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Unterricht im Bunker: Am Hochwald-Gymnasiums in Wadern wird der Kalte Krieg lebendig

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Zum Geschichtsunterricht gehen Schüler in den Bunker

16.05.2013, 15:58 Uhr | Birgit Reichert, dpa

Unterricht im Bunker: Am Hochwald-Gymnasiums in Wadern wird der Kalte Krieg lebendig. Unterricht im Bunker: Schüler des Hochwald-Gymnasiums in Wadern bekommen im Bunker unter ihrer Schule Einblick in die Zeit des Kalten Kriegs.  (Quelle: dpa)

"Ganz schön eng hier!" Schüler des Hochwald-Gymnasiums in Wadern bekommen im Bunker unter ihrer Schule Einblick in die Zeit des Kalten Kriegs. (Quelle: dpa)

Um etwas über den Kalten Krieg zu lernen, geht die Klasse 6a des Hochwald-Gymnasiums in Wadern im Saarland einfach in den Keller. Unter ihrer Schule liegt der frühere Bunker der Landesregierung. Dort sollten Politiker im Kriegsfall Zuflucht finden. Heute werden die Räume von der Schule für Geschichtsunterricht der besonderen Art genutzt. So fühlt sich eine Schulstunde im Bunker an.

Foto-Serie mit 4 Bildern


Der einstige Notbunker war 1959 angelegt worden, um Politikern und Sicherheitskräften im Kriegs- oder Krisenfall als Zufluchtsort zu dienen. Hinter zwei großen Stahltüren verbergen sich vier Räume mit Pritschen, Bänken, Duschen, Toiletten und zwei Notausstiegen. "Es ist eng", sagt die elfjährige Emely. "Hier würde ich es nicht lange aushalten."

"Alles war geheim, geheim und nochmals geheim"

In den kühlen Räumen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Verstaubte Gasmasken liegen neben einer Belüftungsanlage. Im Geräte- und Betriebsbuch sind Bunkerkontrollen seit 1969 akribisch festgehalten. "Die Schule wusste damals zwar von dem Bunker, hatte aber keinen Schlüssel. Alles war geheim, geheim und nochmals geheim", erzählt Haustechniker Peter Bonerz (52). Die Kontrolleure kamen vom saarländischen Innenministerium, mal alle paar Tage, mal alle paar Wochen. Bis vor 20 Jahren. Der letzte handschriftliche Eintrag stammte vom November 1993: "Schalter in Hauptverteilung muss auf 'Auto"' stehen", heißt es unter anderem darin.

Bedrohung des Kalten Krieges ist hier noch spürbar

Seit Mitte 2010 darf das Gymnasium die Bunkeranlage nutzen. Die Schüler der 6a probieren alles aus: Sie legen sich auf die schmalen Etagenpritschen, kurbeln an der Belüftungsanlage, studieren den alten Fernschreiber, klettern in den Notausstieg und wählen an den Scheiben der alten Telefone. "Es ist ein Geschenk für eine Schule, einen solchen historischen Ort zur Verfügung zu haben, an dem man Geschichte erspüren und erfahren kann", sagt Schulleiterin Ellen Küneke.

Die saarländische Landesregierung hatte zur Zeit des Kalten Krieges die Kleinstadt Wadern als möglichen Ausweichsitz ausgesucht, "weil dies ein Ort ist, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und niemand etwas Politisches vermutet", erklärt die 57-Jährige. Der Plan sei gewesen, vom Bunker aus nach einem Angriff durch konventionelle oder atomare Waffen einen Gegenschlag zu organisieren. Heute sei klar: "Die Menschen hätten hier nur ein paar Tage überlebt", sagt Haustechniker Bonerz. Der Stand der Technik sei damals ein anderer gewesen.

Ein paar Tage im Bunker? Nur mit Internet!

Laura Görgen aus der achten Klasse findet es "sehr beengt" unter Tage. "Man wäre schon lieber wieder oben, wo Tageslicht ist", erzählt die 14-Jährige. Dass ihre Schule solch eine Anlage im Keller hat, findet sie aber toll. "Das ist was Besonderes." Zu dem Bunker gehörte eine eigenes Telefonnetz mit 50 Apparaten und ein eigenes Stromnetz, das mit einem Generator betrieben wurde. Die Notausstiege enden auf dem Schulhof.

Die Schüler untersuchen neugierig die Räume und stellen viele Fragen. "Mich erstaunt, wie offen und frei die Kinder mit der Problematik umgehen", berichtet Küneke. "Hier ist ein völlig anderer Zugang zur Geschichte möglich." Schüler Janis sagt nach dem Bunkerbesuch: "Ich könnte ein paar Tage hierbleiben." Und fügt hinzu: "Aber nur mit Internet."

Vor Ort über den Kalten Krieg forschen

Das Gymnasium mit rund 850 Schülern nutzt die Räume auch für Führungen am Schulfest. Zudem plant Leiterin Küneke, das Thema Bunker in einem Seminarfach in der Oberstufe zu integrieren. "Neben einer wissenschaftlichen Arbeit zum Kalten Krieg könnten die Schüler auch praktischen Forschung vor Ort betreiben", sagt die Historikerin. Für sie sei der Aufenthalt im Bunker aber stets eine gewisse Herausforderung: "Ich habe Klaustrophobie und muss an mir arbeiten, um ruhig und gelassen zu sein."



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