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37 Grad: Durchgeplant und ausgebrannt - Schüler in der Leistungsfalle

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"37 Grad"  

Leistungsdruck bei Schülern - Wenn gut nicht gut genug ist

15.01.2014, 08:14 Uhr | t-online.de

37 Grad: Durchgeplant und ausgebrannt - Schüler in der Leistungsfalle. "37 Grad": Lea ist eine gute Schülerin, aber setzt sich oft selbst unter Druck, noch besser werden zu wollen.  (Quelle:  Katrin Wegner / ZDF)

Lea ist eine gute Schülerin, aber setzt sich oft selbst unter Druck, noch besser werden zu wollen. (Quelle: Katrin Wegner / ZDF)

Schüler haben heute nicht selten 40 Stunden Unterricht in der Woche. Doch die Zeit, die für die Schule aufgewendet werden muss, ist damit noch nicht zu Ende: Hausaufgaben und Lernen kommen zu Hause noch dazu. Sport, Hobbys oder Freunde bleiben auf der Strecke. Viele Schüler stehen unter einem extremen Leistungsdruck, der nicht oder nicht immer von den Eltern ausgeht, sondern immer häufiger von den Kindern selbst. Warum ist das so? Um diese Frage zu klären, begleitete die Doku-Reihe "37 Grad" für die Sendung am 14. Januar drei Schülerinnen in ihrem Alltag mit der Kamera.

Mia (10) hat die Schule krank gemacht. Ständig hat sie Kopfschmerzen, fühlt sich erschöpft. In Frankfurt besucht sie seit kurzem eine private Schule, in der alle Fächer auf Englisch unterrichtet werden. In der Woche hat sie 45 Stunden Unterricht. Mias Mutter ist alleinerziehend und arbeitet viel. Mit der Auswahl der bilingualen Schule wollte sie ihrer Tochter eigentlich etwas Gutes tun. "Ich dachte eigentlich, dass ich meinem Kind damit eine gute Basis gebe für später. Englisch ist die Sprache, die man fließend sprechen sollte."

Täglich ist Nachhilfe nötig

Mia ist eine sehr gute Schülerin, dennoch benötigt sie täglich Nachhilfe, denn ihre Mitschüler haben schon länger Englischunterricht als sie und sind deshalb viel weiter. Wenn Mias Mutter abends nach Hause kommt, hat Mia den ganzen Tag nur mit Lernen verbracht.

"Was ist das eigentlich?"

Morgens braucht die Mutter jetzt immer lange, um ihre Tochter zu wecken. Und immer öfter hat Mia Bauchschmerzen - so kann es nicht weitergehen, findet Mias Mutter. Nachdem Mia ihr erzählt hat, dass sie ihr Leben hasst, zieht sie die Notbremse. Für ihre Tochter hat sie nun ein Gymnasium ausgesucht, das zu G9 zurückgekehrt ist. Der Leistungsdruck bleibe dennoch, sagt die Direktorin. "Wir merken, dass viele Kinder mit Bauchschmerzen kommen, mit Kopfschmerzen und man sich die Frage stellt, was ist das eigentlich?"

Lea macht sich den Druck selbst

Lea (14) besucht in Hildesheim ein G8-Gymnasium. Sie weiß schon seit der Grundschule, dass sie für ihre Zukunft gute Noten benötigt. Dabei stellt ihre Mutter gar keine übersteigerten Forderungen, den Druck macht sich Lea selbst. Durch das ununterbrochene Lernen stellen sich bei ihr immer öfter Stresssymptome ein. Auch Krankheit lässt sie nicht gelten. Obwohl sie nicht völlig gesund ist, schreibt sie eine Arbeit nach, um nichts zu versäumen. Leas Direktor, Rudolf Schäffer, sieht die gestiegenen Anforderungen kritisch: "Es kann nicht das Ziel der Schule sein, dass wir das Bild vermitteln, dass Leistung das einzige ist, was im Leben zählt."

"Sehr gut wäre noch besser"

Leas Mutter weiß, wie es sich anfühlt, wenn man die eigenen Grenzen nicht respektiert. Auch sie hat vor einigen Jahren bis zum Zusammenbruch gearbeitet. Besorgniserregende Signale stellt sie auch bei ihrer Tochter fest und sucht deshalb professionelle Beratung. Als der Kinder- und Jugendpsychiater Schulte-Markwort bei Lea nachforscht, warum sie an sich so hohe Maßstäbe anlegt und ihr eine "zwei" als Note nicht ausreicht, antwortet Lea: "Sehr gut wäre natürlich noch besser." Schulte-Markwort findet es bedenklich, wenn unsere Kinder in dem Glauben aufwachsen, dass sich ihr eigener Wert nur über Leistung definiert.

Erschöpfungsdepression durch Leistungsdruck bei Ilka

In der Kinder- und Jugendpsychatrie Bonn landen die Schüler, die unter so extremem Leistungsdruck stehen, dass sie nicht mehr leben wollen. Realschülerin Ilka (15) ist seit drei Wochen in der Bonner Klinik. Sie leidet an einer Erschöpfungsdepression, weil sie dem Druck, immer gute Leistungen zu erzielen, nicht mehr standgehalten hat. "Ich weiß, dass Ilka sehr ehrgeizig ist", sagt ihre Mutter. "Sie möchte gute Noten haben, den Druck würde ich ihr aber gar nicht machen." In der Klinik ist der Unterricht pro Tag auf zwei Stunden beschränkt - die Kinder sollen sich erholen.

"Es gibt gar keine anderen Gedanken mehr"

Dennoch drängt Ilka auf ihre vorzeitige Entlassung, sie möchte nicht noch mehr Unterricht verpassen. Ein Teufelskreis: Ilka soll sich mehr entspannen, den Druck rausnehmen und muss gleichzeitig den verlorenen Stoff aufholen. Schon nach einem Tag Schule ist Ilka wieder gestresst. "Es gibt gar keine anderen Gedanken mehr, außer Schule." Immer wieder fällt sie in alte Strukturen. Ihre Mutter hilft ihr, ihre Grenzen zu erkennen und ermuntert sie, Ablenkung zuzulassen.

Leistungsdruck ist ein Massenphänomen geworden

Wie Ilka, Mia und Lea geht es mittlerweile vielen Kindern in Deutschland, Leistungsdruck ist ein bedenkliches Massenphänomen geworden. Besonders Mädchen wollen alles richtig machen. Jungen gelingt es besser, in Sport- und Freizeitaktivitäten einen Ausgleich zu finden.

Der Ausgleich fehlt

Warum sich so viele Kinder einem so massiven Leistungsdruck aussetzen, lässt sich nicht abschließend klären. Ehrgeiz und Angst vor der Zukunft spielen sicher eine Rolle. Eltern tun gut daran, ihren Kindern eine gesunde Balance zwischen Arbeit- und Familienwelt vorzuleben. Eine wichtige Fähigkeit - die in der Schule nicht gelehrt wird.

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