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Bildung  

Bilanz nach fünf Jahren: "Eine Bildungsrepublik sieht anders aus"

22.11.2013, 13:35 Uhr | rev, dpa, t-online.de

Bildungsrepublik: die Bilanz nach fünf Jahren. Die Hälfte aller Jugendlichen ohne Schulabschluss hat zuvor eine Förderschule besucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Hälfte aller Jugendlichen ohne Schulabschluss hat zuvor eine Förderschule besucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

2008 riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten die "Bildungsrepublik Deutschland" aus. Damals hieß es, dass das zentrale Versprechen unserer Gesellschaft sei, jeden Menschen zu integrieren und laut Merkel sei eine gute Bildung die wesentliche Voraussetzung dafür. Nach fünf Jahren hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nun eine überwiegend negative Bilanz vorgelegt, die zeigt: Noch hinkt Deutschland den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Besonders die Zahl der Schulabbrecher bereitet Sorgen.

Experte glaubt nicht an die Erfüllung der Ziele

Die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, geht nur äußerst langsam zurück. Waren es 2008 noch acht Prozent aller Schulabgänger, so hat sich diese Zahl inzwischen auf 5,9 Prozent reduziert, heißt es in der Analyse des Gewerkschaftsbundes.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten 2008 bei ihrem Bildungsgipfel in Dresden unter anderem das Ziel ausgegeben, die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss bis 2015 auf vier Prozent zu halbieren. Der Bildungsforscher Klaus Klemm, der im Auftrag des DGB die Fünf-Jahres-Untersuchung erstellt hat, bezweifelt, dass dieses Ziel "in absehbarer Zeit erreicht werden kann". Denn die Hälfte aller Schulabgänger ohne Abschluss habe zuvor Förderschulen besucht. Ein bundesweit abgestimmtes Konzept zur Unterstützung dieser Schüler sei jedoch nicht in Sicht.

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Hier gibt es am meisten Schulabgänger ohne Abschluss

Klemm verweist zudem auf große Unterschiede zwischen den Bundesländern. So verlassen in Bayern nur 4,8 Prozent der Jugendlichen ihre Schule ohne Hauptschulabschluss. In Sachsen-Anhalt sind es dagegen 11,3 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern sogar 11,9 Prozent - insgesamt sind die Schulabbrecherquoten im Osten deutlich höher als im Westen.

Die Tabelle zeigt die Werte der Bundesländer in der Übersicht:

BundeslandSchulabgänger ohne Hauptschulabschluss
Bayern4,8 Prozent
Baden-Württemberg5,1 Prozent
Saarland5,2 Prozent
Hessen5,4 Prozent
Niedersachsen5,4 Prozent
Rheinland-Pfalz5,5 Prozent
Nordrhein-Westfalen5,6 Prozent
Hamburg 6,6 Prozent
Bremen6,8 Prozent
Thüringen6,8 Prozent
Schleswig-Holstein6,9 Prozent
Brandenburg8,4 Prozent
Sachsen8,9 Prozent
Berlin9,0 Prozent
Sachsen-Anhalt11,3 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern11,9 Prozent
Deutschland gesamt5,9 Prozent

"Eine Bildungsrepublik sieht anders aus"

Schleppend verläuft auch die Realisierung eines anderen Ziels, das die Regierungschefs auf dem Bildungsgipfel definiert haben. So sollte die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss bis 2015 von damals 17 Prozent auf 8,5 Prozent halbiert werden. 2012 waren immerhin noch 14,9 Prozent der 20- bis 29-Jährigen ohne Abschluss. Das sind fast 1,5 Millionen junge Erwachsene.

Die hohen Zahlen der Teenager ohne Hauptschulabschluss und der jungen Menschen ohne Berufsabschluss sind für Klemm die Hauptprobleme im deutschen Bildungswesen. "Hier werden die Ziele des Bildungsgipfels nicht annähernd erreicht", prophezeit der Experte. Zudem zeige sich in der Weiterbildung und beim Hochschulzugang, dass Arbeitslose, Menschen ohne Berufsabschluss und solche mit Migrationshintergrund "abgehängt bleiben". Das führt Klemm zu dem Fazit: "Eine Bildungsrepublik sieht anders aus."

Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick

Trotzdem gab es in den letzten Jahren auch positive Entwicklungen in der deutschen Bildungslandschaft. Das zeigen die wichtigsten Ergebnisse der DGB-Untersuchung in der Übersicht:

  • Die angedachte Halbierung der Quote von Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss auf vier Prozent ist nicht abzusehen. Zwischen 2000 und 2012 ist diese um 3,5 Prozentpunkte von 9,4 auf 5,9 Prozent gesunken. Ein Maßnahmenbündel, das hier weitere Erfolge verspräche, ist aber nicht erkennbar - vor allem keines, das die Förderschulen, aus denen mehr als die Hälfte der Absolventen ohne Hauptschulabschluss stammt, einbezieht.
  • Auch die angestrebte Halbierung der Quote Erwachsener, die keinen Berufsabschluss erwerben, ist laut Analyse nicht in Sicht: Von 2008 bis 2012 hat sich die entsprechende Quote von 17,2 Prozent auf 14,9 Prozent nur geringfügig verringert. Da die Integrierte Ausbildungsberichterstattung für 2012 noch eine Zahl von fast 267.000 jungen Erwachsenen im sogenannten Übergangssystem vermeldet - jenem System, das keinen Berufsabschluss vermittelt -, kann man nicht von einer Zielerfüllung ausgehen. Diese Personen tauchen in der offiziellen Statistik nicht auf.
  • Beim Ausbau der Krippenplätze für unter Dreijährige liegt Deutschland im Betreuungsjahr 2013/14 mit einem Platzangebot von angekündigten 40,3 Prozent oberhalb der angestrebten 35 Prozentmarke. Selbst wenn ein Teil der im Verlauf des Jahres 2013 bei den Ländern angemeldeten Plätze nicht eingerichtet werden sollte, kann man davon ausgehen, dass der bundesdurchschnittliche Wert nicht unter 35 Prozent fallen wird.
  • Mit der 2012 erreichten Weiterbildungsquote von 49 Prozent ist die Zielquote 50 Prozent fast erreicht. Allerdings verbirgt sich hinter der Statistik eine soziale Schieflage: Vor allem Arbeitslose, Menschen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung und Menschen mit einem Migrationshintergrund sind bei der Weiterbildungsbeteiligung wenig vertreten.
  • Das Ziel, die Quote der Studienanfänger auf 40 Prozent anzuheben, wurde mit 54,7 Prozent (2012) weit übertroffen - aber auch hier verbunden mit einem hohen Maß an Chancenungleichheit: 77 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien, aber nur 23 Prozent der Kinder aus nicht-akademischen Herkunftsfamilien beginnen mit einem Studium. Die Steigerung der Studienanfängerquote macht außerdem auf die Probleme der Hochschulen aufmerksam, den jungen Studierenden angemessene Studienbedingungen zu bieten.
  • Dem Ziel, die öffentlich und privat getragenen Bildungsausgaben auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern, ist Deutschland im Jahr 2011 mit einem Wert von 9,5 Prozent sehr nahe gekommen. Diese Entwicklung konnte aber nicht verhindern, dass in Deutschland der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt aller OECD-Länder liegt.

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