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Kinderarmut: Gewalt, Tod, Armut - diese Kinder kennen alles

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Kinderschicksale  

Gewalt, Tod, Armut - diese Kinder kennen alles

12.12.2013, 16:33 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Kinderarmut: Gewalt, Tod, Armut - diese Kinder kennen alles . Kinder können sich die Familien nicht aussuchen, in die sie hineingeboren werden. (Quelle: Arche)

Kinder können sich die Familien nicht aussuchen, in die sie hineingeboren werden. (Quelle: Arche)

Das Leben hat nicht nur Sonnenseiten, für manche Kinder hat es sogar fast nur Schattenseiten. Kinder können sich die Familien nicht aussuchen, in die sie hineingeboren werden. Und trotzdem lieben alle Kinder ihre Eltern, egal was passiert: Armut, fehlende Chancengleichheit und gescheiterte Eltern, Kinder sind die Verlierer, sie verlieren nicht nur ihre Kindheit, sie verlieren auch die Perspektive für ihre Zukunft. Oft muss erst unfassbar Schlimmes passieren, um aus einem hoffnungslosen Fall einen motivierten jungen Menschen zu formen, wie bei Peter.

"Die leiblichen Väter sind weg. Irgendwo bei anderen Müttern, Frauen - für kurze Zeit, bis sie auch diese wieder verlassen. Auch in diesen Familien bleiben neue Kinder bei ihren Müttern zurück. Ältere Kinder wollen weg, zu ihren Freundinnen und Freunden, wollen raus aus der Enge, aus der Trostlosigkeit, raus aus der Arbeitslosigkeit, Stütze und Sozialhilfe", so beschreibt der Arche-Sprecher Wolfgang Büscher die ausweglose Situation der Kinder. Sie können sich ihre Eltern nicht aussuchen, wenn sie Glück haben, finden sie andere Bezugspersonen, beispielsweise in der Arche. Für viele wird der Berliner Pastor Bernd Siggelkow deshalb zu einem Ersatzvater, den sie "Papa Bernd" nennen.

Frühe Schwangerschaft, häusliche Gewalt, Hartz IV - der Kreislauf endet nicht

"Die Mädchen sind oft erst 15, 16, wenn sie zu ihre Freunden ziehen. Sehr früh bekommen sie selbst Kinder. Das Geld reicht vorne und hinten nicht. Probleme über Probleme. Die Ausbildung wird abgebrochen. Ihr Leben ist oft ein einziger Kreislauf. Man könnte im Grunde beginnen, die Geschichte wieder von vorne zu erzählen", sagt Büscher

Mietschulden, Räumungsklagen, Gewalt, Krankheit, Drogen, Alkohol, Arbeitslosigkeit - das sind die immer wiederkehrenden Themen der Familiengeschichten. Es sind nicht Klischees, die hier bedient werden, es ist die brutale Wirklichkeit: hoffnungslose, überforderte Mütter, familiäre Gewalt, Schulden, katastrophale häusliche Verhältnisse, vermüllte Zimmer ohne Schränke, ohne Betten, kahle Wände, manchmal fünf Kinder, die in einem Raum auf Matratzen schlafen.

Es gibt auch Hoffnungsgeschichten

Doch manchen gelingt es, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die seltenen Chancen zu nutzen. Es sind Hoffnungsgeschichten wie diese, die Büscher und Siggelkow in dem Buch "Deutschlands vergessene Kinder" vorgestellt haben, wir erzählen die von Peter, Jäger und Susann.

Viele Kinder müssen erst einmal einen inneren Kampf bestehen, seelische Wunden müssen heilen, wie bei Peter, ein auffälliger Teenager, der oft störte, nicht richtig lesen und schreiben konnte, mehrfach die Schule wechseln musste. Doch wer Peters Geschichte kannte, der hatte Verständnis für ihn: Er wurde Zeuge des Mordversuchs an seiner Mutter - durch seinen eigenen Vater.

Susann ist auf der Suche nach einem Papa, der mehr ist als nur einer von vielen Liebhabern ihrer Mutter. Diese Suche begleitet sie ein Leben lang. Eine andere Geschichte erzählt von Jäger, er ist der Skinhead mit der extrem harten Schale, der Grausames erlebt hat und einen Neuanfang wagt.

Papas kommen und gehen

Immer wieder wird Siggelkow gefragt, "Willst du mein Papa sein", von Kindern, die sich so sehr einen Vater wünschen. Sie nennen manche Männer schon anch nur drei Woochen "Papa", meist wieder nur für ein paar Monate, bis der nächste kommt. Den leiblichen Vater kennen sie selten.

Die Mitarbeiter der 15 Arche-Häuser in Deutschland ersetzen oft einen Elternteil, denn den Kindern fehlen zu Hause verlässliche Ansprechpartner. "Wir wollen kein Familienersatz sein", betont auch Tim Rauchhaus, der die Arche in Berlin-Hellersdorf leitet. "Wir sind eine Familienergänzung." Der 37-jährige Sozialpädagoge weiß: "Die meisten Kinder lieben ihre Eltern immer, da ist es fast egal, was passiert, deshalb gehen sie auch abends wieder zu ihnen nach hause."

Kinder brauchen, so seine Erfahrung, Verlässlichkeit, die sie zu Hause nicht haben. Das suchen sie in der Arche. Sie finden verlässliche Bezugspersonen, feste Essenszeiten, einen geregelten Tagesablauf, gelebte Werte.

Traumberuf: Superstar oder Hartz-IV-Empfänger

Ist Armut wirklich ein Makel? Zumindest empfinden das nach Siggelkows Beobachtung die Jugendlichen eher so als die jüngeren Kinder. Es geht dabei nicht nur um Markenklamotten, sondern auch um Bildung. Er rechnet vor: 44 Prozent der Schüler besuchen die falsche Schulform - auch aus sozialen Gründen. Der Grund ist oft schlicht: kein Geld, um das Busticket für die Fahrt zur weiterführenden Schule zu bezahlen, da die im eigenen Viertel keine Plätze mehr hat, also bleibt nur die Hauptschule.

Sie kennen nichts anderes. Deshalb die Rangliste der Traumberufe aus der Arche so aus: Superstar steht an der Spitze, gefolgt von Arche-Mitarbeiter und schon an dritter Stelle Hartz-IV-Empfänger.

Kinder ergreifen die Initiative - Eltern haben aufgegeben

Oft sind es die Kinder, die die Initiative ergreifen, die sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen. Kleine Jungs mit sieben Jahren, die sich um alles kümmern, die für die kleinen Geschwister zum Ersatzvater werden, mit ihnen zum Arzt gehen, sie füttern, in die Kita bringen, einkaufen, darüber aber die Schule vernachlässigen. Kleine Erwachsene, die ihre Kindheit vergessen.

Stärken entdecken, auch das ist ein Thema in der Arche. Ob es das Fußball-Talent ist, das neues Selbstvertrauen entdeckt und Ehrgeiz auch in der Schule entwickelt oder die Berufsausbildung. Für ein Lob strengen sie sich an, sie wollen Anerkennung, denn in ihrer Familie erhalten sie das nur selten, doch das ist nötig, um selbstbewusst durch das Leben zu gehen.

"Deutschlands vergessene Kinder"

Nicht allen Kindern können die Einrichtungen dauerhaft helfen. Manche der Schützlinge starben, durch familiäre Gewalt, durch Unfälle, durch Selbstmord, durch Drogen , andere geraten auf die schiefe Bahn. Das zu verarbeiten fällt auch den Sozialprofis nicht leicht. Vielleicht hilft es, darüber zu schreiben.

Die Geschichten stammen aus dem Buch "Deutschlands vergessene Kinder".

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