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Schüleraustusch: G8 hat den Schüleraustausch verändert

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Auslandsjahr  

G8 hat den Schüleraustausch verändert

11.11.2013, 20:31 Uhr | Barbara Erbe, dpa

Schüleraustusch: G8 hat den Schüleraustausch verändert  . Schüleraustausch:  Rund 19.000 Schüler nutzen jährlich die Chance, für einige Monate eine Schule im Ausland zu besuchen. (Quelle: dpa/Silke Heyer)

Aufbruch zu neuen Erfahrungen - rund 19.000 Schüler nutzen jährlich die Chance, für einige Monate eine Schule im Ausland zu besuchen. (Quelle: Silke Heyer/dpa)

Die Zeit zum Abitur ist durch G8 kürzer geworden, das Lernpensum dichter - bleibt dabei überhaupt noch Zeit für einen Schüleraustausch? Immerhin 19.000 deutsche Schüler haben im vergangenen Jahr eine Schule im Ausland besucht. Aber G8 stellt die Schüler bei der Planung des Auslandsaufenthalts vor schwierige Entscheidungen.

Peer sitzt auf gepackten Koffern. Voller Erwartung fiebert der 15-jährige Frankfurter seinem Abflug in die USA entgegen. Ein halbes Jahr wird er dort in einer Gastfamilie leben und zur High School gehen. "Wenn's gut läuft, würde ich eigentlich am liebsten ein ganzes Schuljahr dort verbringen" meint der Gymnasiast, der gerade die neunte Klasse abgeschlossen hat und jetzt im Zuge von G8 in die Oberstufe kommt. Angemeldet hat er sich trotzdem nur für ein halbes. "So kann ich hinterher in meine alte Klasse zurückkehren. Nach einem ganzen Jahr müsste ich eine Klasse tiefer wieder einsteigen."

Schüler gehen jünger und kürzer ins Ausland

So wie Peer machen es viele austauschfreudige Jugendliche in Deutschland. Sie ziehen im achtjährigen Gymnasium einen etwas kürzeren Aufenthalt im Ausland vor, berichtet Ines Held vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. "Manch ein Schüler, der früher ein Jahr in eine fremde Kultur eingetaucht wäre, tut dies nun lieber für drei bis sechs Monate."

Ein Grund hierfür könnte eine weitere Veränderung sein, die G8 dem internationalen Austausch gebracht hat: Die Teilnehmer sind jünger. Denn der größte Teil derer, die ins meist englischsprachige Ausland ziehen, sind dem unabhängigen Bildungsberatungsdienst "Weltweiser" zufolge Gymnasiasten. "Früher legten sie ihren Aufenthalt in die elfte Klasse, heute in die zehnte - denn die frühere elfte zählt nun bereits zur Qualifikationsphase für das Abitur", erklärt "Weltweiser"-Inhaber Thomas Terbeck. "Das heißt, wer bei der Ausreise früher 16 war, ist heute 15 oder sogar erst 14 - denn auch das durchschnittliche Einschulungsalter ist gesunken."

Immer mehr maßgeschneiderte Austauschprogramme

Darüber hinaus haben viele Austauschorganisationen auf die Sorgen von G8-Familien mit individuelleren, nicht zuletzt auch teureren Wahlprogrammen reagiert, berichtet Terbeck. "Wer daran teilnimmt, kann teilweise sogar die Schule direkt auswählen und das Fächerangebot auf die eigenen Bedürfnisse und Interessen abstimmen." Auch das kann - abhängig von den Versetzungsrichtlinien der jeweiligen Bundesländer - anschließend den Übergang zurück in die Heimatschule erleichtern.

Nach Auslandsjahr wird G8 zu G9

Trotz verkürzter Angebote und Wahlprogramme habe sich das Verhältnis von Überspringern zu Wiederholern inzwischen umgekehrt, sagt Terbeck. "Vor G8 sind weit mehr als die Hälfte der Schüler, die ein Auslandsjahr gemacht haben, anschließend in ihre alte Jahrgangsstufe zurückgekehrt. Heute steigt die Mehrheit einen Jahrgang darunter wieder ein." Einen Nachteil sieht er in dieser Entwicklung nicht. "Die Jugendlichen sind ja wegen der Schulzeitverkürzung noch immer sehr jung, wenn sie Abitur machen. Unterm Strich hat man ohnehin nur als volljähriger Abiturient alle Optionen."

Das bestätigt auch Uta Julia Schüler, Repräsentantin des Arbeitskreises gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA) in Berlin. "Wir beobachten, dass immer mehr junge Leute durch das Auslandsjahr nicht nur ihr Leben bereichern, sondern auf diesem Weg auch ganz bewusst ihr persönliches G9 realisieren."

Flexibilisierungsjahr in Bayern, Prämie in Hamburg

Ganz in diesem Sinne hat in Bayern das sogenannte Flexibilisierungsjahr eingeführt. Von diesem Schuljahr an können sich bayerische Gymnasiasten in der Mittelstufe für ein zusätzliches Schuljahr mit verschiedenen individuellen Förderangeboten oder eben auch für einen Auslandsaufenthalt, beispielsweise nach der Jahrgangsstufe zehn, entscheiden. Das soll ihnen erleichtern, sich nach der Rückkehr wieder in den Schulalltag einzufinden.

Auch in den anderen Bundesländern gibt es laut Terbeck Bestrebungen, den internationalen Schüleraustausch zu fördern. So sei in Nordrhein-Westfalen die Hürde für die Rückkehr in die alte Jahrgangsstufe vergleichsweise niedrig. Hamburger Schüler würden für ihren Austausch von der Hansestadt sogar mit bis zu 5000 Euro finanziell unterstützt.

Steigende Nachfrage nach Schüleraustausch

Momentan liegt der Anteil von Jugendlichen, die eine Schule im Ausland besuchen, laut einer aktuellen "Weltweiser"-Studie bei rund 2,8 Prozent eines Jahrgangs - zwei Drittel davon Mädchen. "Die Tendenz steigt, trotz verkürzter Gymnasialzeit", sagt Terbeck. Nicht zuletzt durch PISA und andere internationale Bildungsstudien seien gerade wohlhabende Mittelschichteltern stärker motiviert, für die Bildung ihres Kindes viel Geld in die Hand zu nehmen.

Ob die Investition Auslandsjahr die Gesamtschulzeit verlängert oder nicht, wird in zwei oder drei Jahren keine so große Rolle mehr spielen, schätzt AJA-Repräsentantin Schüler. "Bei den ersten G8-Jahrgängen war die Panik noch groß, inzwischen hat sich das alles ganz gut eingespielt."

Wie Schüler vom Auslandsjahr profitieren können

Auch Peer hat die Option, seinen USA-Aufenthalt doch noch auf ein ganzes Jahr zu verlängern. Je mehr er sich mit seinem Gastland auseinandersetzt, desto eher kann er sich vorstellen, für diese Erfahrung in der Heimatschule ein Jahr zu wiederholen. Schließlich bietet sich solch eine Möglichkeit so bald nicht wieder. Und wenn er in seinem US-Staat Michigan 16 wird, könnte er dort sogar noch seinen Führerschein machen.

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