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Interview: Was macht "Star Wars" so faszinierend für Kinder?

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Interview  

Was macht "Star Wars" so faszinierend für Kinder? Expertin erklärt das Phänomen

30.08.2013, 10:06 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Viele "Star Wars"-Fans der ersten Stunde sind heute Eltern und fragen sich, wie sie jetzt damit umgehen sollen, wenn ihre Kinder begeistert ins "Krieg-der-Sterne"-Imperium eintauchen möchten. Die Elternredaktion von t-online.de hat nachgefragt und ein Gespräch geführt mit Dr. Maya Götz, Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin.

t-online.de: Warum übt das Krieg-der-Sterne-Imperium so eine Anziehungskraft vor allem auf Jungs aus?

Götz: Kinder suchen in den Medien etwas, was ihnen Stärke gibt und wo sie auch mal Alltagsfrustration mit Fantasie ausgleichen können. Und gerade die kleineren Jungs sind im Alltag oft frustriert: Sie erleben sehr viele machtvolle Frauen in ihrem Umfeld und haben es schon dadurch schwerer in unserer Gesellschaft. Jungs werden ständig ermahnt, weil sie nicht stillsitzen, nicht zuhören, stören, aggressiv sind – sie fühlen sich nicht anerkannt, denn alles, was sie machen scheint falsch zu sein. Das stellt sie vor große Herausforderungen. Bei "Star Wars" aber dominieren Männer und männliche Wesen. So können die Jungs einen Teil ihrer Identität ausleben und sich beweisen, denn genau das möchten sie nämlich gerne.

Hier beißt sich der Judo-Meister die Zähne aus

Gegen diese kleine Naturgewalt ist kein Kraut gewachsen.

Gegen diese kleine Naturgewalt ist kein Kraut gewachsen.


t-online.de: Welche Rolle spielt dabei das berühmte Laserschwert?

Götz: Es ist ein ganz besonderes Symbol von Stärke, Weisheit und Kraft. Aber vor allem ist es natürlich ästhetisch anregend, sieht schön aus, macht tolle Geräusche und leuchtet im Dunkeln. Das hat etwas schon etwas leicht Magisches.

t-online.de: Seltsamerweise kennen sich schon Kindergartenkinder oft bestens bei "Star Wars" aus. Wie kann das sein bei Altersfreigaben von mindestens sechs, meistens zwölf Jahren?

Götz: Die Kinder müssen die Filme oder die Serie gar nicht gesehen haben. Es genügt das, was sie von älteren Geschwistern hören oder irgendwo mitbekommen. Das erzählen sie sich dann untereinander. Jeder gibt ein bisschen was dazu. Hinzu kommt: Wichtiger als die Story an sich sind bei Kindern sowieso die Statussymbole, denn mit Lizenzprodukten wie T-Shirts und Co kann man in der Hierarchie gewaltig nach oben klettern. Ganz wichtig ist aber, dass man als Erwachsener hier nichts verwechselt. Wenn Kinder darüber reden, heißt das noch lange nicht, dass sie den Film auch sehen wollen.

t-online.de: Was ist, wenn kleinere Kinder zum Beispiel durch größere Geschwister doch mal die Möglichkeit erhalten, einen Blick auf düstere Szenen zu erhaschen?

Götz: Das kann passieren. Es sollte aber die absolute Ausnahme bleiben. Und wenn es passiert ist, ist es wichtig, die Verunsicherung, die das Kind dadurch erlebt, zu bearbeiten. Das heißt, den Realitätsbezug noch einmal klarzumachen, gezielt darüber zu sprechen und vor allem gezielt Sicherheit geben. Damit das Kind einen Weg findet, mit der entstandenen Angst umzugehen.

t-online.de: Spielt es dabei eine Rolle, ob das Kind schon in der Lage ist, Film von Wirklichkeit zu unterscheiden?

Götz: Nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Die Kinder können das noch nicht verarbeiten, sind überfordert. Die Musik, die dunklen Szenen, einstürzende Bauten, explodierende Raumschiffe – das alles geht ins Unterbewusstsein, macht Angst. Nehmen Sie den "Weißen Hai" als Beispiel. Schauen Sie sich doch einmal morgens den Film an und gehen sie danach in einem harmlosen deutschen See schwimmen. Wenn Sie dann in sich hineinhorchen, werden Sie feststellen, dass Sie Angst, zumindest aber ein mulmiges Gefühl haben.

t-online.de: Umfragen haben gezeigt, dass vor allem Anakin Skywalker hoch im Kurs steht. Aber nicht nur er, sondern auch eher komische Figuren wie Meister Yoda oder R2-D2 haben ihre kindliche Fangemeinde…

Götz: Gerade solche Figuren zeigen dem Kind, dass es auch als kleiner Mensch etwas bewegen kann. Ich bin nicht perfekt, ich bin nicht der Held, aber ich bin trotzdem wichtig. Nicht jeder Junge geht automatisch in der Hauptfigur auf. Es lohnt sich sogar, sich mal ganz in Ruhe erzählen zu lassen, welche Figur ein Kind gut findet und vor allem warum. Da bekommt man sozusagen auf dem Silbertablett serviert, wie es ihm geht. Gerade "Star Wars" bietet vielfältige Figuren zum Identifizieren. Aber natürlich spielt die Identifikation mit den jugendlichen Helden auch hier eine große Rolle. Durch sie wird nicht nur die Welt gerettet, es werden auch sehr tiefgehende Themen angesprochen wie zum Beispiel die Auseinandersetzung mit dem dominanten Vater.

t-online.de: Womit wir psychologisch gesehen wieder bei der Stellung der Jungs in der heutigen Gesellschaft wären?

Götz: Auf jeden Fall. Unsere Gesellschaft ist im Umbruch und gerade Jungs müssen ihren Weg neu finden. Sich fragen: Was für ein „Mann“ will ich sein? Und inwiefern muss ich mein Ideal des Vaters für mich töten? Letztendlich ist es eine neue Form des Märchens – mit den damit verbundenen Ängsten. Was heißt es, wenn ich mich auf dunkle Mächte einlasse und worauf will ich mich gar nicht erst einlassen? Mädchen hatten es da schon immer einfacher. Die Prinzessin ist etwas Besonderes, einfach nur, weil sie da ist. Ein junger Prinz aber muss mindestens drei Drachen töten, um etwas wert zu sein.

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