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Unterrichtsausfall an deutschen Schulen: Eine Million Stunden pro Woche

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Schulmisere  

Bildungslücken: Eine Million Schulstunden fallen pro Woche aus

06.12.2013, 16:22 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Unterrichtsausfall an deutschen Schulen: Eine Million Stunden pro Woche. Rumgammeln statt Unterricht: Es fallen so viele Schulstunden aus, dass sich nicht mal mehr die Schüler freuen.  (Quelle: imago)

Rumgammeln statt Unterricht: Es fallen so viele Schulstunden aus, dass sich nicht mal mehr die Schüler freuen. (Quelle: imago)

Eine Million Stunden fallen an deutschen Schulen pro Woche ersatzlos aus. Zu viel - wenn selbst die Kinder sich nicht mehr über Freistunden freuen, sondern nur vom "Rumgammeln" sprechen, wenn sie die Zeit totschlagen bis zur nächsten regulären Stunde. Sinnvolle Überbrückung? Fehlanzeige. Mangels ausgebildeter Vertretungskräfte oder überhaupt ansprechender Räume, die den Schülern offen stehen.

"Mama, ich habe heute erst zur dritten Stunde, komme aber schon nach der fünften und morgen habe ich die erste, die dritte und dann erst wieder die siebte Stunde!" Unterrichtsausfall und nutzlose Freistunden häufen sich so stark an unseren Schulen, dass sich selbst die Schüler gar nicht mehr darüber freuen. "Rumgammeln" ist dann angesagt, denn nur selten sind die freien Stunden am Stück und erlauben es, nach Hause zu fahren oder schwimmen zu gehen oder Erledigungen zu machen.

Zwei Stunden pro Woche fallen aus

Rund vier Prozent der Schulstunden fallen ersatzlos aus, weitere vier Prozent werden nicht lehrplanmäßig vertreten. Eigentlich müssten pro Woche in allen 500.000 Klassen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen zwischen 12 und 14 Millionen Stunden unterrichtet werden. Das bedeutet, in jeder Klasse werden pro Woche zwei Unterrichtsstunden nicht lehrplanmäßig gehalten.

Die Lehrer sind krank, im Mutterschutz, auf Klassenfahrt, Exkursion, Studienfahrt oder auf Fortbildung. Springer gibt es kaum. Langfristige Planungen sind nicht möglich. Fachliche Vertretungen sind rar, denn Atteste gelten immer nur über einen Zeitraum von sechs Wochen, auch wenn eine längere Abwesenheit absehbar ist wie bei Schwangerschaftskomplikationen, Herzinfarkt oder Bandscheibenvorfall. Und das ist zu kurz für eine reguläre Ersatzkraft.

Keine Reserven - Vertretung aus Bordmittel

Erst ab einer längeren Ausfallzeit von mehr als sechs Wochen können Schulen Vertretungsmittel anfordern. Vorher muss die Schule sich mit "Bordmitteln" behelfen. Laut Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes gibt es unter den Bundesländern sehr große Unterschiede bei den Stundenausfallzahlen, aber kein Land hätte wirklich ausreichend Reserve.

Egal ob Grundschule, Berufsschule oder Gymnasium, selbst Abschlussklassen sind betroffen. Der Stoff fehlt. Die Lücken setzen Schüler und Lehrer noch zusätzlich unter Druck.

"Wir bräuchten eine Unterrichtsversorgung von 110 Prozent, also zehn Prozent Lehrer mehr als für die Unterrichtsabdeckung eigentlich nötig sind, um den auftretenden Ausfall auszugleichen", sagt Heinz-Peter Meidinger, selbst Schulleiter. Doch das ist Illusion. In allen Betrieben werden Mitarbeiter mal krank oder gehen auf Fortbildung, warum sollte das an Schulen anders sein und Studienfahrten sind Teil des Lehrplans.

Stundenausfall bedeutet "Freigang" für die Schüler

Bis zum Alter von 14 Jahren müssen Schüler zumindest beaufsichtigt und in irgendeiner Weise - idealerweise lehrstoffbezogen - beschäftigt werden, doch danach erhalten die Jugendlichen "Freigang". Nur selten übernehmen Kollegen die Vertretungsstunden, meist sind es wie in Hessen U-Plus-Kräfte, also Studenten oder andere Honorarkräfte, nicht unbedingt mit pädagogischer Ausbildung. Hessen hatte Unterrichtsausfälle von zehn Prozent zu verzeichnen, das Konzept der "Unterrichtsgarantie plus" sollte dies auffangen: Ein Vertretungspool von Betreuungskräften sollte eingesetzt werden und die ausgefallenen Stunden vertreten, mit Hilfe eines "Materialpools" von Unterrichtsmaterialien, die von den Fachkräften erstellt wurden. Nette Idee, nur leider nicht praxistauglich, da die Materialien nicht vorliegen oder nicht umgesetzt werden und das Personal nicht pädagogisch geschult ist. Durchgefallen.

"Eltern bekommen das Ausmaß gar nicht mit"

Weniger Stunden, weniger Wissen - das ist wohl die logische Schlussfolgerung, die Eltern und Lehrer beunruhigt, vor allem in Hinblick auf anstehende Abschlussprüfungen. "In der Regel legt man an Schulen bei Abiturkursen großen Wert darauf, dass der Unterrichtsausfall in Grenzen bleibt", versucht Meidinger zu beruhigen. "Allerdings kann man bei älteren Schülern auch mal mit Arbeitsaufträgen arbeiten, die beispielsweise während ausfallender Unterrichtsstunden zu bearbeiten sind, aber dann natürlich auch verbessert und anschließend besprochen werden."

Allerdings schränkt auch der Verbandschef ein: "Bei älteren Schülern bekommen Eltern oft das Ausmaß des Unterrichtsausfalls gar nicht mir, weil die Jugendlichen dies zu Hause nicht erzählen. Eltern gehen vor allem dann auf die Barrikaden, wenn sie Angst haben, dass ihren Kindern langfristige Nachteile entstehen, etwa weil sie mit Lücken in die Oberstufe gehen müssen." Sie gehen auf die Barrikaden oder zahlen teure Nachhilfelehrer.

Lehrerpräsident fordert mehr Unterrichtsreserven

Die Lösung für das Millionenloch, das auf der Stundentafel klafft, ist eigentlich klar, so Meidinger: "Die Bereitstellung einer ausreichenden integrierten Unterrichtsreserve von 110 Prozent mittels Teilung von Klassen. Wenn eine Lehrkraft erkrankt, wird die Klasse wieder zusammengelegt und der freigestellte Lehrer übernimmt die Vertretung. Mehrarbeit gibt es sowieso. Quer- und Seiteneinsteiger mit ordentlicher Nachqualifikation oder Studenten oder auch Pensionisten können nur eine Notlösung sein in den so genannten Mangelfächern Mathe, Naturwissenschaften, Informatik, Technik."

Schuldenbremse blockiert Verbesserung

Die Perspektive sollte eigentlich besser werden, doch die Realität ist anders: "Eigentlich müsste es besser werden, weil der Lehrermangel langsam geringer wird. Auf der anderen Seite zwingt die Schuldenbremse finanzschwache Länder, Personal abzubauen und zwar auch an den Schulen, wie etwa das Beispiel Baden-Württemberg zeigt."

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