gemeinschaftsschule in Berlin

Kaum Probleme mit seinen Lehrern hat indes Jens Großpietsch an seiner Gemeinschaftsschule in Berlin. Sitzenbleiben ist dort abgeschafft, in den Klassen arbeiten jeweils 26 Schüler und zwei Lehrer interaktiv. Schüler helfen Schülern und Lehrer helfen Schülern. Auf Referate und Vorträge werde viel Wert gelegt, die Schüler lernen Selbstsicherheit mit eigenen Themen - etwa zu Kaugummis. Und der Krankenstand in der Lehrerschaft sei extrem niedrig. Die Lehrer seien einfach motiviert, in einer neuen Art Schule zu lehren.

Auf Jauchs Frage, wieviel Prozent der Lehrer insgesamt ihren Beruf verfehlt haben, antwortete Großpietsch nach einem lauten Räuspern: "50 Prozent."

Eine Erklärung lieferte der Berliner Schulleiter gleich mit: "Vor dem Lehrer-Studium wird man nicht gefragt, warum wollen Sie Lehrer werden?" In der Schule dann folgt die Ernüchterung, dass sich die Jugendlichen gar nicht für das Fach interessieren und man sich eher für Jugendliche unterschiedlicher Herkunft interessieren müsse.

Sitzenbleiben wegen mieser Lehrer oder Problemen

Auch das Sitzenbleiben an vielen Schulen liege oft an schlechten Lehrern oder sozialen Problemen. "Sind die Probleme erst mal gelöst, kann jeder Schüler das Jahrgangsziel schaffen", so Großpietsch.

Armin Laschet wehrte sich jedoch gegen die pauschale Beschimpfung der Lehrer. Seiner Einschätzung nach seien die 50 Prozent unfähiger Lehrer zu hoch gegriffen. "Man muss doch mal sehen, was heute von Lehrern erwartet wird, sie müssen familiäre und Erziehungsaufgaben mit übernehmen, sozialen Ausgleich schaffen, in einer Gesellschaft die immer mehr auseinander bricht."  

Kein schlüssiges Fazit der Sendung

Zum Ende der Sendung wurde es literarisch. Bei aller projektbezogenen Lehrtätigkeit zu Klimawandel und Wirtschaftssystemen - fragte Jauch "Ist Goethe nicht mehr wichtig?" Precht verteidigte die klassische Bildung zwar: "Wir können das ganze Wirtschaftssystem am Faust erklären." Doch letztlich reichten die 60 Minuten Sendezeit Günther Jauch bei weitem nicht aus, eine Bildungsreform anzustoßen. In welche Richtung auch immer.

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