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"Stern TV" über LdS: Kinder in Deutschland können nicht mehr schreiben

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Lesen durch Schreiben  

"Wenn man laut liest, versteht man, was die Kinder meinen"

24.10.2013, 12:48 Uhr | tze, t-online.de

"Stern TV" über LdS: Kinder in Deutschland können nicht mehr schreiben. "Liba Fata" - "Lesen durch Schreiben" ist als Lehrmethode höchst umstritten.  (Quelle: imago)

"Liba Fata" - "Lesen durch Schreiben" ist als Lehrmethode höchst umstritten. (Quelle: imago)

"Liba Fata", beginnt ein Brief, der bei Henryk Wichmann Rührung und Zorn zugleich auslöst. Die neunjährige Tochter gratuliert ihm zum "Fata tag", so wie sie in der Schule schreiben gelernt hat. Was läuft schief in den Grundschulen? In einem Beitrag der gestrigen Ausgabe "Stern TV" ging es um die umstrittene Lehrmethode "Lesen durch Schreiben".

Die LdS-Methode wird seit etwa 15 Jahren in Schulen in allen Bundesländern praktiziert. Die Schüler dürfen Wörter nach Gehör schreiben. Zur Orientierung bekommen sie Anlauttabellen mit Abbildungen von Gegenständen. Zum Beispiel SCH wie Schere. Das führt zu Sätzen wie "die Kinder schpielen in der Schule." Klingt schließlich so, wenn man nicht gerade in Bremen lebt. Der gelassene Kommentar einer Lehrerin im TV-Beitrag: "Für uns Erwachsene ist das manchmal schwierig zu lesen. Aber wenn man es laut liest, kriegt man schon heraus, was die Kinder meinen." Diese Haltung ärgert den Vater und Juristen Henryk Wichmann, der der Unterrichtsmethode den Kampf angesagt hat. "Wir Eltern haben das auszubügeln, indem wir zu Hause nachsteuern oder Nachhilfe organisieren."

Lesen durch Schreiben - Regeln kommen zu kurz

In den ersten beiden Jahren können Grundschüler frei drauflos schreiben. Die Regeln und der Rotstift kommen erst im dritten Schuljahr zum Einsatz - nicht immer mit dauerhaftem Erfolg. Die Auswirkungen bekommt Peter Kruck von der Ruhr-Universität Bochum beim Korrigieren von Abschlussarbeiten von Lehramtsstudenten zu sehen. Plakativ wird ein sprachlich ungelenkes und fehlerstrotzendes  Beispiel in die TV-Kamera gehalten.

Mathe-Note 
Das hätte der Vater wohl nie für möglich gehalten

Als ihm der Sohn seine Note zeigt, ist der Vater völlig aus dem Häuschen. Video

Selbst Studenten versagen bei der Rechtschreibung

"Stern TV" hat Studenten vor dem Unigebäude zu einem kleinen Praxistest an die Tafel gebeten. Viele scheitern an den Wörtern Delegierte, Koryphäe und annullieren. Die ernüchternde Selbsterkenntnis: "Für Germanistikstudentin ist das schon ein bisschen peinlich." Kein Einzelfall. Laut Kruck ist rund ein Drittel der Studenten nicht in der Lage, drei Sätze hintereinander fehlerfrei zu schreiben. Die Konsequenz: Viele angehende Lehrer sind nicht in der Lage, Schülern die deutsche Rechtschreibung korrekt zu vermitteln.

Es gibt auch Verteidiger der Lehrmethode

In der Talkrunde im Studio verteidigt Marlis Tepe, Lehrerin und Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Lehrmethode. Heutzutage hätten Kinder bei der Einschulung sehr unterschiedliche sprachliche Grundlagen.  "Man holt die Kinder dort ab, wo sie herkommen", argumentiert sie.

Wichmann kontert, dass Schreiben nach Gehör gerade für lernschwache Schüler und Migranten nicht geeignet sei. Er behauptet: "Die Lernschere in den Klassen geht noch weiter auseinander." Schon liefert Tepe ein anderes Argument für die Methode. Sie motiviere die Schüler und setze bei manchen einen regelrechten Schreibfluss in Gang. Der Wortschatz der Grundschüler sei viel größer als früher und sie seien kreativer. "Wir können die Kinder heute nicht mehr mit der Fibel abspeisen." Sie schränkt ein, dass "Schreiben nach Gehör" nicht puristisch umgesetzt werden sollte. "Ich habe die Wörter immer richtig daneben geschrieben."

16 Fehler auf 100 Wörter

Aus sprachlicher Kreativität können handfeste Fehler werden, wenn  die Rechtschreibung vernachlässigt wird. Langzeitstudien, unter anderem die so genannte Marburger Studie, belegen, dass es in Klassen, die nach der LdS-Methode unterrichtet wurden, mehr Kinder mit Lese- und Schreibproblemen gab. Vor 40 Jahren kamen bei Viertklässlern durchschnittlich sieben Fehler auf 100 Wörter, im Jahr 2012 waren es 16.

In immer mehr Bundesländern kommt die Lehrmethode jetzt auf den Prüfstand, einige erwägen die Abschaffung. Aber die Folgen werden nachwirken.

Lesen Sie hier auch unseren Kommentar zu dem viel diskutierten Thema.

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