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Richard David Precht: Erneuerung der Schule von unten

04.06.2013, 15:12 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Richard David Precht: Erneuerung der Schule von unten. Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht. (Quelle: dpa)

Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht. (Quelle: dpa)

Ganz oben rangiert es mittlerweile auf den Bestsellerlisten: Richard David Prechts populärwissenschaftliches Buch "Anna, die Schule und der liebe Gott". Darin geht der Philosoph und Vater schulpflichtiger Kinder hart mit unserem Bildungssystem ins Gericht, bezeichnet Schulen als "veraltete Lernfabriken", die systematisch Kreativität töten, und fordert statt Stückwerk-Reformen umfassende und radikale Veränderungen, die in der Politik ansetzen müssten. Gegenüber dem SWR erklärte er: "Meine Revolution besteht darin, die Macht den Schulen und den Kommunen zu geben, die der Kultusminister zu verkleinern." Dies bedeute: Reduzierung des Bildungsföderalismus und Erneuerung der Schule von unten - ohne das sozial ungerechte dreigliedrige Schulsystem.

Nachhaltiges Lernen durch fachübergreifenden Unterricht

In einer solchen Schule mit individuellem Gestaltungsspielraum, in der "gleichmachende" Schuluniformen getragen würden, sollen die Lernmethoden umgekrempelt werden. Das heißt für Precht: Abschied nehmen vom "abgrenzenden" Fachunterricht im 45-Minuten-Takt. Dabei könnten keine komplexen Zusammenhänge vermittelt werden und die Schüler würden nur einen Bruchteil des Gelernten nachhaltig im Gedächtnis behalten, lernten lediglich nach dem "Bulimie-Prinzip", um in Prüfungen zu bestehen. "Ich würde Geschichte und Deutsch nicht isoliert unterrichten", so Precht gegenüber derwesten.de: "Ich würde in Teams arbeiten. Drei oder vier Lehrer planen ein Projekt zusammen. Zum Beispiel Klimawandel. Oder: Goethe und seine Zeit. Da könnte man 'Faust' lesen, vom Geschichtslehrer etwas über die Zeitumstände erfahren, in Chemie vielleicht alchemistische Experimente durchführen. Das wäre ein Panorama der Zeit!"

Kein Klassenverband, keine Noten, kein Sitzenbleiben

Eine solche kooperierende Unterrichtsform, an der mehrere Pädagogen als Team beteiligt sind, bedarf nicht mehr unbedingt eines Klassenverbandes, so Precht. Kinder können am Anfang eines Schuljares aus einer Palette von Projekten auswählen und die verschiedenen Aspekte und Facetten eines Themas je nach individueller Begabung, Interesse oder Alter entsprechend erarbeiten - beispielsweise einzeln oder in kleineren Lerngruppen. Die logische Folge dieses offenen Konzeptes wäre die Abschaffung der Ziffernzensuren zugunsten von individuellen Beurteilungsschreiben sowie das Wegfallen des Sitzenbleibens.

Teamunterricht mit Unterstützung von "außen"

Dass dieses Konzept besonders personalintensiv ist, weiß Precht. Es sei aber dennoch nicht teurer als das alte System, so seine Einschätzung im Interview mit derwesten.de: "Natürlich bräuchten wir mehr Lehrer. Aber da könnte man Freiwillige zur Unterstützung heranziehen, die etwas zu erzählen haben und die in den Projekten mitarbeiten können. Und die kosten gar nichts. Wie viele fitte Pensionäre haben wir in Deutschland? Der ehemalige Physikprofessor, der am Teilchenbeschleuniger gearbeitet hat und jetzt im Garten die Geranien gießt und seiner Frau auf die Nerven geht - der wäre doch eine Bereicherung für jede Schule!"

Angehende Pädagogen werden in Lehrerakademien gecastet

Funktionieren können all diese Veränderungen jedoch nur, wenn auch die Lehrer drauf eingestellt sind und in der Schule das Zwischenmenschliche, die soziale Kompetenz mehr in den Fokus rückt. Dazu müsste allerdings die pädagogische Ausbildung andere Schwerpunkte setzen, so die Forderung von Philosoph Precht bei welt.de: "Lehramtsstudenten sollen in ihrem Fach richtig gut werden. Sie sollen für Lehrerakademien gecastet werden, die ich wie Schauspielschulen formen würde: Darstellungskunst, Atemtechnik, Rhetorik. Theoretisches Didaktikwissen braucht man dagegen so gut wie gar nicht. Die Lehrer sollen Beweglichkeit lernen und beweglich bleiben, statt sich immer gleichen Stoffvorhaben zu unterwerfen."

Obwohl die Reformvorschläge Prechts dank seiner Medienpräsenz gerade überall eifrig diskutiert werden, sind seine Ideen nicht neu. Nicht nur in Skandinavien werden Schüler seit langem in ähnlicher Weise unterrichtet. Auch in deutschen reformpädagogischen Schulen setzt man seit über hundert Jahren vergleichbare Konzepte erfolgreich um. Und es gibt mittlerweile immer mehr "normale" Schulen in Deutschland, die bereits neue Unterrichtsstrukturen ausprobieren.

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